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Neuer Affenchef auf Affenberg gesucht

In Salem ist das Superwahljahr 2009 noch nicht abgeschlossen. Demnächst wird auf dem Affenberg in einer der drei dort lebenden Berberaffen-Gruppen über einen neuen Anführer entschieden. Der Wahlkampf läuft schon seit Wochen.

Nachdem sich Adonis, der Chef der Affengruppe am großen Platz des Waldgeheges, im Frühjahr bei einer Auseinandersetzung durch einen Sturz einen Oberschenkelbruch zugezogen hat, kann er seiner Rolle als Anführer nicht mehr gerecht werden, obwohl ihn der Salemer Tierarzt Bernhard Stark in einer mehrstündigen Operation wieder auf die Beine gebracht hat. Aber das Noch-Alphamännchen, das die Gruppe seit fünf Jahren anführt, ist zu geschwächt, als es dass es seine Position als Ranghöchster weiter behaupten könnte. Außerdem ist Adonis mit seinen 19 Jahren schon nahe am Lebenserwartungsdurchschnitt von Berberaffenmännchen angelangt, der bei 21 Jahren liegt.

Für seine Nachfolge stehen drei Kandidaten in den Startlöchern: Augustus (12), der jüngere Bruder von Adonis, sowie die beiden ranghohen Männchen Trikora (10) und Lentigo (9). Sie alle stehen, sagt Roland Hilgartner, der Leiter des Affenbergs, im besten Mannesalter, das aus Berberaffensicht so zwischen 10 und 15 Jahren liegt.

Schon seit Wochen läuft die Wahlkampftour. Jeder der drei Kandidaten sucht möglichst viele Sympathisanten um sich zu scharen. Je mehr es sind, desto höher das Ansehen und der Respekt, den man in der Gruppe genießt. Noch läuft der Wahlkampf ruhig und unspektakulär ab. Das wird sich jetzt mit der beginnenden Paarungszeit aber ändern, weiß Hilgartner. Denn der Gruppenchef genießt bei der Paarung auch gewisse Privilegien. Und deshalb müssen jetzt klare Verhältnisse geschaffen werden.

Wann der Wahlkampf in seine finale Phase tritt, lässt sich nicht so genau vorhersagen. Das kann in diesen Tagen schon der Fall sein oder aber erst in ein bis zwei Wochen. Dann aber gewinnt der Wahlkampf an Dynamik. Durchaus möglich, dass es dabei auch zu Kämpfen zwischen den Anführer-Apsiranten kommt. Dann sind auch Blessuren nicht ausgeschlossen. Es kann aber auch sein, dass es bei den Schreikampf-Ritualen bleibt. Da reißen die Kandidaten zwar ihre Mäuler furcherregend weit auf, blecken mit ihren drei Zentimeter langen Eckzähnen und schreien sich an, was das Zeug hält, aber passieren tut weiter nichts. Je nachdem kann die Sache schnell entschieden sein. Wenn sich herausstellt, dass einer der drei Kandidaten schon einen großen Teil der Männchen hinter sich hat, dann ist der künftige Chef der rund 80-köpfigen Affenbande am großen Platz im Nu gekürt.

Es ist durchaus denkbar, dass Augustus als jüngerer Bruder des Noch-Anführers einen Bonus hat. Aber ausgemacht, dass er auch sein Nachfolger wird, ist deshalb noch gar nichts. „Man muss schon auch zeigen, dass man an diesem Job interessiert ist“, weiß Affen-Experte Hilgartner. Und bei Augustus kann man dieses Streben zur Macht noch nicht so ausgeprägt erkennen. Ein Gerhard Schröder ist er nicht. „Unser Augustus legt noch kein so wirklich ambitioniertes Verhalten an den Tag“, schildert der Affenberg-Direktor seine Beobachtungen.

Wer künftiger Chef wird, das entscheiden allein die Männchen. Ein Frauenwahlrecht kennen die Berberaffen nicht. Allerdings gibt es auch unter den Weibchen eine Ranghöchste. Doch die Rolle der First Lady wird immer von der Inhaberin an deren älteste Tochter weitergegeben. Adonis übrigens muss nicht befürchten, dass er sich nach seiner Ablösung in seiner Gruppe nur als lausiger Affe wiederfindet. Er wird so etwas wie den Ehrenvorsitzenden verkörpern.

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