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Pop-Stars sangen gegen Klimawandel

Hamburg/London/New York - Weltweiter Rock für den Klimaschutz: Auf den „Live Earth“-Konzerten rund um den Globus haben am Samstag 150 internationale Rock- und Popstars wie Madonna, Shakira, Yusuf und Genesis gegen den Klimawandel angesungen. New York  | Hamburg 

Als Weltbürger müsse jeder mehr Verantwortung übernehmen und im eigenen Leben auf Energiesparen setzen, forderte der Initiator des Ereignisses, Ex-US-Vizepräsident Al Gore, per Videobotschaft von den Fans in Sydney.

Dort hatte in der Nacht der über 24-stündige Konzertmarathon begonnen. Bei den Konzerten in Washington und New Jersey bei New York stand er selbst auf der Bühne und verlangte neue Gesetze und Technologien im Kampf gegen die globale Erwärmung. Die Veranstalter sprachen davon, per Fernsehen und Internet über zwei Milliarden Menschen erreichen zu wollen.

„Ein Dankeschön an alle hier in Amerika und alle bei den anderen Veranstaltungen auf der ganzen Welt. Ihr seid an diesem historischen Tag live mit uns verbunden – ihr seid Live Earth. Und ein Dankeschön an diese fantastischen Künstler, die nicht nur auf der Bühne stehen, sondern auch einen Standpunkt vertreten und das globale Anliegen unterstützen, die Klimakrise in den Griff zu bekommen“, sagte Gore.

Dennoch war die weltumspannende Konzertreihe eher eine große Party als eine Massendemonstration gegen die drohende Klimakatastrophe: Keine Transparente, wenig nachdenkliche Aufrufe der Stars, kaum Aufmerksamkeit für die Klima-Einspielfilmchen, stattdessen bestimmten gute Musik und Hunderttausende abtanzende Fans in den Stadien und Freiluftarenen das Bild.

Bei dem rund neunstündigen Festival in Hamburg, dem einzigen deutschen „Live Earth“-Konzert, heizte am Nachmittag Latino-Star Shakira zur Eröffnung gleich mit heißen Rhythmen ein. Im strömendem Regen versammelten sich zunächst nur einige tausend Zuschauer vor der Bühne. Doch zum©Abend hin, als der Regen nachließ und sich auch mal die Sonne zeigte, wurden die Ränge etwas voller.

US-Rapper Snoop Dogg und Enrique Iglesias begeisterten die maximal 30©000 Fans ebenso wie Grand-Prix-Teilnehmer Roger Cicero und Silbermond. Altstar Yusuf alias Cat©Stevens bildete den krönenden Abschluss des gelungenen Konzertes, bei dem mehr als 20 Künstler auf der Bühne standen. Doch trotz der vielen internationalen©Stars und zahlreicher deutscher Top- Musiker konnten die Veranstalter nach eigenen Angaben nur rund zwei©Drittel der 45©000 Tickets verkaufen.

Anders in London, wo es fast zeitgleich los ging: Im ausverkauften Wembley-Stadion jubelten 70©000 Menschen der Supergroup Genesis zu. Bei Sonnenschein feierten die Fans ein Konzert der Superlative mit Top-Stars wie Metallica, den Red Hot Chili Peppers und Madonna.

Im Giants-Stadion von New Jersey bot sich den mehreren zehntausend US- Fans ein ähnlich grandioses Konzerterlebnis: Die wiedervereinigte Band Police, Bon Jovi und die Smashing Pumpkins sollten dort für die Schlussakkorde des weltweiten Festivals sorgen. Als letzte Station setzte am Abend Rio de Janeiro ein musikalisches Zeichen gegen den Klimawandel. Beim größten und gleichzeitig einzig kostenlosen „Live Earth“-Event tanzten bis zu 700©000 Menschen an der Copacabana zu heißen Rhythmen unter anderem von Rockstar Lenny Kravitz.

Zu den erklärten Zielen der „Live Earth“-Bewegung gehört, den Kohlendioxidausstoß (CO2) bis 2050 um 90 Prozent zu reduzieren. Doch gab es auch Kritik an der Mega-Konzertreihe, weil dabei tausende Tonnen klimaschädliches CO2 produziert würden.©Darauf hatten die Veranstalter bereits im Vorfeld mit dem Hinweis reagiert, der positive Effekt der weltweiten Kampagne wiege dies auf. Außerdem kommen sämtliche Erlöse der Schutzinitiative „Alliance for Climate Protection“ von Gore zu Gute.

Die Umweltorganisation Greenpeace sah die Aktion insgesamt positiv, kritisierte aber das Engagement des Konzerns DaimlerChrysler, der mit seiner Automarke Smart als Sponsor auftrat. Das sei reine PR und habe nichts mit dem Klimaschutz zu tun, sagte Greenpeace-Klimaexperte Thomas Breuer zu „Spiegel-Online“.

Er kritisierte vor allem den hohen Benzinverbrauch der gesamten DaimlerChrysler-Autoflotte, während der Konzern den niedrigen Verbrauch des Smart betonte. Die Konzertreihe selbst sei aber ein guter Weg, vor allem junge Menschen für das Thema Klimaschutz interessieren, hieß es von©Greenpeace.

Den Auftakt der Konzertreihe hatte zu nachtschlafender Zeit in Deutschland Sydney mit feurigen Tänzen der australischen Aborigines gemacht. Die 45©000 Musikfans im Aussie-Football-Stadion ließen sich von zahlreichen australischen Bands wie Crowded House mitreißen. Kurz nach dem Auftakt in Sydney reihte sich Tokio in die Konzertserie ein.

Vor mehr als 10©000 Besuchern ließ es vor allem die US-Rockband Linkin Park krachen, die einen solchen Ansturm auf die Bühne auslöste, dass das Konzert kurz unterbrochen wurde. Ruhiger begann dann vor dem buddhistischen Toji-Tempels parallel ein weiteres zweistündiges „Live Earth“-Konzert in Kyoto, wo vor genau zehn Jahren das Kyoto-Protokoll zur Reduktion der Treibhausgase vereinbart wurde.

Auch China und Südafrika waren beim globalen Konzertereignis dabei: In©Schanghai und Johannesburg traten vor allem nationale Künstler vor die mehreren tausend Fans. Ein „Live Earth“-Konzert der besonderen©Art gab es in der Antarktis: Fünf Mitarbeiter einer britischen Forschungsstation in Rothera spielten dort mit ihrer Band Nunatak vor 17 Kollegen.

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