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Neubeginn für eine alte Schule

Tschagguns – Die Bergschule wurde durch einen "Kunstgriff" gerettet. Der Gründung einer Reformklasse nach Montessori ist es zu verdanken, dass es mit 14 Kindern aus sechs Gemeinden bzw. Ortsteilen weiter gehen kann.
Bergschule in Latschau: Der erste Schultag

Während sich an die Berge des Rätikons noch hartnäckig die Wolkenreste der nächtlichen Gewitter klammern, steht die Volksschule Latschau schon im Licht der Morgensonne. Es ist, als ob sie die dunklen Schatten eines nahenden Endes verjagt hätte. Tatsächlich rettete aber ein „Kunstgriff“ die Bergschule vor dem Aus. Dank der Gründung einer Reformklasse nach Montessori geht es in Latschau mit 14 Kindern aus sechs Gemeinden bzw. Ortsteilen weiter. Ein Neubeginn, der Schüler und Lehrerin gleichermaßen motiviert.

Großes Interesse

Bianca Kessler möchte die erste halbe Stunde mit den Mädchen und Buben allein verbringen. In aller Ruhe. Ohne Ablenkungen. Während der Ferien hat die diplomierte Montessori-Pädagogin gründlich umgeräumt. Nur die Computertische blieben an Ort und Stelle. Der jungen Frau steht die Vorfreude auf die neue Herausforderung ins Gesicht geschrieben. Im Juni war sie zum ersten Mal in Latschau. Die „Montessori Initiative Montafon“ hatte mehr als ein Jahr nach einer Lehrerin bzw. einem Lehrer gesucht, um die Reformklasse einrichten zu können. „Das Interesse an dieser Lernform ist wirklich enorm“, bestätigt Doris Bergmair. Die Schule in Latschau erwies sich als ideal für das Unternehmen. Sie verfügt über mehrere Räume und verschiedene Lernbereiche und auch die Busverbindungen sind gut. Das müssen sie sein, denn die Kinder kommen außer aus Latschau noch aus Vandans, Bartholomäberg, Schruns, Tschagguns und Gantschier. Auch für Bianca Kessler, die die letzten zwei Jahre in Ludesch unterrichtete, passte schon nach dem ersten Besuch in Latschau alles. Umgekehrt erging es Eltern, die sich in der damaligen Schule von Kessler über den Unterricht nach Montessori informierten, ähnlich. „Es hat uns nicht schlecht gefallen“, erzählen Cornelia Schuler und Andreas Erhard, die ihren Sohn Fabian begleiten. „Sollte es doch nicht passen“, ergänzt der Vater, „betrachten wir das Jahr eben als Vorschuljahr.“

Drei Schulstufen

Mit derlei Überlegungen hält sich der Junior allerdings nicht auf. Er inspiziert lieber die vielen bunten Lernmaterialien, die noch ordentlich an ihren Plätzen liegen. Hanna will indes und am besten sofort wissen, wann alle gemeinsam in der Schule übernachten. „Vor den Sommerferien auf jeden Fall“, verspricht die Lehrerin, die sich die Namen ihrer Kinder schon gut eingeprägt hat. Die Mädchen und Buben werden in drei Schulstufen unterrichtet. Neun besuchen die erste Klasse bzw. die Vorschule. Zwei sind in der zweiten und drei in der dritten Klasse. Eine vierte gibt es heuer nicht. Bianca Kessler hat den Vorteil, sich ganz auf die Arbeit als Lehrerin konzentrieren zu können. Alles Administrative obliegt Reinhard Schlatter, dem Direktor der Volksschule Tschagguns.

Fragile Zukunft

Als eine Maßnahme zur Erhaltung von Kleinschulen werden in einigen Gemeinden einklassige Standorte unter einer Leitung zusammengefasst weitergeführt. „In zwei bis drei Jahren hätte es in Latschau nur noch sechs Schüler gegeben. Dann wäre es mit Sicherheit eng für die Schule geworden“, sagt Schlatter. Doch die Zukunft erscheint fragil. Voraussetzung ist nämlich, dass die Volksschulen in den anderen Gemeinden, aus denen die Kinder stammen, nicht selbst in Schülernöte geraten. „Darauf ist Rücksicht zu nehmen“, betont Schlatter. Latschau ist übrigens als einzige von vier Kleinschulen in Tschagguns übriggeblieben. Insgesamt gibt es im heurigen Schuljahr landesweit 16 Volksschulen mit weniger als 16 Schülern. Darunter sind zehn Schulen, die derzeit nur von acht bis zehn Kindern besucht werden. Dort scheint aber Nachwuchs in Sicht.

 

VN: Marlies Mohr

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