Pflegerin oder Todesengel: Zweiter Prozesstag

Anwalt Stefan Denifl
Anwalt Stefan Denifl ©Symbolbild, Archivbild
Zeugen, behandelnder Arzt und zwei Sachverständige am Programm.
82-Jähriger von Mitbewohnerin vergiftet?

Von Christiane Eckert/VOL.AT

Der Vormittag des heutigen Prozesstages ist für weitere Zeugeneinvernahmen reserviert, ehe ab 13 Uhr die Mediziner das Wort haben. Am Nachmittag wird als Erstes jener Arzt einvernommen, der damals den 82-Jährigen zu Hause besuchte und ihn sofort ins Spital überwies. Das Opfer wurde gegen ein Uhr nachts ins Dornbirner Krankenhaus gebracht und behandelt, was ihm das Leben rettete. Diesem Arzt soll die Angeklagte zwischen Tür und Angel mitgeteilt haben, das Opfer sei ein Alkoholiker und konsumiere Tabletten im Übermaß. Der Alkotest im Spital ergab jedoch, dass der Patient keinen Tropfen getrunken hatte und auch im Haus fand sich weder Schnaps, noch Wein, noch sonstige Hinweise auf Alkoholmissbrauch. Selbst im Supermarkt des Dorfes fragten die Fahnder nach, auch dort bestätigte man, dass der Rentner nie größere Mengen Alkohol gekauft hatte.

Psychiatrisches Gutachten

Zum psychischen Zustand der Angeklagten wurde Gerichtspsychiater Reinhard Haller befragt. In seinem Gutachten bestätigt er, dass die Frau zurechnungsfähig war. Haller spricht von einer Persönlichkeitsakzentuierung, allerdings ohne Krankheitswert und von einer „depressiven Anpassungsstörung“. Er bestätigt ein chronisches Schmerzsyndrom und eine Gewöhnung an Beruhigungs- und Schmerzmittel. Abnorme Rauschzustände oder drogenpsychotische Reaktionen liegen laut Gutachten nicht vor. Dass die Niederländerin die Fähigkeit besitzt, Recht und Unrecht zu erkennen, steht außer Zweifel. Dementsprechend zu handeln, auch. Letzteres sei lediglich leicht bis mäßig eingeschränkt gewesen, so Haller. Genauere Erklärungen und Ergänzungen wird der Psychiater den Geschworenen am Nachmittag liefern.

Chemie für Fortgeschrittene

Lorazepam, Alprazolam, Paracetamol, Benzodiazepine – alles Begriffe, die für den Laien kaum nachzusprechen sind, geschweige, dass deren Wirkung allgemein bekannt ist. Dazu wird die Tiroler Gerichtsmedizinerin Marion Pavlic Stellung nehmen. Sie ist Sachverständige mit Spezialgebiet „Toxikologie“. Sie wird dem Gericht einiges über die verabreichten Medikamente, deren Konzentration, Wechselwirkungen und Folgen erklären. Ihren Ausführungen zu folgen wird für Nichtmediziner vermutlich eine Herausforderung. Für Donnerstag steht unter anderem die Einvernahme des Opfers am Programm. Allerdings wird hierzu lediglich die dreieinhalbstündige Videoaufnahme von der Befragung abgespielt. Dem pensionierten Landwirt bleibt somit das persönliche Erscheinen vor Gericht erspart.

(Red.)

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