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Pro-Türkei-Demo in Bregenz verlief mit rund 2.000 Teilnehmern ruhig

2.000 Teilnehmer bei Pro-Türkei-Demo in Bregenz.
2.000 Teilnehmer bei Pro-Türkei-Demo in Bregenz. ©VOL.AT/Ronald Vlach
Bregenz. Am Sonntagnachmittag demonstrierten in der Landeshauptstadt rund 2.000 überwiegend türkisch-stämmige Vorarlberger gegen die Angriffe der von der EU als Terrororganisation eingestuften kurdisch-marxistischen PKK. Zu Zwischenfällen kam es nicht, so Polizeisprecher Horst Spitzhofer gegenüber VOL.AT.
2.000 bei Demo in Bregenz
Bilder der Demo in Bregenz

Von ca. 13 bis 15 Uhr fand die Kundgebung in Bregenz statt, der Demonstrationszug mit rund 2.000 Teilnehmern zog sich durch die Innenstadt zum Symphoniker-Platz. Die Veranstaltung, die von der Polizei überwacht wurde, verlief friedlich und ohne gegnerische Störaktionen.

Vorarlberger Grüne kritisieren Demo

Klubobmann Adi Gross sieht die Kundgebung in Bregenz kritisch: “Offenbar unterstützen viele in Vorarlberg lebende Türken Erdogans Strategie, die Krieg als Mittel des Wahlkampfs in Kauf nimmt”, so Gross in einer Aussendung. Es gehe dem autoritär, islamistisch und nationalistisch orientierten Erdogan einzig und allein darum, seine Macht zu erhalten. Man wolle in keinster Weise die terroristische Gewalt der PKK bagatellisieren. “Erdogan betreibt aber eine Diskreditierung der Kurden insgesamt. Kurden, die seit dem Erstarken der IS die einzige Organisation ist, die diese erfolgreich in Schach halten kann”, so der Grünen-Klubobmann weiter.

Man habe die Demo vor Ort beobachtet, die insgesamt friedlich verlaufen sei. Die Polizei habe sich korrekt verhalten und für einen ruhigen Ablauf gesorgt. Wenn in Bregenz 2.000 Demonstranten für Erdogan auf die Straße gehen, würden sie damit aber zeigen, dass sie seine militärische Eskalation und die weitere autoritäre und antidemokratische Entwicklung der Türkei unterstützen. “Das ist sehr schade und einer Integration auf Basis europäischer demokratischer Werte abträglich”, bedauert Gross.

Polizeisprecher Spitzhofer im VOL.AT-Interview

Videos: Die Demo in Bregenz

Demo gegen Terror der PKK in der Türkei

Die angemeldete Demonstration in Bregenz richtete sich gegen die Angriffe der PKK in der Türkei. Der wieder aufgeflammte Konflikt zwischen der von der EU als Terrororganisation eingestuften kurdisch-marxistischen PKK und der Türkei sorgt auch in Europa für Konflikte. Dieses Wochenende trafen bei Demonstrationen beider Seiten wiederholt Kurden und Türken aufeinander. Organisiert wurden viele der protürkischen Kundgebungen von der “Union für türkische Demokraten in Europa” (UETD), welche der türkischen Regierungspartei AKP des Präsidenten Recep Erdogan nahestehe.

Auto rast in Gruppe in Bern

Am Samstag gab es in Bern ein Dutzend Verletzte bei Zusammenstößen von Türken und Kurden. Kurdische Gegendemonstranten wollten eine Demo gegen die PKK stören und auf vermeintliche Übergriffe der türkischen Armee gegen kurdische Zivilisten aufmerksam machen. Mit Tränengas und Gummischrot mussten die Gruppen getrennt werden, die Polizei beklagt vier verletzte Beamte und einen verletzten Polizeihund. Ein Auto fuhr scheinbar beabsichtigt in eine Gruppe von türkischstämmigen Demonstranten, wie Schweizer Medien berichten. Daraufhin sei ein weiteres Fahrzeug und dessen Fahrer von Demonstranten attackiert worden.

Lebensgefährlich Verletzter in Hannover

In Hannover störten Kurden eine Solidaritätskundgebung türkischnationalistischer Demonstranten, bei Zusammenstößen erlitt ein 26-jähriger Kurde eine lebensgefährliche Stichverletzung. Es gab laut Medienberichten mehrere Festnahmen, darunter auch ein Taverdächtiger. In Berlin flogen Flaschen und Eier gegen eine pro-kurdische Demonstration, es gab laut Medienberichten Zusammenstöße mit sogenannten “Grauen Wölfen”, radikale türkische Nationalisten. Auch in weiteren Städten kam es zu Übergriffen beider Seiten bei und nach Kundgebungen.

Vorarlberger Polizei im Großeinsatz

In der Landespolizeidirektion war man daher bereits vorgewarnt. Laut Polizeisprecher Rainer Fitz waren am Sonntagnachmittag alle verfügbare Kräfte im Einsatz, um Zusammenstöße der beiden Gruppierungen zu vermeiden. Ab 13 Uhr sammelten sich die Demonstranten auf dem Seestadtareal, Beginn der Demonstration war um 14 Uhr. Die Demo wurde um kurz nach 15 Uhr beendet, laut Polizei kam es zu keinerlei Zwischenfällen.

Bürgerkriegsähnliche Zustände in Osttürkei

Seit dem IS-Terroranschlag in der türkischen Stadt Suruc Ende Juli geht die Türkei militärisch gegen den IS in Syrien und Nordirak vor – aber auch gegen die PKK in diesen Gebieten. Diese kündigte daraufhin den 2013 ausgehandelten Waffenstillstand auf und verübte mehrere tödliche Anschläge auf türkische Polizeibeamte. Das türkische Militär antwortete darauf mit Luftschlägen und der neuntägigen Abriegelung der nahe Syrien gelegenen Stadt Cizre. Die 120.000 Einwohner zählende Stadt gilt als PKK-Hochburg. Seit Tagen liefert sich die türkische Armee in der Stadt mit der PKK Gefechte und verhängte eine vollständige Ausgangssperre. Laut Amnesty International wurden Mobilfunksignale, Straßen sowie die Strom- und Wasserversorgung durch die Türkei blockiert. Kurdische Politiker warfen der Armee vor, auch Zivilisten zu töten. Am Dienstag sind türkische Bodentruppen in von der PKK genutzte Gebiete des Nordiraks einmarschiert.

(red.)


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