Page 1Page 1 CopyGroupGroupPage 1Combined ShapePage 1Combined ShapePage 1Triangle Page 1 VNVorarlberger Nachrichten Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1 Rectangle 9 Combined ShapeCombined ShapePage 1Page 1Page 1Page 1Page 1AAAAPage 1 Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1Page 1

Ort und Bedeutung

„Der Erhalt des alten Feuerwehrhäuschens war etwas Besonderes“, betont der Architekt.
„Der Erhalt des alten Feuerwehrhäuschens war etwas Besonderes“, betont der Architekt. ©Marcel Hagen
Bregenz - Frühlingsluft und warme Sonnenstrahlen, statt Autolärm Kinderrufe und Vogelzwitschern, zwischen den Häusern über der Straße eine Aussicht wie aus dem Bilderbuch.
Schöner Wohnen in Bregenz

Die Begeisterung pariert Peter Vogel, Ortsvorsteher, erstmal ziemlich nüchtern: „Auch wenn wir vom Gottesacker bis Säntis sehen: Hier leben Menschen wie anderswo, die Gemeinde hat Aufgaben zu erledigen, wie in Bregenz, ein paar Serpentinen weiter drunten, auch.“ Ob’s an der Nähe liegt? Es nervt, ständig städtischen Bildern und Bedeutungen zu begegnen. Man hat seinen eigenen Alltag.

Die Feuerwehr beispielsweise. Zwar hält sich die Bedrohung durch Feuer glücklicherweise in Grenzen, doch Zwischenfälle infolge extremen Wetters und falschen Umgangs mit dem Land nehmen vermehrt katastrophale Ausmaße an. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Einsatz sich über Tage hinzieht. Raum für konzentrierte Besprechung, Platz für Montur und Umkleide, Kommandozentrale mit technischen Medien sind gefragt. Das alte Häuschen gab das nicht mehr her.

Doch ausgedient hat es deswegen noch lange nicht. Fahrzeuge und technisches Gerät sind heute dort untergebracht; im neuen Haus, wenige Schritte ebenerdig entfernt, die Mannschaft. Der Zugang zum Haus ist großzügig witterungsgeschützt, der Platz davor groß genug zum Manövrieren. Sollte die Fahrzeugtechnik dereinst größeren Einstellplatz erfordern, lässt sich das umsetzen, ohne den Betrieb zu beeinträchtigen.

Genauso pragmatisch sind weitere Aufgaben erledigt. Im Obergeschoß liegt der Mannschaftsraum, der so großzügig bemessen ist, dass er als Dorfsaal beste Dienste tut und auch der zwei Häuser weiter gelegenen Volksschule als Bewegungsraum dient. Ein Raum bis unters Dach, der Blasmusik, Landjugend oder Geburtstagsfeiern beherbergt. Das Foyer mit Teeküche lässt sich zuschalten oder getrennt bespielen und bietet – darauf ist Peter Vogel dann doch stolz – einen beeindruckenden Blick auf Rheintal und Berge.

Zum Tal bietet das Gebäude ein weiteres Geschoß mit Räumen für die Feuerwehrjugend und eine großzügige Heizungszentrale, die das Pfarrhaus, die Schule und das Gasthaus Adler versorgt und im Hang, unter der Straße, Lagerräume für das Holz-Brenngut birgt. Ein gemeinsamer Erschließungskern verbindet auf kürzestem Weg.

Untergeschoß und Erdgeschoß sind Stahlbeton, teilweise in Sichtqualität. Das Obergeschoß und Dach sind in Ortbauweise als klassische Zimmerer- Konstruktionen aufgeführt. Die gesamte Fassade ist Fichte, der Innenausbau Weißtanne, die Böden sind – bis auf die Kommandoräume – Eichendielen. Dort erfreut das Orange der wetterbeständigen Beschichtung. Fußbodenheizung versorgt das Haus, die Dimension erlaubt ohne Weiteres den Verzicht auf mechanische Lüftung. „Wir hatten einen harten Kostenrahmen, wir mussten einige Abstriche hinnehmen“, berichtet Architekt Dieter Vetter, „doch damit kamen wir zurecht und das Ergebnis kann sich sehen lassen.“ Ein einfacher Bau mit Satteldach und mäßigem Dachüberstand, und der mit der Art seiner Verschalung, seinen Fensterformaten, seinen Vorsprüngen und wenigen Exzentrizitäten seine Zeit nicht verleugnet.

