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Prozess begonnen: 82-Jähriger von Mitbewohnerin vergiftet?

Mordversuch - der Rentner hatte Glück.
Mordversuch - der Rentner hatte Glück. ©VOL.AT/Eckert
Prozess um Mordversuch: 51-jährige Holländerin soll versucht haben, pensionierten Landwirt zu vergiften. Der Pensionist entkam nur knapp dem Tod. Trotzdem ist das betagte Opfer von der Schuld der Angeklagten immer noch nicht überzeugt.
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Vorbericht: Pflegerin oder Todesengel?

Ein 82-jähriger pensionierter Landwirt im Bregenzerwald entkam Ende September vergangenen Jahres nur knapp dem Tod. Nachdem Bekannte den Betagten in seinem Haus besucht hatten, schien ihnen der Gesundheitszustand des Mannes so bedenklich, dass sie seine 51-jährige Untermieterin drängten, endlich einen Arzt zu holen. Doch eine Niederländerin, seit 2014 bei dem Bregenzerwälder wohnhaft, hatte es nicht so eilig mit dem Hilfeholen. Der 82-Jährige wurde ins Spital gebracht. Der durch die verabreichten Medikamente eingeschränkte Hustenreflex hatte zur Folge, dass es bereits zu einer Lungenentzündung gekommen war.

Die Niederländerin, vom Hausherrn als Erbin eingesetzt, geriet unter Verdacht. Der Pensionist, der unter anderem über beachtlichen Grundbesitz von rund neun Hektar und zwei Häuser verfügt, hatte die Verdächtige und deren Sohn als ausschließliche Erben eingesetzt. Seine eigenen Verwandten wären leer ausgegangen.

Staatsanwältin und Verteidigung als Erstes am Wort

Der Strafprozessordnung gemäß beginnt auch dieses Schwurgerichtsverfahren mit den Eröffnungsplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Anklagevertreterin Sarah Maria Haugeneder schildert zusammengefasst und übersichtlich, wie sich die Tat ihrer Ansicht nach zugetragen hat. Punkt für Punkt führt sie jene Beweisergebnisse an, die belegen sollen: Die 51-jährige Holländerin wollte an das Geld des Pensionisten und deshalb das Erlangen der nicht unbedeutsamen Erbschaft noch beschleunigen. "Das Opfer hat diese Vergiftung nur knapp überlebt", so Haugeneder. Wäre der Mann Nacht nicht umgehend ins Krankenhaus eingeliefert worden, wäre er heute tot.

Verteidigung kontert

Verteidiger Manuel Dietrich hält sich knapp. "Ich beschränke mich auf das Wesentliche. Meine Mandantin war nicht die Pflegekraft des Pensionisten, es war gegenseitige Hilfe. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie die Medikation den Mann erreicht haben könnte. Er selbst könnte die Arzneien aus Unbesonnenheit eingenommen oder eine andere Person könnte sie ihm verabreicht haben", so Dietrich. "Dass meine Mandantin ihm diese Medikamente eingegeben hat, lässt sich nicht beweisen", so Dietrich. Dass die Frau sich nach ihrem schweren Arbeitsunfall auf ein Erbe freute und auch eine Patientenverfügung aus dem Internet besorgte, sei keine Straftat und auch nicht verwerflich. Einzig und allein die Frage, ob die Beschuldigte den Mann habe umbringen wollen, sei entscheidend. Die Angeklagte selbst bekennt sich nicht schuldig.

Angeklagte präsentiert ihre Version

Am Vormittag hat die Niederländerin Gelegenheit, ihre Version der Geschichte zu erzählen. Als erstes kommt das Thema zur Sprache, warum sie nach tödlichen Medikamenten googelte. Noch dazu nach solchen, die nicht nachweisbar sind. "Weil ich mich selbst töten wollte. Und es sollte nach einem natürlichen Tod aussehen, weil sonst meine Lebensversicherung nicht zahlt", erklärt die Beschuldigte. Andererseits räumt sie ein, dass sie nach Südafrika wollte, um ihren Lebensgefährten zu besuchen. Geld hatte sie zwar keines, die Koffer waren allerdings schon gepackt. "Wir hatten gemeinsame Pläne", gesteht sie.

