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Nazi-Raubgut bleibt weiterhin in Leogang

Zell am See - Ein 800 Jahres altes Kreuz stand am Freitag im Mittelpunkt eines Verlassenschaftsverfahrens am Bezirksgericht Zell am See. Die Verhandlung mit den Erben brachte kein Ergebnis. Das Kreuz bleibt vorerst in Leogang.

Das auf 400.000 Euro geschätzte Limoges-Kunstwerk sollen Nationalsozialisten einer polnischen Adelsfamilie geraubt haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Kreuz an eine Pinzgauer Familie. Diesen Sommer zog es eine Frau in Zell am See aus einem Müllkarton. Mehrere Personen erheben jetzt Anspruch auf den kostbaren Fund. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Um die Zuständigkeit des Verlassenschaftsgerichtes und die Eigentümerverhältnisse zu klären, war heute um 11 Uhr eine Tagsatzung anberaumt. „Es ist noch nicht entschieden, wer das Kreuz bekommt“, sagte der Rechtsanwalt Jan Gruszkiewicz von der Wiener Kanzlei Draxler& Partner. Er vertritt vier Erben nach Prinz Wladyslaw Czartoryski, der wiederum Erbe der Prinzessin Izabella Czartoryska-Dzialynska war. Sie ist jene Frau, „die das Limoges Kreuz für ihre Sammlung in Schloss Goluchow erworben hat.“

Es bestehe kein Zweifel, dass es sich beim Kreuz aus dem 12. Jahrhundert um jenes aus der Sammlung Czartoryski handle. „Es wurde von den Nazis im Zweiten Weltkrieg aus dem Eigentum von Prinz Wladyslaw geraubt und gemeinsam mit anderen Kunstschätzen nach Schloss Fischhorn (in Bruck im Pinzgau, Anm.) verbracht“, sagte der Anwalt. „Zahlreiche Kunstgegenstände aus der geraubten Sammlung wurden bereits von Museen und privaten Sammlungen den rechtmäßigen Eigentümern der Familie Czartoryski restituiert.“ Die Eigentümer würden sich auch weiterhin anstrengen, die geraubten Kunstgegenstände zurückzuverlangen.

Anspruch auf das Kreuz soll auch der Pinzgauer Ernst D. erheben, der jetzt in den USA lebt. Er ist ein Nachkomme jenes Familienvaters aus Gries im Pinzgau, der das Kreuz nach dem Zweiten Weltkrieg gefunden oder erworben haben soll.

„Das Kreuz lag bei uns 40 Jahre lang. Als meine Tochter heuer im Sommer eine geerbte Wohnung in Zell am See ausräumte, hat eine Nachbarin das Kreuz aus einem Karton gezogen“, schilderte Franziska Scherer, die einzige noch lebende Tochter des Familienvaters aus Gries. „Meine Tochter ist der Ansicht, das Kreuz gehört nach Polen. Es ist ja auch dort gestohlen worden. Eine schriftliche Erbschaft ist nicht da. Was will Ernst mit dem Kreuz?“ Auch die Finderin Lydia G. sei der Ansicht, das Kreuz müsse dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden.

Noch ist nicht geklärt, ob das Verlassenschaftsgericht überhaupt zur Klärung der Eigentumsrechte zuständig ist. „Eine Zuständigkeit ist nur dann gegeben, wenn das aufgefundene Kreuz zum Verlassenschaftsvermögen zählt“, erläuterte Bezirksgerichtsvorsteher Gerald Simmer gegenüber der APA. Da nicht sämtliche Erben der Pinzgauer Familie anwesend waren, konnte diese Frage heute nicht abschließend geklärt werden. Unabhängig von der Zuständigkeit seien die Personen, die Eigentumsrechte an dem Kreuz behaupten, auf den „streitigen Rechtsweg“ verwiesen. „Ob überhaupt, und wer klagt oder geklagt wird, wird sich erst zeigen.“ Das mittelalterliche Kreuz, das in der Werkstatt von Limoges angefertigt wurde, wird bis zur endgültigen Klärung der Eigentümerverhältnisse im Bergbaumuseum Leogang aufbewahrt.

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