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Prag erlebte die bisher dramatischste Nacht

Teile von historischem Stadtzentrum doch evakuiert. U-Bahn-Stationen überflutet. Elefant und Flusspferd im Zoo tot. In ganz Tschechien 200.000 Evakuierte.

Während sich die Hochwasserlage in Südböhmen allmählich etwas beruhigt, hat die tschechische Hauptstadt Prag die bisher dramatischste Nacht erlebt. Hunderte Feuerwehrleute, Polizisten und Freiwillige Helfer standen ununterbrochen für Rettungs- und Sicherungsmaßnahmen im historischen Stadtzentrum im Einsatz, das trotz gegenteiliger Vorhersagen von Dienstag Abend schließlich doch vom Wasser „erwischt“ wurde. In ganz Tschechien mussten bisher wegen der Überflutungen nach Informationen aus dem zentralen Krisenstab rund 200.000 Leute evakuiert werden.

Der Wasserspiegel der Moldau stieg in Prag Mittwoch Früh immer weiter, die Fluten ergossen sich in die Straßen der tschechischen Hauptstadt. Das Viertel „Kralin“ stand beispielsweise völlig unter Wasser. Tausende Einwohner der Viertel „Alte Stadt“, „Josefov“ (beide im historischen Stadtzentrum) und eines Teiles des Bezirkes „Holesovice“ mussten evakuiert werden. Auch einige Hotels waren von den Maßnahmen betroffen.

Unterdessen wurde der Verkehr von dem Zentralen Bus-Bahnhof „Florenc“ eingestellt. Schon am Dienstag war der Zug-Bahnhof „Masarykovo nadrazi“ evakuiert und der Verkehr eingestellt worden. Der Prager Magistrat forderte die Bürger auf, nicht zur Arbeit gehen, falls sie in der Nähe der Moldau arbeiten.

Der Betrieb der U-Bahn wurde zum großen Teil eingestellt, die Züge fuhren nur in den Randgebieten Prags. Diese prekäre Situation solle einige Tage andauern. „Obwohl die Prager U-Bahn für ein ’Jahrhundertwasser’ gebaut wurde, hat das Wasser dieses Limit schon weit überschritten, und einige Stationen sind schon überflutet“, bestätigte die Sprecherin der Prager Verkehrsbetriebe, Michaela Kucharova.

Präsident Vaclac Havel unterbrach am Mittwoch seinen Urlaub in Portugal. „Am Nachmittag soll er in Prag ankommen. Er wird sich bemühen, als Oberbefehlshaber der Streitkräfte und als Staatspräsident dort zu helfen, wo es nötig sein wird“, erklärte sein Sprecher Ladislav Spacek.

Eine schlechte Nachricht kam aus dem Prager Zoologischen Garten:
Entgegen Berichten vom Dienstag haben ein Elefant und ein Flusspferd die Überschwemmungen nicht überlebt.

In Südböhmen, das in den vergangenen Tagen von den Überschwemmungen in Tschechien am stärksten betroffen war, zog sich das Wasser allmählich zurück. Allerdings machte das Hochwasser weiterhin Probleme, beispielsweise in der Umgebung des größten südböhmischen Teiches Rozmberk, wo das Wasser in der Nacht über einen Damm trat. In Budweis hatte sich die Lage bereits beruhigt, in den frühen Morgenstunden gab es über der Stadt schon blauen Himmel. Allerdings standen noch zahlreiche Straßen unter Wasser. Es gab ein Verkehrschaos, weil nur eine Brücke über die Moldau benutzbar war. Die älteste Steinbrücke in Mitteleuropa aus dem 13. Jahrhundert in Pisek (nördlich von Budweis) hat das Hochwasser überlebt: Die Statuen sind beschädigt, nur ein Teil des Geländers wurde zerstört.

Für die Evakuierung etwa 6.000 Tausenden Menschen bereitet sich in der Zwischenzeit die nordböhmische Stadt Aussig (Usti nad Labem) vor. Vorerst haben sich nur wenige Einwohner freiwillig in Sicherheit bringen lassen. Der Wasserspiegel in der Elbe geht steigt immer wieder, es sind bereits mehrere Straßen überflutet. Die beiden Stadtteile waren nur noch durch eine Brücke verbunden, das Stadtzentrum war für den Verkehr geschlossen.

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