Ordinationen sollen Unentschlossene zu Corona-Impfung überzeugen

Niedergelassene Ärzte seien bei Unentschlossenen stärker gefragt.
Niedergelassene Ärzte seien bei Unentschlossenen stärker gefragt. ©APA/EXPA/ JFK
Laut Ärztekammer sollen niedergelassene Ärzte Impfgegner und Unentschlossene erreichen. Überzeugungsarbeit könne nur in Ordinationen geleistet werden, nicht in Apotheken.

Mit den steigenden Impfzahlen in Österreich sieht die Ärztekammer (ÖÄK) die niedergelassenen Mediziner bei den Immunisierungen stärker gefragt. "In Wien kommen wir jetzt dort an, wo die Impfwilligen durch die Impfstraßen gelaufen sind", sagte ÖÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart am Donnerstag bei einem Hintergrundgespräch. Es sei nun die Aufgabe für niedergelassene Ärzte, die Unentschlossenen und Impfgegner zu erreichen. Impfungen in Apotheken lehnt die ÖÄK weiterhin ab.

Ärztekammer lehnt Corona-Impfung in Apotheken ab

"Das ist ein relativ aufwendiger Prozess, Patientinnen und Patienten zu überzeugen", erläuterte Steinhart. Es gehe um Kommunizieren, Verständnis zeigen, "das geht nur in der Ordination", sagte der Ärztekammer-Vertreter auch in Bezug auf die Diskussion mit der Apothekerkammer, die gesetzliche Änderungen für Impfungen durch Pharmazeuten fordert. Zudem präsentierte Steinhart eine Umfrage, die im Auftrag der ÖÄK vom Institut Public Opinion Strategies durchgeführt wurde. Von den 1.000 Befragten ab 16 Jahren stimmten 59 Prozent "sehr" und 26 Prozent "eher" zu, dass Impfungen "ausschließlich von vollumfänglich ausgebildetem medizinischem Personal, insbesondere von Ärztinnen und Ärzten" durchgeführt werden sollten.

"Impfen ist eine Vertrauensfrage", sagte Rudolf Schmitzberger, Leiter des ÖÄK-Impfreferates. Die Aufgabe sei zudem "aus guten medizinischen Gründen eine ärztliche Tätigkeit". Die Feststellung der Impffähigkeit eines Patienten könne man nicht schnell beibringen. Etwa die Frage, wie ein akuter Schnupfen einzuschätzen sei. "Die Kontraindikation ist das Nächste", betonte Schmitzberger. Das könne ein Apotheker "nicht in einem Schnellkurs lernen", so der Impfexperte und Kinderarzt.

Mehr Sicherheit bei Impfung in Ordinationen

Nach dem eigentlichen Stich folge die Nachbeobachtung und das "Notfallmanagement, das man hoffentlich nicht braucht", erläuterte Naghme Kamaleyan-Schmied, Hausärztin in Wien-Floridsdorf. Manchmal sei ein Druckverband an der Impfstelle zu machen, wenn der Impfling Blutverdünner einnimmt. Nach einem allergischen Schock als Nebenwirkung dürfe zudem nicht zu viel Zeit vergehen. Sie habe noch nie bei einer Impfung so viele Fälle gehabt, dass Menschen kollabiert sind, wie bei der Covid-Schutzimpfung, sagte Kamaleyan-Schmied. Viele Leute seien "einfach aufgeregt" vor der Corona-Impfung. In der Ordination gebe es die Möglichkeit, Infusionen anzuhängen, betonte die Hausärztin den Vorteil einer Impfung im niedergelassenen Bereich.

"Wir brauchen ausreichend Impfstoff", forderte Steinhart für den Herbst von der Politik. Bald würde die dritte Impfung von den ersten rund um den Jahreswechsel geimpften Personen in Österreich anstehen. Man müsse sich das Thema vor Auge behalten, steigende Zahlen seien möglich, die Pandemie sollte dank der Impfung aber "allmählich beherrschbar sein".

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(APA/Red)

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