Pessimistischer Blick in die Zukunft: Industrie nimmt Politik in die Pflicht

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Lustenau - Die Geschäftslage in Vorarlberg hat sich im letzten Quartal leicht verschlechtert. Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Vorarlberger Industrie. Die Industriellenvereinigung pocht daher auf Veränderungen, auch auf politischer Ebene.
IV-GF Burtscher im Interview

Insgesamt nahmen 39 Vorarlberger Unternehmen mit 18.051 Beschäftigten an der Umfrage der Industriellenvereinigung und der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Vorarlberg teil. Auch wenn sich die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage leicht verschlechtert hat, geben immer noch 59 Prozent aller Befragten eine steigende Entwicklung an. Nur sechs Prozent beurteilen sie als schlecht. Insgesamt ist der Saldo aus gut und schlecht damit von 68 auf 53 Punkte gefallen.

Nahrungs- und Genussmittelindustrie leidet

Besonders betroffen von der schwächelnden Konjunktur in Vorarlberg ist die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. 41 Prozent der Befragten gaben hier eine schlechte Geschäftslage an. Bei 54 Prozent läuft es gut. Große Ausnahme ist die Elektro- und Elektronikindustrie. Satte 92 Prozent der Unternehmen haben einen Anstieg verzeichnet, bei 8 Prozent ist die Lage gleichbleibend.

Geschäftsklimaindex abgerutscht

Insgesamt ist damit der Geschäftsklimaindex, der Mittelwert aller Beurteilungen derzeit und der Prognosen in sechs Monaten, von 40,4 auf 29,3 Prozentpunkte abgerutscht. Weiterhin hemmender Konjunkturfaktor sind noch immer die Verkaufspreise innerhalb der nächsten drei Monate. 90 Prozent gehen von gleichbleibenden Preisen aus, 9 Prozent befürchten ihre Kosten nur teilweise an die Kunden weitergeben zu können, weil die Verkaufspreise fallen werden.

Vorarlbergs Unternehmen wollen Personal halten

Erfreulich ist hingegen die Situation für die Mitarbeiter, nur 2 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass sie in den nächsten drei Monaten Personal reduzieren müssen. Weil gerade die Arbeitsplatzsituation der Industrie in Vorarlberg eine wichtige Rolle spielt, nimmt die Industriellenvereinigung auch die Politik in die Pflicht, erklärt Geschäftsführer Mathias Burtscher: “Die Industrie bietet mit 56.000 Beschäftigten jeder dritten Person im Ländle einen Job. Darum müssen sich die Vorarlberger Vertreter bei den Bundesthemen in Wien stärker zu Wort melden.”

Einsparungspotenziale für Steuerentlastung

Als Beispiele nennte er die übertriebene Steuerbelastung, die fehlende Arbeitszeitflexibilisierung und der überbordende Bürokratieaufwand. “Es muss eine Steuerentlastung kommen, die ohne neue Steuern auskommen kann. Denn Österreich hat kein Einnahmenproblem, sondern ein Ausgabenproblem”, fordert Burtscher. Hier nennt er Einsparungspotenziale von über drei Milliarden Euro durch Strukturreformen. Vor allem bei den Ministerien, deren Kompetenzen zu einem Großteil nach Brüssel gewandert seien, meint der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Vorarlbergs.

Wahlversprechen sollen überprüft werden

Präsident Hubert Bertsch will daher besonders die Wahlversprechen der Parteien zur Landtagswahl überprüft wissen, ob sie für den Wirtschaftsraum Vorarlberg und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze positiv sind. Wichtig für die Zukunft sei nämlich gebildetes zukünftiges Personal, leistbare Energie, eine zeitgemäße Infrastruktur, moderne Verwaltungsstrukturen und eine industriefreundliche Grundstimmung, so Bertsch.

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