ÖGB Vorarlberg fordert Lehrlingsoffensive

Reinhard Stemmer fordert Maßnahmen vom Bund und Land.
Reinhard Stemmer fordert Maßnahmen vom Bund und Land. ©Klaus Hartinger
"Es braucht dringend Maßnahmen gegen die Lehrstellenkrise und die Jugendarbeitslosigkeit", ist ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer überzeugt. Aktuell suchen in Vorarlberg 430 Jugendliche eine Lehrstelle.
400 Jugendliche suchen noch eine Lehrstelle

Das Angebot an offenen Stellen reicht bei weitem nicht aus, um alle Jugendliche unterzubringen, so Stemmer. "Die Corona-Krise hat für einen Einbruch am Lehrstellenmarkt gesorgt. Die Aussichten für die kommenden Monate sind weiter düster. Da der Markt das Problem nicht lösen wird, sind Bund und Land gefordert." So sollen stärkere Anreize für Unternehmen geschaffen werden, Lehrlinge auszubilden. An die Unternehmen richtet Stemmer den Appell: "Nur wer selbst Lehrlinge ausbildet, der hat später genügend Fachkräfte."

"Jugendliche werden ihrer Perspektiven beraubt"

Die angespannte Lage am Lehrstellenmarkt hat für Stemmer fatale Folgen. "Jugendliche, die derzeit vergeblich eine Lehrstelle suchen, werden ihrer Zukunftsperspektiven beraubt. Wenn dagegen nicht etwas getan wird, drohen diese Jugendlichen die Langzeitarbeitslosen der Zukunft zu werden", warnt der ÖGB-Landesvorsitzende. Im April gab es laut ÖGB im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 100 Prozent mehr Jugendliche, die eine Lehrstelle suchten. Seither ist die Zahl der Lehrstellensuchenden auf konstant hohem Niveau. Gleichzeitig gab es beim Lehrstellenangebot einen Einbruch. Ende August standen rund 430 Lehrstellensuchende 350 offenen Lehrstellen gegenüber. "Es gibt nicht einmal gleich viele offene Stellen wie Suchende. Da sollten alle Alarmglocken schrillen“" so Stemmer. Die offenen Lehrstellen könnten auch nicht eins zu eins den Lehrstellensuchenden gegenübergestellt werden. "Viele Stellen sind im Baugewerbe, Handel oder im Tourismus frei – viele Lehrstellensuchende wollen aber in andere Branchen gehen", beschreibt Stemmer die derzeitige Lage.

Dass es an der Motivation mangle, wie von der WKÖ behauptet, lässt Stemmer nicht gelten. Die Klage über uninteressierte Jugendliche sei "ein jahrzehntealtes Argument", so Stemmer. "Die jungen Menschen sind alles andere als faul. Aber sie schauen sich die Rahmenbedingungen einer Ausbildung sehr genau an. In Wahrheit ist es eine faule Ausrede für mangelnde Initiative der Unternehmer." Deshalb seien die Bemühungen der heimischen Industrie durchaus nachahmenswert. "Die Industrie macht es vor, wie es geht. Wenn die Arbeitsbedingungen passen, finden Unternehmen auch genügend BewerberInnen für eine Lehrstelle."

"Land und Bund sind gefordert"

Daneben seien nun aber vor allem Land und Bund gefordert, eine Lehrstellenoffensive zu starten. So müssten die Plätze in landeseigenen und landesnahen Unternehmen sowie in der überbetrieblichen Lehrausbildung stark erhöht werden. Vom Bund fordert Stemmer weitere finanzielle Anreize für Unternehmen, um Lehrlinge auszubilden. Der Lehrlingsbonus der Bundesregierung sei ein erster Schritt. Die ÖGJ fordert einen Corona-Not-Ausbildungsfonds, dotiert mit 140 Millionen Euro. Gefördert werden sollen Betriebe, die aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten wegen der Corona-Krise Unterstützung benötigen. Die Ausschüttung der Förderung soll außerdem an die Ausbildungsqualität geknüpft werden. Vorgeschlagen werden folgende Maßnahmen:

  • Aufstockung der Ausbildungsplätze im staatlichen und staatsnahen Bereich
  • Schaffung eines Corona-Not-Ausbildungsfonds, dotiert mit 140 Millionen Euro zur Unterstützung von Betrieben, die trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten wegen der Corona-Krise Lehrlinge ausbilden wollen
  • Erhöhung der Finanzmittel für die überbetriebliche Lehrausbildung und Aufstockung der überbetrieblichen Lehrstellen
  • Anreize für große Ausbildungsbetriebe über Bedarf auszubilden
  • Reform des Bestbieterprinzips für staatliche Ausschreibungen mit stärkerem Augenmerk auf die Lehrausbildung

FPÖ-Bitschi für "Blum-Bonus"

Angesichts des Rückgangs der Lehrlingszahlen in Vorarlberg fordert FPÖ-Landesobmann Christof Bitschi von der Landesregierung die Umsetzung wirksamer Maßnahmen zur Stärkung der Lehrausbildung.

"Um einen weiteren Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit zu verhindern, müssen vor allem für unsere Klein- und Mittelbetriebe Anreize gesetzt werden, damit es für sie attraktiver wird, Lehrstellen zu schaffen und Lehrlinge auszubilden. Viele Betriebe können es sich angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung derzeit nicht leisten, Lehrlinge auszubilden. Deshalb braucht es sofortige Impulse und Anreize für die Aufnahme von Lehrlingen", betont Bitschi.

Konkret will Bitschi in Vorarlberg den von Egon Blum ausgearbeiteten "Blum-Corona-Bonus" zur Entlastung der Betriebe einführen. Einen entsprechenden Landtagsantrag haben die Freiheitlichen bereits eingebracht. "Solange es die schwarz-grüne Bundesregierung nicht schafft, ausreichende Fördermaßnahmen zur Lösung dieser Problematik auf den Weg zu bringen, müssen wir im Land selbst alles tun, damit unsere Jugendlichen nicht auf der Strecke bleiben. Nur so können wir das Problem in den Griff bekommen und ein massives Ansteigen der Jugendarbeitslosigkeit in den kommenden Wochen und Monaten verhindern", so der FPÖ-Landesobmann.

(Red.)

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