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Platin im Ländle: Die Unternehmenszentrale der i+R

In Lauterach steht das erste LEED-Platin ausgezeichnete Bürogebäude Österreichs.
In Lauterach steht das erste LEED-Platin ausgezeichnete Bürogebäude Österreichs. ©Bruno Klomfar | Cyril Müller
Lauterach - Bauen der Superlative: Das erste und einzige Bürogebäude mit LEED-Platin-Auszeichnung Österreichs steht im Ländle.
Die neue Zentrale in Lauterach

Am 9. Oktober wurde das Zertifikat offiziell überreicht. LEED ist ein in den USA entwickeltes System zur Zertifizierung ökologischer Bauten. Vergeben wird es für „Führerschaft in energie- und umweltgerechter Planung“, die ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte ausgewogen bewertet. Arbeitsplatzqualität und Raumklima zählen ebenso dazu wie Nachhaltigkeit bei Stoffen sowie Verfahren und technische Innovation.

Ergänzt man diese Kriterien um das der überzeugenden Gestaltung, so ist man bei der Architektur. Seit über dieses Thema geschrieben wird – und das ist seit rund zwei Jahrtausenden der Fall – geht es darum, so Unterschiedliches wie Nutzen, Beständigkeit und Anmut überzeugend unter einem Dach zu vereinen. Kann man’s besser sagen als mit den Worten von Olga Flatz, seit den Anfangstagen zu Jahresanfang Nutzerin und im Haus für Presse zuständig? „Wohlgefühl vom ersten Tag an – wegen der offenen Atmosphäre, dem angenehmen Raumklima und der logischen Struktur.“Eine Firmenzentrale für ein Traditionsunternehmen, das heute neben dem klassischen Tief- und Hochbau das Bauen um Projektentwicklung, Planung und Generalunternehmung erweitert hat, den Wohn-, Gewerbe- bis Industriebau abdeckt, Tochterunternehmen für Holz- und Fassadenbau integriert hat und international tätig ist – da hatten die Architekten ursprünglich „Großes“ im Sinn: „Zuerst dachten wir an einen Büroturm. Doch den haben wir umgeworfen – denn vom Unternehmen war das Ziel gesetzt: Transparenz, viele und kurze Wege, flache Hierarchien“, erinnert sich Architekt Helmut Dietrich.

Ein langgestreckter Baukörper von mäßiger Höhe war das Ergebnis, eine Glas- Holzkonstruktion in einem Betonrahmen, dem man von außen bereits seine Struktur ansieht: Vier Geschoße entsprechend den Hauptgeschäftsbereichen, längsseitig Büroräume an Fluren aufgereiht, die sich zu großzügigen, über Dach beleuchteten Innenzonen weiten. Dazu kommen Nebenräume und helle Besprechungsräume an den beiden Stirnseiten. Kernstück und Gestalt gewordene Unternehmenskultur ist die offene Skulptur der beiden Treppen – als wär’s ein Motor der Begegnung zwischen Unternehmensbereichen. Wie großzügig das gedacht ist, zeigt das zusätzliche, abgeschlossene Fluchttreppenhaus in der Gebäudemitte. Der vorherrschende Eindruck: technische Präzision, dezentes Grau, dazu die vornehme Eiche der Bürowände. Und – entschiedener Kontrast und Verneigung vor dem Bauen – eine Betonwand in roher Bretterschalung, die vom Erdgeschoß bis unters taghelle Dach reicht.

Dieser Betonkern scheidet die zwei Betonrahmen, die von außen betrachtet die Zone der Büroräume zusammenfassen mit den Besprechungsräumen dazwischen. Auch hier Beton und Holz: Die Fassade der Büros ist reine Holzkonstruktion – nach Süden mit „Sonnenbrechern“ dank plastischer Tiefe. Auch das ist LEEDProgramm: Nachhaltig bei Baustoff und Verarbeitung – kein Handwerksbetrieb liegt mehr als 15 Minuten Anfahrt entfernt.

„Unser Anspruch war ein bestmögliches Umfeld für unsere Mitarbeiter“, so Geschäftsführer Reinhard Schertler, „hohe Qualität bei Raumklima, Akustik und Energieeffizienz war für uns selbstverständlich.“ Das Gebäude unterschreitet den Passivhausstandard um ein Drittel bei durchschnittlicher Dämmung dank Erdwärmenutzung mit kontrollierter Be- und Entlüftung. Ausgeklügelte Automatisierung – vom Klima bis zum Kunstlicht – minimiert Energieverluste. Und doch: Jeder kann an seinem Arbeitsplatz das Fenster öffnen – dann freilich schaltet die Klimatisierung automatisch ab. „Haustechnik“, so Stefan Hämmerle, Projektleiter des Baus, „ist das Innovative, das wir laufend optimieren.“

So waren es in diesem heißen Sommer wenige Wochen, in denen über das „free cooling“ der Erdtemperatur hinaus künstlich gekühlt werden musste. Bemerkenswert, wo doch in hochgedämmten Bürogebäuden die Kühllast den Heizbedarf in der Regel übersteigt. Möglich wird das durch Klimatisierung plus Steuerung – das macht etwa 20 Prozent des gesamten Strombedarfs des Bürogebäudes aus. Der wird rechnerisch übers Jahr zu 100 Prozent „hauseigen“ durch eine Photovoltaikanlage bereitgestellt. Die 1500 m2 Fläche dafür hätten freilich auf dem Bau gar nicht Platz – sie stehen auf dem Dach des firmeneigenen Nachbarbaus.

Die Nutzung eines komplexen Unternehmens in eine schlüssige Raumstruktur gießen; dieser Struktur eine ausdrucksstarke Form geben; technische Innovationen auf der Höhe der Zeit einsetzen. „Uns ging es darum, optimale Arbeitsbedingungen mit einem starken Raumerlebnis und wirklicher Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen“, so Architekt Helmut Dietrich. Und so holt man dann das erste LEED-Platin ins Ländle.

 

Daten & Fakten

Objekt: Unternehmenszentrale
Bauherr: i+R Gruppe
Architekt: Dietrich | Untertrifaller, Architekten, Bregenz, www.dietrich.untertrifaller.com
Projektleitung: Heiner Walker
Statik: Mader & Flatz Ziviltechniker, Bregenz
Bauphysik: Lothar Künz, Hard
Nachhaltigkeit: ATP sustain, Wien
Freiraumgestaltung: Rotzler Krebs Partner, Winterthur (CH)
Planungsbeginn: Februar 2010
Ausführung: August 2011 bis Dezember 2012
Grundstücksfläche: 17.761 m²
Gebäudegrundfläche: 1049 m²
Nutzfläche: 3300 m²
Kapazität: 130–150 Arbeitsplätze
Kapazität Tiefgarage: 40 Stellplätze
Bauweise: Statische Bauteile Beton (teils kernaktiviert); Ausfachende  Konstruktion: Holz; Holzfenster; Modulare Bauweise mit variablen Büroflächen. Heizung, Kühlung: Erdwärme und Photovoltaikanlage decken den gesamten Energiebedarf (inkl. Licht und
Computer) 
Zertifizierung: LEED Platin (84 von 110 Punkten) U.S. Green Building Council  
Ausführung: Generalunternehmer: i+R Wohnbau, Lauterach;
Projektleitung: Gert Wagner, Stefan Hämmerle
Projektkosten: ca. 8 Mill. Euro
Energiekennwert: 9 kWh/m² im Jahr

Leben & Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
Mehr unter architektur vorORT auf www.v-a-i.at

Mit freundlicher Unterstützung von Arch+Ing

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