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Neuer Glanz oder Schneidbrenner

Was aus "Österreich" und "Lindau" werden soll, wird sich wohl noch heuer entscheiden.
Was aus "Österreich" und "Lindau" werden soll, wird sich wohl noch heuer entscheiden. ©Peter Strauß

Die Zukunft der Bodenseeschiffe “Österreich” und “Lindau” steht noch in den Sternen. (Ein Bericht von Peter Strauß)

Fußach. Seite an Seite liegen die beiden Bodenseeschiffe “Österreich” und “Lindau” in der Werft in Fußach. “Schicksalsgenossen”, denn für beide soll demnächst die Entscheidung über die Zukunft gefällt werden. Und diese heißt entweder neuer Glanz oder Schneidbrenner.

Unterschiedliche Projekte

So sie denn dem Schneidbrenner entgehen, warten unterschiedliche neue Aufgaben für die Bodensee-Veteranen. Die 1957 in Dienst gestellte und 2004 ausgemusterte “Lindau” (sie wurde 2006 durch ein modernes Schiff gleichen Namens ersetzt) wurde vor einiger Zeit von den Abbruchspezialisten Jochen und Peter Ruech erworben. Mit zwei Optionen: entweder verschrotten oder als Restaurant (ähnlich dem Hu Bin in Gaißau) an Land hieven und umgestalten. Einen Standort haben die Gebrüder Ruech schon im Auge, denn nach der Absiedlung des Kieswerks Zech wäre an der Alten Ach ein Areal frei. Jochen Ruech plant und rechnet derzeit noch – und er hat wohl mehr Zeit als die Vorarlberg Lines, die bei der “Österreich” unter Zugzwang sind.

“Alles oder nichts”

Die Optionen für die “Österreich” kann man wohl unter das Motto “Alles oder nichts” stellen, denn Fachleute sind der Meinung, dass man entweder ein exklusives Schiff im Originalzustand schaffen oder zum Schneidbrenner greifen soll. Wirtschaftliche Gründe sprechen wohl für die zweite Variante, gefühlsmäßig ist einer “Original-Österreich” eindeutig der Vorrang einzuräumen. Vor allem deshalb, weil die “Österreich” das älteste “richtige” Motorschiff der Weißen Flotte ist (die drei Jahre ältere “Konstanz” ist nur gut 22 m lang und für 60 Personen zugelassen) und zudem den Übergang von der Dampferära zur Motorschifffahrt einläutete. 1928 in Dienst gestellt und im Laufe der Zeit immer wieder umgebaut, im Zweiten Weltkrieg zum Wrack heruntergewirtschaftet hat die “Österreich” eine bewegte Vergangenheit hinter sich.

Auch Konstanz dachte um

Wie groß das Traditionsbewusstsein am Bodensee ist, mussten erst vor wenigen Monaten die Verantwortlichen der Bodensee Schiffsbetriebe (BSB) in Konstanz zur Kenntnis nehmen: gegen die Verschrottung der “Baden” regte sich “nostalgischer Widerstand”, dem die Gesellschaft Rechnung trug und die “Baden” entgegen bereits gefasster Verschrottungspläne in der Flottenliste behielt. Man werde, so BSB-Chef Jörg Handreke im VN-Gespräch, ein Konzept entwickeln, mit dem wirtschaftliche Aspekte und den Wunsch der Nostalgiefans unter einen Hut zu bringen sind. Vorerst wird die “Baden” deshalb in Lindau stati­oniert und vorwiegend auf Kurzstrecken eingesetzt, denn die Technologie des 1935 in Dienst gestellten Schiffs entspricht nicht mehr heutigen Umwelt- und Verbrauchsnormen. Ähnlich stellt sich die Situation für die “Österreich” dar, die aber die große Chance einer originalgetreuen Renovierung bietet. Als historisches Schiff für exklusive Einsätze – ähnlich dem Konzept der “Hohentwiel” – räumen Fachleute der “Österreich” gute Perspektiven ein.

Der Wert steigt

“Hohentwiel”-Projektleiter Reinhard Kloser ist deshalb ein vehementer Verfechter einer Rückversetzung in den Originalzustand. Exklusivität gepaart mit Bordgastronomie auf höchstem Niveau könnten ein weiterer Glanzpunkt der Bodensee-Schifffahrt werden, ist Kloser überzeugt.

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