Proteste gegen Standort für Bauhof

Am alten Standort an der L 188 wird eine Schreinerei entstehen.
Am alten Standort an der L 188 wird eine Schreinerei entstehen. ©VOL.AT/ Hofmeister
Gaschurn - Anrainer sammelten Unterschriften gegen Standort zwischen L 188 und Unter Trantraunas. Sie kritisieren das Umwidmungsverfahren und befürchten Lärm- und Geruchsbelästigung.

Etwas verwundert waren sie dann doch: Eine Gaschurnerin und ihr Lebensgefährte standen vor der Wahl, ihr altes Montafoner Haus entweder zu sanieren oder neu zu bauen. Neubau gehe nicht, denn die angrenzenden Flächen wären als landwirtschaftliche Grundstücke gewidmet, beschied der Bürgermeister. Doch eines Tages sei der Vater, rechtmäßiger Eigentümer der betroffenen Grundstücke gekommen. Er berichtete der Tochter, dass ein „Unterhändler“ der Illwerke ­diese Grundstücke hätte kaufen wollen. „Wir haben natürlich nachgefragt, warum plötzlich Interesse an unserem landwirtschaftlichen Grund bestand“, berichtet die junge Frau. Es habe sich schließlich herausgestellt, dass zwischen L 188 und Unter Trantraunas der neue Bauhof der Gemeinde Gaschurn errichtet werden sollte. Weitere Recherchen hätten ergeben, dass die Nachbargrundstücke bereits umgewidmet worden waren. Aus dem landwirtschaftlichen Grund, auf dem ja nicht gebaut werden durfte, war die Betriebsfläche „Sondergebiet Bauhof“ geworden.

Anderer Standort

Dieser kombinierte Bauhof mit Altstoffsammelzentrum war ursprünglich auf dem Grundstück schräg gegenüber des Kops-II-Werkes geplant, also außerhalb des Wohngebiets. Vorbereitungen dazu seien bereits im Gange gewesen, als die Verantwortlichen der Illwerke darum baten, das Grundstück behalten zu dürfen. „Im Bereich der ehemaligen Deponie Rifa Ost verfügt die Gemeinde über ein geeignetes Grundstück, an dem die Illwerke interessiert sind. Allerdings hat die Gemeinde Gaschurn klar zum Ausdruck gebracht, dass diese Liegenschaft nicht zum Erwerb zur Verfügung steht“, sagt Markus Burtscher, Leiter des Liegenschafts- und Gebäudemanagements der Vorarlberger Illwerke AG. Die Illwerke seien im Nahbereich der Kraftwerksanlagen immer am Erwerb von Grundstücken interessiert. Der Grund, auf dem der neue Bauhof entstehen soll, werde aber nicht von den Illwerken, sondern der Gemeinde Gaschurn erworben. Auf große Begeisterung, den neuen Bauhof am Rande des Ortskerns zu errichten, stößt die Idee nicht. Mehr als 20 Anrainer hatten unlängst per Unterschrift ihren Unmut geäußert. Die Liste habe man bei einer Gemeindevertretersitzung abgegeben und seitdem nichts mehr gehört. Unter den Standort-Gegnern ist auch Ersatz-Gemeindevertreter Kurt Burger, unmittelbarer Anrainer und Betroffener. „Ich wurde in die Bauhof-Projektgruppe als Nachbarschaftsvertreter gewählt. Dort wurde vereinbart, dass auch Lärm- und Geruchsbelästigung bei der Vergabe des Siegerprojektes bestmöglichst berücksichtigt werden müssen. Das ist nach der jetzigen Umplanung auf Grund der Kostenexplosion meiner Meinung nach nun nicht mehr der Fall“, ärgert er sich.

Umplanungen

„Auch wurde bei dieser Projektgruppe nicht mehr über einen alternativen Standort diskutiert. Der Bauplatz war bereits fixiert worden, also konnte ich nur noch versuchen die Lärm- und Geruchsbelastung abzuweisen. Auf Grund der explodierenden Errichtungskosten werden nun an diesem Siegerprojekt Umplanungen vorgenommen, die wir genau so nicht wollten.“ Unter den Anrainern gibt es auch einige, die in der Nähe des geplanten Bauprojektes Gästeunterkünfte vermieten. Burger und seine Nachbarn befürchten nun, dass die Urlauber neben dem Verkehrslärm mit weiteren Unannehmlichkeiten zu rechnen haben.

Mehr Informationen

Zudem fühlen sich die Standort-Gegner nicht ausreichend informiert, das Umwidmungsverfahren sei nicht nachvollziehbar, kritisieren sie. Die ungute Situation wäre am ehemaligen geplanten Standort Deponie Rifa Ost nicht in dieser Weise gegeben. Zudem wären die Baukosten dort wesentlich geringer. Ein weiteres Problem beim neuen Standort sehen die Anrainer darin, dass das Gebäude unter einer Leitung der Illwerke stehen wird. „Die Illwerke werden der Gemeinde für die Errichtung eine Ausnahmegenehmigung erteilen“, bestätigt Burtscher.

Keine Sonderstellung

Die Gemeinde habe besondere Auflagen, insbesondere den Brandschutz betreffend, zu erfüllen. „Die Genehmigung hätte jeder andere auch bekommen, wenn er die Auflagen erfüllt. Wir unterscheiden nicht zwischen Anfragen von Bürgermeistern und Privaten“, stellt Burtscher klar. Welche Mehrkosten ein Bau unter der Stromleitung mit sich bringe, könne er nicht abschätzen.

 

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