"Politik ist vielfach nur noch Inszenierung"

Im Gespräch mit "Vorarlberg LIVE" spricht "Ex und Hopp"-Obmann Bernhard Amann über Drogengebrauchsräume, kontrollierte Heroinabgabe, THC-Grenzwerte und Gesundheitsminister Johannes Rauch.

Die deutsche Ampel-Koalition hat in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, eine „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften“ einführen zu wollen. In der Schweiz laufen in diesem Zusammenhang seit Beginn des Jahres Pilotprojekte in mehreren Großstädten. Bernhard Amann, Obmann der Drogenberatungsstelle Ex und Hopp in Dornbirn, fordert die Legalisierung von Cannabis in Österreich schon lange.

„Arsch hoch“

Das Thema Sucht werde immer nur problematisiert, sagt Amann. Er habe viele Menschen kennengelernt, die höchst lebenskompetent seien und bei denen die Sucht nur ein kleiner Teil ihres Lebens ist. Das werde vielfach nicht so gesehen. „Meine Devise ist, stürzt die Experten von den Pyramiden und Arsch hoch, die Sache selber in die Hand nehmen“, betont der Suchtexperte. Dabei sei es wichtig die Leute zu begleiten.

"Es geht immer nur ums Geld"

Amann und seine Mitstreiter fordern seit Mitte der 1990er-Jahre einen Drogengebrauchsraum; vor etlichen Jahren wurden dafür 800 Unterschriften gesammelt und an die Landesregierung übergeben. Auch die kontrollierte Heroinabgabe sei ein ewiges Thema und werde mehr oder wenig verhindert. Es gehe immer nur ums Geld. Sucht sei einfach nicht so ein Headliner. „Das merkt man auch jetzt beim aktuellen Gesundheitsminister. Der ist offenbar der Pferdeflüsterer, bemüht sich um 40 Fiaker und macht auf Edith Klinger der Bundesregierung, anstatt dass man sich wirklich um die Probleme kümmert. Die Politik ist vielfach nur noch Inszenierung“, kritisiert er. Auf ein neues Drogenkonzept wartet Amann seit 20 Jahren. Seine wiederholten Forderungen zur Legalisierung von Cannabis haben bislang ebenfalls kein Gehör gefunden.

Beschlüsse des Suchtbeirats

Der Ex und Hopp-Obmann konnte bei Vorarlberg LIVE aber auch Neues verkünden. Zum einen habe der Suchtbeirat des Landes vor zwei Wochen einstimmig beschlossen, Verkehrsministerin Leonore Gewessler zu empfehlen, einen THC-Grenzwert von drei Nanogramm bei Cannabis im Straßenverkehr einzuführen.

Die Hälfte der Cannabis-Raucher, die erwischt werden, haben laut Amann weniger als 3,5 Nanogramm im Blut, trotzdem erhalte jeder von ihnen Vorgaben, die es bei Alkohol erst ab 1,6 Promille gibt. Ein weiterer Beschluss des Suchtbeirats: Blutuntersuchungen, für die derzeit noch 880 Euro bezahlt werden müssen, sollen nur noch 250 Euro kosten. 

Die Sendung "Vorarlberg LIVE" ist eine Kooperation von VOL.AT, VN.at, Ländle TV und VOL.AT TV und wird von Montag bis Freitag, ab 17 Uhr, ausgestrahlt. Mehr dazu gibt's hier.

Die ganze Sendung

(VN/VOL.AT)

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