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Ortsgeschichtliche „Hofenmühle“ macht Platz für ein Wohnbauprojekt

Nach dem Abbruch der „Hofenmühle“ (Schwendeweg 20) errichtet die Firma Barta Projektbau an diesem historischen Ort ein zweistöckiges Mehrfamilienwohnhaus.
Nach dem Abbruch der „Hofenmühle“ (Schwendeweg 20) errichtet die Firma Barta Projektbau an diesem historischen Ort ein zweistöckiges Mehrfamilienwohnhaus. ©Schallert
Lochau. Abgebrochen wird derzeit das stattliche Wohnhaus Stöckler (Schwendeweg 20) in Hofen. Damit verschwindet mit der sogenannten „Hofenmühle“ wieder ein Stück „Lochauer Geschichte“ und macht Platz für ein Mehrfamilienwohnhaus der Firma Barta Projektbau.
Bilder vom Abbruch der „Hofenmühle“ ((Stöckler-Haus/Schwendeweg 20)

Die Parzelle Hofen gehört zu den ältesten Teilen der Gemeinde Lochau. Mit der Burg Alt-Lochen/Alt-Hofen und dem in den Jahren 1585 bis 1616 erbauten Schlosse Hofen spielte dieser Ortsteil in Lochau, historisch gesehen, immer eine dominierende Rolle. So finden sich auch in alten Urkunden und Vorarlbergensien zahlreiche Quellenhinweise und Abhandlungen.

Erstmals erwähnt wurde die sogenannte Hofenmühle als Eigentum der Raitnauer, den Herren auf Schloss Hofen, im Jahre 1579. Wie lange sie vorher schon bestand, ist nicht feststellbar. Sicher ist sie noch viel älter. In einer Spezifikation der Güter, welche in diesem Jahr zum Schloss Hofen gehörten und welche Hans Gaudenz von Raitenau inne hatte, wird das damalige Grundstück unter anderem wie folgt beschrieben: „Eine Heuwachs und Viehweid, genannt das Clösterlin, die Mühle und derselben Weiher herum, ungefähr dreieinhalb Jauchert“.

Auch der heutige Schwendeweg, die „Straße so von Schloss Hofen nach der Mühle geht“ (Zitat), bestand damals schon. Der Lochauer Bach hieß damals, zumindest im oberen Lauf, Mühlebach und wurde eigens für die Hofenmühle, teilweise in einen Stauweiher, den alten Lochauern noch als „Oberer Weiher“ bekannt, abgeleitet. Dieser Weiher, wurde nach dem 2. Weltkrieg bis Ende der 50er Jahre als Müllablagerungsplatz benützt und aufgefüllt.

Nach dem Aussterben der Raitnauer wurde im Verfachbuch 1684 ein Marte Fürstain, Miller zu Hofen, erwähnt, von 1735 bis 1879 scheinen Johann Gorbach und seine Nachkommen als Hofenmüller auf. Mit Lazarus Gruber, damals Inhaber des Gasthauses Krone (heute Restaurant Messmer), als neuem Besitzer dürfte wohl um 1891/92 der Mühlen- und Sägebetrieb in der Hofermühle eingestellt worden sein.

Ferdinand Reichart, Schmiedemeister in Hofen, kaufte 1892 das Anwesen mit Mühle und Weiher, in erster Linie wegen der damit verbundenen Wasserrechte. Sein Sohn Josef Reichart hat im Jahre 1902 die Schmiede und die Schlosserei am Schwendeweg – jetzt Haus Bauer und Mähr – gebaut und die Wasserkraft des Weihers zum Antrieb der Maschinen und bald auch zur eigenen Stromerzeugung genutzt. Deshalb auch der Name „Reicharts Weiher“.

Nach dem Erwerb des Anwesens „Hofen Nr. 26“ im Jahre 1922 betrieben Konrad und Maria Anna Gorbach hier bis nach dem 2. Weltkrieg eine kleine Landwirtschaft. Ab 1949 übernahm Mathias Fessler von der Parzelle Lochau-Kellen („Kella-Mathis) den Hof. Mit dem Verkauf einer größeren Grundstücksfläche für die Betriebsgründung der Firma Russ-Druck (heute Brockenhaus) kam im Jahre 1960 das Aus für die Landwirtschaft, denn mit drei Kühen wäre für Mathias, seine Frau Emma (geb. Weiß) und Sohn Konrad eine sichere Lebensgrundlage sowieso nicht mehr möglich gewesen.

So kam die Hofenmühle im Jahre 1962 in den Besitz des Totenbestatters und Friedhofsverwalters Gebhard Stöckler und seiner Frau Helene. Von nun an standen keine Kühe mehr im Stall, hier befand sich jetzt das große Sarglager. Nach gründlicher Renovierung war das „Stöckler-Gebhard-Hus“ nun über mehr als 50 Jahre willkommene Betriebs- und Heimstätte der Familie mit den Kindern Lothar und Christine. Aber auch zahlreiche Urlauber fanden hier ein willkommenes Feriendomizil.

Wie überall nagte auch an der „Hofenmühle“ der Zahn der Zeit, eine Sanierung bzw. eine Erhaltung war nicht mehr möglich, wie dies auch vom Denkmalschutz festgestellt wurde.

Nach dem Erwerb und dem Abbruch errichtet nun die Firma Barta Projektbau an diesem historischen Ort ein zweistöckiges Mehrfamilienwohnhaus mit sieben Einheiten, Schindelfassade und Satteldach. Baubeginn ist voraussichtlich im Frühjahr, die Wohnungen könnten dann im Sommer 2018 übergeben werden. Eine Gedenktafel wird sicherlich an die abwechslungsreiche Geschichte der Lochauer Hofenmühle erinnern.

 

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