ORF-Aufreger: Politiker feiern im Lockdown

Licht ins Dunkel Gala sorft für Aufregung
Licht ins Dunkel Gala sorft für Aufregung ©ORF
Die "Licht ins Dunkel"-Gala wurde nicht nur in mehreren Zeitungen und sozialen Medien kritisch aufgefasst.

Die FPÖ hat sich am Freitag erbost über die "Licht ins Dunkel"-Gala am Mittwochabend gezeigt - da dort Mitglieder der Bundesregierung mitten im Lockdown ohne Maske und Abstand und "ohne Genierer" gefeiert hätten, wie der Wiener Parteichef Dominik Nepp in einer Pressekonferenz kritisierte. Die Veranstaltung im ORF sei ein "Sinnbild der Pflanzerei" gewesen, befand er. Laut Nepp ist Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) rücktrittsreif.

"Zuerst kommt das Fressen, dann die Moral", kommentierte der Wiener Chef-Blaue das Geschehen. Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen habe sich dort befunden, obwohl dieser sowohl was das Alter als auch was den Lebensstil betreffe zur Risikogruppe gehöre. Wenn es um seine eigenen Partygelüste gehe, spiele der Bundespräsident nicht das moralische Vorbild, kritisierte Nepp.

"Aftershowparty" mit Sekt

Die FPÖ präsentierte Fotos von der Veranstaltung, die laut Nepp bei der anschließenden "Aftershowparty" gemacht wurden - wobei dort auch mit Sekt angestoßen worden sein soll. Da auf einem Bild auch der Kanzler zu sehen war, befand Nepp: "Da muss Schallenberg eigentlich zurücktreten." Die "Licht ins Dunkel"-Gala wurde auch in mehreren Zeitungen als auch in den sozialen Medien kritisch aufgefasst.

ORF: TV-Produktionen erlaubt

Der ORF betonte in einer Stellungnahme gegenüber der APA, dass die "Licht ins Dunkel"-Gala wie alle ORF-Studiosendungen als eine TV-Produktion und nicht als Veranstaltung gelte und somit auch im Lockdown durchgeführt werden dürfe. Die Gäste - hochrangige Politikerinnen und Politiker wie Prominente - seien keine Gäste im eigentlichen Sinn gewesen, sondern Mitwirkende an der Gala, die im Laufe des Abends auch Spenden an den Telefonen entgegen genommen haben. "In dieser Funktion waren sie Teil der Produktion und somit ausgangsberechtigt. Die anwesenden Politikerinnen und Politiker nahmen in ihrer beruflichen Funktion an der TV-Produktion teil." Zudem seien sämtliche Mitwirkende "selbstverständlich" 2G überprüft und tagesaktuell getestet gewesen.

2G-Regel

Dass bei der Gala die 2G-Regel galt und auch ein Coronatest nötig war, ändert laut dem Wiener FPÖ-Chef nichts an der Heuchelei. Denn das Publikum vor den Fernsehgeräten sei daheim "eingesperrt" und würde am Weg zur Arbeit von der Polizei perlustriert, beklagen die Freiheitlichen. Wenn die Bundesregierung so "fetzendeppert" sei, und das Feiern vor einem Millionenpublikum zelebriere, dann dürfe man sich nicht wundern, wenn die Leute auf die Straße gehen würden - oder sich in Hinterzimmern von Lokalen ein Bier genehmigen.

"Scheinheiligkeit" der Regierung

Die FPÖ sei gegen den Corona-Lockdown, bekräftigte Nepp. Darum kritisiere man auch die bei der Gala gezeigte "Scheinheiligkeit" der Regierung.

Die Gala für "Licht ins Dunkel" brachte am Mittwochabend rund 3,4 Mio. Euro an Spenden ein, die an diverse Projekte fließen. Durchschnittlich verfolgten den Abend rund 565.000 Zuseherinnen und Zuseher in ORF 2, wobei rund 1,7 Mio. Menschen zumindest kurz die im Ballroom von "Dancing Stars" abgehaltene Veranstaltung verfolgten.

Dancing-Stars-Finale

Erneut für Aufregung könnte die heute, Freitagabend, zu Ende gehende 14. Staffel der ORF-Tanzshow "Dancing Stars" sorgen. Da es sich auch hier um eine TV-Produktion handle, dürfe sie ebenfalls stattfinden, so der ORF. Die Sicherheitsmaßnahmen sehen vor, dass abseits des Kernteams ausschließlich eine geringe Anzahl getesteter und durch Impfung vollimmunisierter Komparsen an der Produktion mitwirken. "Diese Komparsen übernehmen die Rolle von 'Studiogästen', um dem Publikum zu Hause vor den TV-Geräten gerade während der im Lockdown so wichtigen Hauptabendshow die gewohnte wie geschätzte Ballroom-Atmosphäre zu vermitteln. Sie unterschreiben eine entsprechende Vereinbarung und beziehen kein Honorar", hielt der ORF fest.

(APA)

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