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Oben im Tal

Aussicht haben tut gut. In einem Wohngebiet in Feldkirch-Altenstadt sticht ein schlichtes, turmartiges Gebäude in erfrischender Art und Weise hervor. Über Nachbardächer hinweg und zwischen Baumkronen hervor schielt das Wohnhaus in seine Umgebung und wirkt dabei unheimlich charmant und sehr sympathisch.
Oben im Tal

Wie ein hochgewachsener Kristall steht der Wohnturm da. Keine Fassade des dreigeschoßigen Hauses ähnelt einer anderen. Das asymmetrische Dach aus vier ungleichen Dachflächen bildet auf allen Seiten verschiedene Ansichten – mit und ohne Giebel. Zusammen mit der unregelmäßigen Positionierung der Fenster wirkt das Gebäude verspielt und unbeschwert. Die einheitliche Holzverschalung lässt das Wohnhaus als Ganzes jedoch sehr gelassen und entspannt erscheinen. Der jungen Familie wurde das Grundstück von Seiten der Verwandtschaft zur Verfügung gestellt. „Wir wollten nicht irgendein Haus bauen, sondern ein Haus, das einfach zu uns passt“, erzählt die Bauherrin. Sie fragten einen befreundeten Architekten, ob er daran interessiert sei, für sie ein Wohnhaus zu planen. Architekt Gernot Welte sagte zu und präsentierte zunächst zwei Vorschläge, die konträrer nicht sein könnten: ein introvertiertes Hofhaus und ein die Höhe betonender Wohnturm. Die Entscheidung fiel schnell auf das Turmhaus. „Zuvor wohnten wir zehn Jahre in Batschuns – also auf der Anhöhe. Beim Umzug ins Tal wollten wir die Aussicht mitnehmen und die Möglichkeit beibehalten, über die Dächer hinwegzublicken“, erzählt die Bauherrin. Also baute man hoch. Das auf relativ geringer Fläche errichtete Gebäude lässt genug Platz für eine spätere Nachverdichtung. „Es war mir ein Anliegen, auch beim Bau eines Einfamilienhauses einen nachhaltigen Umgang mit Grund und Boden zu finden. Der Turmbau bildet eine sparsame Form, wodurch der Großteil des Grundstücks frei bleibt“, erklärt Architekt Welte.Dass eine reduzierte Form nicht zwingend ein Kubus mit Flachdach bedeuten muss, wird bei diesem Gebäude schnell deutlich. „Der Formfindungsprozess war eine intensive Auseinandersetzung mit Volumetrie. Ich habe viel mit Modellen gearbeitet, unzählige Volumen gebaut, geschnitzt und geformt“, erzählt der Architekt. Dabei entstand eine besondere Kubatur, ein abstrahierter „geschliffener“ Körper, der inmitten der umgebenden Gebäude zurückhaltend wie selbstbewusst seinen Platz einnimmt und alle gewünschten Funktionen aufnehmen kann. Zu diesem Hauptbaukörper mit Holzfassade gesellen sich mehrere in Sichtbeton ausgeführte „Nebenbauteile“: das kleine Dach beim Haupteingang, der überdachte Sitzplatz an der südöstlichen Hausecke und der südlich vom Gebäude positionierte Carport. Letztgenannter bietet Platz für zwei Fahrzeuge und einen Lagerraum; in Richtung Garten wird der Bereich vor dem Wohnraum von dem L-förmigen Körper gerahmt und es entsteht ein privater Platz unter freiem Himmel. Im Osten wird das Grundstück von einem künstlich angelegten niedrigen Hügel räumlich gefasst. Die Kinder nutzen ihn zum Spielen und Rodeln; die Erwachsenen schätzen ihn besonders an Sommerabenden, da vor der Erhebung ein (wind-)geschützter heimeliger Sitzplatz mitten im Garten entsteht.

An der Fassade kommt einheitlich heimische Weißtanne zum Einsatz, ebenso für Einbaumöbel, Massivholztüren und als vorherrschender Bodenbelag. Die Lage der Fensteröffnungen wird von den dahinterliegenden Innenräumen bestimmt und ist auf gezielte Ausblicke und gewünschte Lichtverhältnisse abgestimmt. Das räumliche Konzept im Inneren des Gebäudes sieht neben gemeinschaftlich genutzten Flächen mehrere abgeschlossene Räume als private Rückzugsorte auf unterschiedlichen Ebenen vor. Das offene Stiegenhaus dient dabei nicht nur als Erschließungsweg, sondern wird auch in die Kollektivflächen einbezogen und schafft insgesamt eine offene Wohnstruktur. Jede der sechs halbgeschoßig versetzten Ebenen hat eine eigene Funktion. Ebenerdig mit direktem Zugang zum Garten befindet sich die offene Wohnküche, im ersten Halbstock darüber ist das kleine Fernsehzimmer, und noch einen Halbstock weiter oben liegt die „Kinderebene“ mit gemeinsamem Spielbereich und zwei separaten kompakten Kinderzimmern. Es folgt das Bad und ganz oben das Elternschlafzimmer mit vorgelagertem Rückzugsraum zum Lesen und Musikhören. Hier zeichnet sich das Dach in der Untersicht ab: die Kanten der Dachflächen-Verschneidungen laufen an unterschiedlichen Punkten zusammen und schaffen ein spannendes Deckenbild. Die Bauherrschaft entschied sich ganz bewusst gegen ein Flachdach. „Unter einem geneigten Dach zu sein, fühlt sich anders an; es gibt einem ein Gefühl von Behaglichkeit und Geborgenheit, wie unter einem Zelt“, sagt die Bauherrin.

Daten & Fakten

Objekt Turmhaus LEH, Wohnhaus, Feldkirch-Altenstadt
Architektur Gernot Welte, welte architektur, Ruggell, www.welte-architektur.com
Statik SSD Beratende Ingenieure, Röthis www.ssd-zt.at
Planung 2011
Ausführung 2012–2013
Grundstücksgröße 984 m²
Wohnnutzfläche 121 m²
Keller 35 m²
Bauweise: Keller: Wasserundurchlässiger Beton; Erdgeschoß: Massivbau Mauerwerk und Holzelemente im Mischbau; Obergeschoß aus Holzelementen; dreischichtig gedämmte Wände; Böden im Erdgeschoß mit Kaseinspachtelung, im Obergeschoß aus Weißtanne, im Bad mit Kalk-Glattspachtelung; Küche mit freistehendem Block aus Sichtbeton; Tischlerarbeiten aus Weißtanne; Grundofen als alleinige Heizung, ohne Verteilsystem oder Pumpen; kontrollierte Be- und Entlüftung mit Erdwärmekollektoren
Ausführung: Baumeister: Feuerstein DER Bau, Andelsbuch; Zimmerer: Steurer Holzbau, Buch; Fenster: Tischlerei Beer, Au; Möbel und Innenausbau: Tischlerei Gerold Matt, Laterns; Kasein- und Kalkböden: Gerold Ulrich, Satteins; Massivholzböden: Rene Bechtold, Weiler
Energiekennwert 15 kWh/m² im Jahr – Passivhausberechnung nach PHPP

Leben & Wohnen – Immobilienbeilage der VN

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut
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