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Notstand bis Ende August in Tschechien

Regierung verlängert Katastrophenmaßnahmen. Arbeitslose und 20.000 Zivildiener sollen zum Einsatz einberufen werden. Streit um Schäden der Prager U-Bahn.

Die tschechische Regierung hat am heutigen Mittwoch beschlossen, den Notstand für die vom Hochwasser betroffenen Regionen bis Ende August zu verlängern. Er war am 12. August ausgerufen worden und sollte ursprünglich bis morgen, Donnerstag (22. August) gelten. Die Maßnahme ermöglicht es, einige grundlegende Freiheiten der Bürger zu beschränken, falls dies im Interesse der Sicherheit erforderlich ist.

In den betroffenen Regionen Tschechiens werden unterdessen die Aufräumungsarbeiten fortgesetzt. Das Prager Arbeitsministerium erwägt einen Plan, Arbeitslose und etwa 20.000 junge Männer im Zivildienst bzw. Anwärter für den Zivildienst für die Beseitigung der Folgen der Überschwemmungen einzusetzen. Die tschechische Armee sollte die notwendigen Bedingungen für die Unterkunft der so Eingesetzten schaffen, hieß es.

Die tschechischen Behörden forderten die Einwohner der betroffenen Gebieten weiters zu einem vernünftigen Verhalten im Bereich der Abfallwasserwirtschaft und der Kanalisation auf. Fast alle Kläranlagen an der Moldau und der Elbe wurden stark beschädigt, so dass Abwässer mehrere Wochen direkt in die Flüsse fließen werden. Prags Kläranlage dürfte bis Ende des Jahres repariert sein.

Hygieniker appellierten an die Bürger, keine Reste von Nahrungsmitteln in die Kanalisation zu werfen. Auch der Waschmittel- und Toiletten-Papier-Konsum sollte beschränkt werden.

Ein heftiger Streit ist mittlerweile über die riesigen Schäden in der Prager U-Bahn ausgebrochen. Die Mitarbeiter werden mit Vorwürfen konfrontiert, nicht alle Stahl-Schutztüren in den Tunnels, die ausgerechnet für den Fall eines Hochwassers gebaut wurden, rechtzeitig geschlossen zu haben.

Die meisten Metro-Stationen in zentralen Teilen der Stadt, einschließlich der wichtigsten wie die Umstiegs-Haltestellen „Mustek“ und „Florenc“, waren am Mittwoch weiterhin überflutet. Aus einigen Haltestellen wie „Smichovske nadrazi“ („Bahnhof Smichov“) wurde aber das Wasser bereits abgepumpt.

Die gesamten Schäden an dem Prager U-Bahn-Netz liegen bei rund zwei Mrd. Kronen (64,5 Mill. Euro). Am schwersten ist die Linie „B“ betroffen, die den Südwesten mit dem Nordosten der Stadt verbindet. Dort werden die Instandsetzungsarbeiten zumindest bis Ende des Jahres dauern. Der blockierte U-Bahn-Verkehr ist eine der Hauptursachen des Verkehrskollaps, der die tschechische Metropole seit Anfang der Woche plagt. Die gesamten Hochwasser-Schäden in Tschechien liegen nach vorläufigen Angaben zwischen 60 Mrd. und 90 Mrd. Kronen (1,93 Mrd. bis 2,9 Mrd. Euro).

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