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„No Water“: Gefährlicher Trend

Eine österreichische Influencerin verzichtet auf Wasser.
Eine österreichische Influencerin verzichtet auf Wasser. ©W&W/Sams
Eine aus Österreich stammende Influencerin verzichtet gänzlich auf Wasser. Experten raten dringend von diesem Lebensstil ab.

von Alyssa Hanßke/Wann & Wo

Seit über einem Jahr soll die Österreicherin Sophie Prana keinen Schluck Wasser mehr getrunken haben. Zumindest keines, dass aus der Leitung kommt oder in Flaschen gekauft wird – „totes Wasser“, wie sie es selbst bezeichnet. Stattdessen bezieht die Influencerin Flüssigkeit ausschließlich aus Früchten und anderen wasserhaltigen Lebensmitteln. Ihren Entschluss erklärt Prana in einem YouTube-Video wie folgt: „Normales Wasser enthält H20. Unsere Zellen brauchen allerdings die Substanz H3O2, die in Früchten und Gemüse enthalten ist.“ Dass der Körper viel Flüssigkeit benötigt, ist der Österreicherin bewusst, es komme jedoch auf die Wahl des richtigen Wassers an. Jenes, welches aus dem Hahn bezogen oder in Flaschen gekauft werde, sei voll von Giftstoffen und Mikroplastik. Früher habe sie ständig Wasser getrunken, „dieses enthielt jedoch nichts davon, was mein Körper wirklich braucht. Keine Elektrolyte, keine Mineralien, kein H3O2.“ Durch den Konsum von Früchten habe sich ihr Hautbild verbessert und ihre Nierenfunktion gesteigert.

Ärztliche Meinung

Dr. Harald Schlocker, ärztlicher Leiter des Bereichs Gesundheitsbildung für Erwachsene des aks, steht dieser Ernährungsform kritisch gegenüber: „Der Mensch besteht zu fast zwei Drittel aus Wasser und verbraucht am Tag knapp zweieinhalb Liter davon – etwa durch die Atmung, Schweiß oder Ausscheidungen. Es ist wichtig, dem Körper diese verlorene Flüssigkeit wieder in Form von Wasser zurückzugeben.“ Schlocker möchte den Trend jedoch nicht allein kritisieren: Der Konsum von wasserreichen Lebensmitteln könne eine wundervolle Ergänzung darstellen, sei jedoch kein Ersatz für das Trinken von Wasser. Um den Flüssigkeitshaushalt jedoch alleine durch den Konsum von Früchten auszugleichen, müssten Unmengen an diesen verzehrt werden: „Das bedeutet aber auch eine große Fruchtzucker- und Kalorienzufuhr, was zu einer Gewichtszunahme und Fruktoseintoleranz führen kann.“

Trend nicht zu empfehlen!

Ernährungswissenschaftler und -berater Daniel Keckeis teilt Schlockers Ansicht: „Es ist unwahrscheinlich, dass so eine Ernährungsform bedarfsgerecht durchgeführt werden kann. Schon allein das Volumen, welches verzehrt werden müsste, um den Wasserbedarf zu stillen, macht es schwierig, weitere essenzielle Nährstoffe in adäquater Menge aufzunehmen.“ Um den täglichen Wasserbedarf zu decken, müssten knapp drei Kilogramm Gurken verzehrt werden: „In der Theorie möglich, praktisch fraglich.“ Beide Fachmänner raten klar von der Challenge ab.

Statements

Dominik Klug, Arzt: „Eine wichtige Säule zur Erhaltung der Gesundheit sowie maximaler Leistungsfähigkeit ist der ausreichende Wasserkonsum. Ein gesunder Mensch sollte täglich pro 20 Kilogramm Körpergewicht ungefähr einen Liter Wasser zu sich nehmen. Die Trinkwasser-Qualität bei uns im Ländle ist sehr gut. Wer seinen Körper verwöhnen will, trinkt stilles Mineralwasser. Bezüglich der ‚No Water Challenge‘ sind mir keine wisschenschaftlich belegten Vorteile bekannt, somit kann ich die Teilnahme an dieser aus medizinischer Sicht nicht empfehlen.“

Maria Maksimovic, Model: „Meiner Meinung nach verletzen alle, die einen solchen Lebensstil predigen, ihre Vorbildfunktion als Influencer. Der Mensch braucht Wasser. Viel Wasser! Außerdem haben wir hier in Vorarlberg eine großartige Wasserversorgung: ein Luxus, der nicht selbstverständlich ist. Andere müssen kilometerweit für etwas laufen, dass wir einfach aus der Leitung bekommen. Und dann gibt es Menschen, die genau darauf verzichten wollen und lieber Früchte aus dem Ausland importieren, was auch noch der Umwelt schadet. Das macht mich wirklich wütend!“

Simon Mathis, Fitness-Influencer: „Unser Körper besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist essenziell für unsere Konzentration, sportlichen Leistungen sowie unseren allgemeinen Gesundheitszustand. Die optimale Menge an Wasser nur durch den Verzehr von Obst zu sich zu nehmen, halte ich für sehr schwer umsetzbar. Immerhin müssten über 30 Orangen gegessen werden, um drei Liter an Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Das wären über 2000 Kalorien – mehr, als der Tagesverbrauch eines erwachsenen Menschen. Ich würde von der Challenge abraten.“

Anna-Maria Frei, Physiotherapeutin: „Der Mensch braucht einen gewisse Menge an Wasser, die er auch täglich zu sich nehmen sollte. Besonders jene, die Sport betreiben und durch den Schweiß auch noch an Flüssigkeit verlieren. Eine dementsprechende Ernährung ist also sehr wichtig und genug zu trinken ist ein Bestandteil davon. Außerdem ist es bestimmt nicht gesund, sich ausschließlich von Früchten zu ernähren, aufgrund deren Fruktose-Gehalt. Meiner Meinung nach handelt es sich bei der ‚No Water Challenge‘ um den reinsten Unsinn.“

Challenges, die tödlich enden könnten

  1. Giftige „Tide Pod-Challenge“: Bei der „Tide Pod-Challenge“ handelt es sich um wohl einen der gefährlichsten Internet-Trends überhaupt. Dabei stecken sich Jugendliche Waschmittelkapseln in den Mund und zerbeißen sie. Nicht gerade ungefährlich, denn das flüssige Waschmittel ist hochgiftig und kann tödliche Folgen haben.
  2. Erstickung durch Zimt: Ziel der „Cinnamon-Challenge“ ist es, einen Löffel voll Zimtpulver zu schlucken, was zu starkem Hustenreiz führt. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Das eingeatmete Pulver kann zu starken allergischen Reaktionen oder einer Lungenentzündung führen.
  3. „Outlet“: Stromschläge: Brandgefährlich wird es bei der „Outlet Challenge“: Hierbei wird eine Münze zwischen ein locker an einer Steckdose angeschlossenes Ladekabel gesteckt. Die Elektrizität wird nach Außen geleitet, es kommt zu Funken, Stromschlägen oder sogar Bränden. Also auf keinen Fall nachmachen!

Die gesamte Ausgabe der Wann & Wo lesen Sie hier.

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