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NEOS: Regierung hat Kontrolle über Krisenmanagement verloren

Loacker mit scharfer Kritik am Coronamanagement der Regierung.
Loacker mit scharfer Kritik am Coronamanagement der Regierung. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Die NEOS übt scharfe Kritik am Corona-Management der Regierung. Diese habe entgültig die Kontrolle verloren.

Die Regierung habe nach einem Jahr Corona-Pandemie endgültig die Kontrolle über das Krisenmanagement verloren. Der Impfstoff sei knapp, der Impfplan werde nicht eingehalten und Kinder und Jugendliche werden in Stich gelassen. Diese Bilanz zogen NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker und NEOS-Jugendsprecher Yannick Shetty am Freitag. Letzterer warnte vor den negativen Folgen der Corona-Einschränkungen auf Kinder und Jugendliche und forderte einen Notfallplan.

NEOS kritisiert Vorgehen beim Impfen

"Die Regierung hat nicht nur beim Kauf der Impfstoffe versagt, sondern auch beim Verimpfen", kritisierte Loacker. Zuerst seien beim Bestellen der Impfungen Millionen Dosen liegen gelassen worden und jetzt werden die vorhandenen nicht schnell genug verimpft. So seien zwei Drittel des gelieferten Moderna-Impfstoffs nicht verimpft worden. Von 122.000 gelieferten Dosen hätten nur 38.000 auch den Weg zu den Menschen gefunden. Die Gründe dafür kenne er nicht, so Loacker. "Die Regierung machte es offenbar wie die Großmutter: Das gute Geschirr wird nur zu besonderen Anlässen geholt."

Scharfe Kritik übte Loacker an Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der einen Streit über den Impfstoff auf EU-Ebene angezettelt hatte. "Kurz hat sich mit seinen Enthüllung zu einer Lachnummer in der EU gemacht und seine Glaubwürdigkeit verspielt mit seinen Märchen über die geheimen Absprachen zwischen Beamten. Das ist eines Regierungschefs nicht würdig", attestierte Loacker. Dass Kurz nicht gewusst haben will, dass Österreich mehr Impfstoff hätte kaufen können, hält er für "unglaubwürdig" und sollte es tatsächlich stimmen, "ist er ein schlechter Chef".

Verärgert zeigte sich Loacker über das Vorgehen beim Impfen. "Der Impfplan wird nicht eingehalten, die Länder impfen wild durch die Gegend." Es würden nicht die Risikogruppen geimpft, sondern Prominente, deren Verwandte und Kinder und "manchmal hat man das Gefühl, sogar deren Hunde und Katzen", so Loacker.

90,4 Prozent der Bevölkerung nicht geimpft

In Österreich seien 90,4 Prozent der Bevölkerung nicht geimpft. Bei den Über-85-Jährigen seien es noch immer 46 Prozent, die keine Impfung erhalten hätten, bei den Über-75-Jährigen 64 Prozent und bei den Über-65-Jährigen sogar 78 Prozent.

Von einer dramatischen Situation für Kinder und Jugendliche sprach der Abgeordnete Shetty und forderte Gegenmaßnahmen. Der Regierung warf er vollkommene Ignoranz und Untätigkeit vor. Diese würde sich überhaupt nicht um dieses Problem kümmern. Dabei gehe es den Jungen sehr schlecht, jeder sechste habe Suizidgedanken, mehr als die Hälfte depressive Symptomatiken. "Das sind keine Übertreibungen, das sind die nackten Zahlen. Auf den Jugend- und Kinderpsychiatrien gibt es schon längst eine Triage", so Shetty. "Die Regierung ignoriert dieses Problem und das ist fatal."

NEOS fordern Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrien

Die NEOS fordern einen akuten Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrien sowie der Beratungsstellen und Hotlines. Sie verlangen auch einen Krisengipfel mit Experten im Gesundheitsministerium, um konkrete Ableitungen zu treffen. Man dürfe auch nach Ende der akuten Corona-Krise nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern müsse sich den Kindern und Jugendlichen verstärkt widmen.

Gesundheitsministerium wies Vorwürfe zurück

Das Gesundheitsministerium wies die Vorwürfe der NEOS zurück. Es sei die Hälfte des verfügbaren Moderna Impfstoffes bereits verimpft worden und nicht nur ein Drittel. Und Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) habe bereits am 26. Februar einen Beraterstab für die psychosozialen Folgen der Coronakrise ins Leben gerufen. Es sei ein besonderes Anliegen des Ministers auch die psychischen und sozialen Auswirkungen dieser Krise schon früh unter Einbeziehung von Experten aus den verschiedenen Bereichen der psychosozialen Betreuung zu adressieren. Die ersten Empfehlungen des Beraterstabs seien dabei mit kontrollierten Öffnungsschritten in ganz Österreich bereits verwirklicht worden.

So ist seit kurzem in ganz Österreich die außerschulische Jugendbetreuung indoor und outdoor sowie Sport für Jugendliche bis 18 wieder erlaubt. "In den vergangenen Tagen wurden damit ganz konkrete Öffnungsschritte umgesetzt, die einen wesentlichen Beitrag zur psychischen Gesundheit für Jugendliche in dieser schwierigen Zeit leisten werden", hieß es in einer Stellungnahme gegenüber der APA.

(APA/Red)

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