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Pontius Pilatus - ein Christ?

Feldkirch. „Shakespeare, das Theater“ zeigt Dramatisierung eines Schmitt-Romans.

Das von Renate Bauer und Martin Sommerlechner gegründete „Shakespeare, das Theater“ wartet stets mit interessanten Bühnenproduktionen auf. Der jüngste, gelungene „Streich“ ist der „anregende Theaterkrimi auf höchstem literarischem Niveau“, so der Programmtext, „Pilatus sucht corpus delicti“ – die von „Shakespeare“ dramatisierte Fassung des Romans „Das Evangelium nach Pilatus“ (2005) des französischen Erfolgsautors Eric-Emmanuel Schmitt (geb. 1960), zu dem Renate Bauer ja bekanntlich eine starke Affinität besitzt. Das Bregenzer Ensemble war im Pförtnerhaus zu Gast. Pontius Pilatus, von 26 bis 36 nach Christus Statthalter des römischen Kaisers Tiberius in der Provinz Judäa, verurteilt Jesus von Nazaret zum Tode, kommt als historische Nebenfigur in die Passionsgeschichte und „ins Credo“ und dadurch als quasi „Bibel-Star“ in die Unsterblichkeit… Im aktuellen Stück lautet das zentrale Problem: „Das Grab ist leer!“- ein Fakt, der Pilatus in den Mittelpunkt stellt.

Historie – ziemlich frei
Pilatus freut sich; nur 15 Verhaftungen und drei Kreuzigungen, darunter Jesus, lassen ein ruhiges Pascha-Fest erwarten. Doch dann verschwindet eine prominente Leiche, das Grab des Jesus ist leer! Auferstehung, Wunder, Diebstahl/Grabraub,Gerücht, Realität, plumper Schwindel? Pilatus besteht darauf, den Leichnam zu finden… Und der Krimi beginnt. Am Schluss steht sogar die Frage: Wurde Pilatus dabei vielleicht zum Christen? Das Stück ist gut recherchiert, gerade Pilatus bleibt aber doch zu einem Gutteil eine fiktive Größe. Der wunderbar wandlungsfähige Michael Schefts, Martin Sommerlechner als Pilatus, Andreas Roth und Angelina Berger präsentierten engagiert und ungemein spielfreudig in Mehrfachrollen (Regie: Renate Bauer) ein Stück biblische Geschichte – wie sie jedenfalls hätte sein können; das Personal ist bunt und prominent: Kaiphas, Herodes, Herodias, die Jünger, Josef von Arimathia, Salome, Johanaan, Pilatus´ Frau, Neffe Fabian, der griechische Philosoph Kraterius, Jeshua/Jesus …Ein pralles Theatervergnügen!

Edgar Schmidt

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