Der Entwurf ist – wie es im Lande schon üblich ist – Ergebnis eines kleinen Wettbewerbs. Zum Schluss stand dieser Entwurf einem Feuerwehrhaus mit expressivem Ausdruck gegenüber. Die Haltung zum Ort gab den Ausschlag: „Wir wollten einen Bau, der sich ins Ortsbild integriert – schlichter Baukörper, klar gegliedert, Einzelkörper wie in der Ortschaft, keinen Feuerwehr-Großbau“, erinnert sich der Ortsvorsteher. „Der Erhalt des alten Feuerwehrhäuschens war etwas Besonderes“, betont der Architekt, „die logische Fortsetzung der Ortsstruktur war hier wichtig, das neue Feuerwehrhaus ist selbstverständlicher Bestandteil des Dorfkerns.“

Die Reihe zu schließen: Darum ging es. Die Jury urteilte damals: „Die Gebäude sind deutlich voneinander getrennt und bilden trotzdem eine Gruppe. Die Geschichte des Ortes bleibt lesbar.“ Der Neubau sucht da seinen Platz, spreizt sich zu nichts Besonderem auf. Viel ist derzeit von Bedeutung der Architektur die Rede. Vor diesem neuen Haus kommt einem Peter Altenberg, Mitstreiter von Kraus und Loos, in den Sinn, wenn er meint: „Die gewichtigen Dinge haben keinerlei Bedeutung! Sie sagen, sie verkündigen uns nicht mehr vom Dasein, als wir selbst davon schon wissen!“

Daten und Fakten

  • Objekt: Erweiterung Ortsfeuerwehr Bregenz Fluh
  • Eigentümer/Bauherr: Landeshauptstadt Bregenz
  • Architektur: dieter vetter architekten, Lustenau, www.dietervetter.com
  • Ingenieure/Fachplaner: Statik: Hagen-Huster, Bregenz; Bauphysik: Lothar Künz, Hard
  • Planung: 2011–2012
  • Ausführung: 2012–2013
  • Grundstücksgröße: 1436 m²
  • Nutzfläche: 384 m²
  • Bauweise: Betonwände und (im Obergeschoß) Holzständerbau mit hinterlüfteter Holzfassade (Fichte); im Erdgeschoß Betondecke mit Estrich; Pfettensparrendach hinterlüftet; Fußböden Monofinish (Untergeschoß), mit Epoxidharz-Beschichtung (Erdgeschoß), Eichenparkett (Obergeschoß); Heizung: Hackschnitzel; Innenwände Sichtbeton, verputztes Ziegelmauerwerk, Holzleichtbau mit Weißtanne belegt; Fenster Holzkonstruktion Fichte
  • Besonderheiten: Multifunktionell mit Saal und Foyer im Dachgeschoß; Belegen der Wände und Decken mit Weißtanne in Eigenarbeit durch die Feuerwehr
  • Ausführung: Baumeister: Zimmermann, Bregenz; Heizung/Sanitär: Intemann, Lauterach; Elektro: Pircher, Bregenz; Holzbau: Fetz, Egg; Holzfassade: Zimmerei Österle, Doren; Fensterbau: Hartmann, Nenzing; Spengler: Rusch, Bregenz; Kaminbau Helmut Baurenhas, Alberschwende; Trockenbau: Raumwerk, Bregenz; Estrich: Wolfgang Kerschbaumer, Bregenz; Maler: Netzer, Wolfurt; Glasbau: Marte, Bregenz; Kunstharz: Thomas Hammerer, Rankweil
  • Energiekennwert: 35 kWh/m² im Jahr
  • Baukosten: ca. 900.000 Euro

Quelle: Leben & Wohnen – die Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
Das vai ist die Plattform für Architektur, Raum und Gestaltung in Vorarlberg. Neben Ausstellungen und Veranstaltungen bietet das vai monatlich öffentliche Führungen zu privaten, kommunalen und gewerblichen Bauten. Mehr unter architektur vorORT auf v-a-i.at

Mit freundlicher Unterstützung durch Arch+Ing

Architektur vor Ort heißt die monatliche Architekturführungsreihe des vai. Alle Interessierten sind eingeladen aktuell fertiggestellte, qualitätsvolle Bauten zusammen mit der Bauherrschaft und den Architekt(inn)en zu besichtigen.

Kommenden Freitag, 28. März, um 17 Uhr gibt es die Möglichkeit dieses Schulhaus mit Dorfsaal in Laterns 1:1 zu erkunden. Einfach vorbeikommen, keine Anmeldung! Info und Folder auf v-a-i.at

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
Kommentare
Kommentare
Grund der Meldung
  • Werbung
  • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
  • Persönliche Daten veröffentlicht
Noch 1000 Zeichen