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Poesie ja, aber kein Platz für die Satire

Bregenz - Gorkis "Kinder der Sonne" kommen am Landestheater schön daher – zu schön. Drinnen wird die gepflegte Redensart beim Tee zelebriert, draußen wird wild randaliert. Gorki

Dieses Bild scheint in Zeiten eines G-8-Gipfels (wie er nun im deutschen Heiligendamm naht) durchaus willkommen zu sein, um die Zustände der Welt zu verdichten. So ungenau dieses Bild aber ist, so ungenau ist auch eine Aktualisierung des 1905 uraufgeführten Stückes „Kinder der Sonne“, wenn sie sich nur auf diese Wirkung verlässt.

Stücke wie jenes von Alexej Maximowitsch Peschkow, alias Maxim Gorki, die in Russland zur Zeit des Umbruchs entstanden sind, haben fast alle dasselbe Thema. Auch jener Teil der bürgerlichen Schicht, der der sozialen Ungerechtigkeit nicht völlig teilnahmslos zusieht, ist unfähig sich neu zu orientieren.

Bestens zelebriert

Die „Kinder der Sonne“ – bestens situierte Chemiker, Ärzte, Künstler bzw. Gutsbesitzerinnen – sind zudem kaum in der Lage Sympathiekundgebungen einzuordnen. Vom Hass der Besitzlosen hat man sich – abgesehen von ein paar hilflosen Mitleidsbekundungen – bereits abgeschottet, mit der Liebe jener Menschen, die einem an sich nahe stehen, weiß man wenig anzufangen. Diese Fakten zeigt Gorki in verschiedenen Musterungen und die Figuren (Burghard Braun, Marion Freundorfer, Barbara Sonntagbauer etc.) führen sie in der Regie von Barbara Herold bestens und in schönem Sprachduktus vor.

Wenn Sara Livia Krierer und Franz Nagel als zartgliedrige Lisa und feinfühliger Boris auftreten, entstehen zudem wunderbar poesievolle Szenen. Dennoch vergisst niemand von welchem Zynismus dieses Stück durchwebt ist. Er ist präsent bis zur Schmerzgrenze. Der Humor bzw. jene satirischen Elemente, die die krasse Schwarzweißmalerei zwischen Unter- und Mittelschicht aufheben könnte, werden allerdings außer Acht gelassen.

Verblödete Rabauken

So erleben wir die aufständischen Arbeiter nicht nur als Gorki-Figuren mit ebenfalls bösen Seiten, sondern als völlig verblödete Rabauken, die Wodka aus der Flasche saufen und sich ordinär am Hintern kratzen. Da nützt es wenig, wenn Kurt Sternik ein Lenin-Käppchen tragen darf. Ausstatter Luis Graninger lässt den bürgerlichen Salon gut überlegt nach und nach in sich zusammenstürzen. Was hier danach kommt, bzw. von draußen hereinbricht, ist allerdings nur noch dumpfes Gegröle…

Viel Applaus für die Schauspieler. Es bleibt die Hoffnung, dass er wohl doch nicht dem hier gezeigten bzw. passierten Weltbild galt.

Nächste Aufführungen: ab 13. Juni bis Ende der Spielzeit wieder mehrmals am Bregenzer Kornmarkt,
Beginn: 20 Uhr
Dauer: knapp drei Stunden, eine Pause.

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