Neuer Herzschrittmacher "telefoniert" mit behandelndem Arzt

Einen innovativen Herzschrittmacher, der seine Stimulation nicht nur laufend an die Bedürfnisse des Patienten anpasst, sondern auch in regelmäßigen Abständen dem behandelnden Arzt via Mobilfunk gleichsam Bericht erstattet, haben Mediziner im Wiener Wilhelminenspital erstmals eingesetzt.

Es war die weltweit erste Operation, bei der der neue Schrittmacher “Evia” implantiert wurde, teilte die Herstellerfirma “Biotronik” gegenüber der APA mit.

Der Herzschrittmacher führt autonom laufend Messungen durch, die bisher im Krankenhaus durchgeführt werden mussten. Die Messergebnisse und Systemeinstellungen werden zusammen mit einem Elektrokardiogramm (EKG) in regelmäßigen Abständen zuerst an ein mobiles Zusatzgerät beim Patienten und von dort an den betreuenden Arzt weitersendet. So wird eine vollwertige Schrittmachernachsorge unabhängig von Zeit und Ort, also ohne Krankenhausbesuch möglich.

Ein Eingriff des Arztes über Mobilfunk direkt in den Schrittmacher wäre technisch zwar machbar, ist jedoch derzeit weder möglich noch geplant, so ein Vertreter von “Biotronik”. Stellt der Mediziner bei der Kontrolle der Daten Unregelmäßigkeiten fest, muss der Patient persönlich zur Kontrolle erscheinen. Durch die Möglichkeiten des Systems könnten nicht nur Gerätestörungen rechtzeitig entdeckt werden, auch eine Früherkennung etwa von Herzrhythmusstörungen sei möglich.

Abgesehen von der automatischen Übermittlung von Daten an den behandelnden Arzt, passt “Evia” die Stimulationsfrequenz laufend und autonom an die Bedürfnisse des Patienten an. “Im Unterschied zu den gängigen Herzschrittmachern, die in der Regel nur auf Bewegung mit einer Erhöhung der Stimulationsfrequenz reagieren, erkennt dieser physiologische Sensor als einziger auch jede Art der mentalen Belastung”, erklärte dazu Michael Nürnberg, Oberarzt am Wilhelminenspital.

Durch laufendes Monitoring – über den sogenannten CLS-Sensor – der Schlagdynamik des Herzens erkennt der Schrittmacher geistige Anstrengungen, wie etwa das Lösen einer komplizierten Rechenaufgabe und reagiert entsprechend. Damit soll der Schrittmacherpatient einen Herzrhythmus annähernd wie ein Gesunder bekommen. Derzeit läuft auch eine Studie, ob und inwieweit die Funktion die Gedächtnisleistung der Patienten steigert. Ergebnisse werden bis Ende des Jahres erwartet.

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