Widerspruch nicht erklärbar

Opferanwalt Stefan Denifl spricht sie auf den Widerspruch "Suizid einerseits – Zukunftspläne mit südafrikanischem Freund andererseits" an. "Das kann ich nicht erklären", ist die Antwort. Jedenfalls sei sie tablettenabhängig gewesen. Dass sie vom Opfer regelmäßig höhere Geldbeträge erhalten habe, sei richtig. "Das war für eine Lotterie, ich hatte gewonnen, aber ich musste erst Geld überweisen", erzählt die Frau. Das Geld habe sie allerdings nie erhalten. Es handelte sich bestimmt um über mehr als 10.000 Euro.

Zeugen am Wort

Bis 13 Uhr wurde die Verhandlung unterbrochen, danach ging es mit Zeugeneinvernahmen weiter. Sieben waren geplant, doch der Sohn der Angeklagten, ein Baggerfahrer, war nicht erschienen. Er ist in Holland.

Interessant dürften vor allem zwei Zeugen sein. Nämlich jene zwei Bekannten des 82-Jährigen, die am Abend, an welchem der Rentner mit der Rettung ins Spital eingeliefert wurde, zu Besuch kamen. Diese zwei Besucher retteten dem betagten Landwirt das Leben.

Opfer immer noch nicht überzeugt von der Schuld der Angeklagten

Als erster Zeuge wurde der Bekannte des Opfers, ein 52-jähriger Landwirt befragt. Er berichtet, wie die Frau ihn immer wieder zu vertrösten versuchte, den Arztbesuch hinausschieben wollte. „Ich dachte, ich wäre im falschen Film“, erinnert er sich. „Die sagte zu dem Arzt, der G. würde ‚saufen‘ und Tabletten in rauhen Mengen schlucken, das stimmte doch gar nicht“, war der Zeuge damals bereits verärgert über die Angaben der Niederländerin. Der 82-Jährige sei ein Original, könne das Arbeiten selbst in seinem Alter nicht sein lassen und sei selbst jetzt nicht sicher, was er von der ganzen Sache halten solle. „Er sagte zu mir, er müsse sich jetzt einmal anschaun, was an der Sache dran ist“, so der Zeuge.

Wieder auf den Beinen

Der Betagte ist wieder auf den Beinen, schaut wie eh und je bei dem benachbarten Landwirt im Stall vorbei. Der Mann mag die Arbeit auf dem Hof, die Tiere, die Landwirtschaft. Dass seine Bekannte, welcher er einmal 10.000 Euro geliehen hat, damals keinen Arzt für ihn gerufen und ihn beinahe sterben hat lassen, kann der Betagte laut Zeugenaussage nicht verstehen.

Schwer beschuldigt

Die Angeklagte wird in diesem Punkt von der Staatsanwaltschaft schwer beschuldigt. Erst habe sie unter dem Vorwand, der Kranke schlafe bereits, die Türe nicht öffnen wollen. Erst als der Besucher und dessen Schwester auf einen Arztbesuch beharrten, habe sie widerwillig zum Hörer gegriffen und doch einen Arzt angerufen. Doch die Angeklagte habe den Arzt auf den nächsten Tag bestellen wollen, erst auf Einmischung der Besucher hin habe die Holländerin den Mediziner noch für denselben Abend angefordert. Zum Glück des Angeklagten. "Ansonsten hätte er die Vergiftung mit Sicherheit nicht überlebt", ist Staatsanwältin Sarah Maria Haugeneder überzeugt.

Morgen, Mittwoch, kommen noch weitere Zeugen zur Einvernahme, am Nachmittag die toxikologische Sachverständige und Psychiater Reinhard Haller.

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