„Nationalsozialismus erinnern“

©Stadt Bregenz
Bregenz (BRK) – In der Reihe „Schriften zur Stadtkunde“ ist dieser Tage – herausgegebn von der Stadt und redaktionell begleitet von Stadtarchivar Thomas Klagian – der zweite Band mit dem Titel „Nationalsozialismus erinnern“ erschienen.
„Nationalsozialismus erinnern“

Nach dem ersten Band, der 2019 im Rahmen des Jubiläums „100 Jahre Rieden-Vorkloster mit Bregenz“ aufgelegt wurde, beschäftigen sich in dem neuen Buch namhafte Autorinnen und Autoren auf 280 Seiten mit 88 Abbildungen mit einem dunklen Kapitel der Geschichte, vor allem mit der NS-„Euthanasie“ und der Erinnerungskultur.

Gernot Kiermayr-Egger widmet sich in seinem Beitrag jenen Menschen, die verfolgt wurden, weil ihr Sozialverhalten nicht den Normen entsprach oder weil sie aus einer Familie stammten, die als „erblich belastet“ galt. Werner Schelling schließt eine Forschungslücke, indem er die Bregenzer Opfer der NS-„Euthanasie“ nach akribischer Recherchearbeit identifiziert. In fünf Biografien schildert er, wie konsequent und mitleidlos die Nationalsozialisten alle verfolgten, die in ihren Augen ein Problem für den „gesunden Volkskörper“ darstellten. Victoria Kumar wirft einen Blick auf die Vorarlberger „Erinnerungslandschaft“, also auf jene Orte, an denen der Opfer der NS-Zeit gedacht wird.

Werner Bundschuh schildert in einem Beitrag die Entstehungsgeschichte des Widerstandsmahnmals am Bregenzer Sparkassenplatz und beschreibt in einem zweiten, wie die Johann-August-Malin-Gesellschaft die Zeitgeschichtsforschung beeinflusst und verändert hat. Werner Dreiers Beitrag handelt vom Schweizer Diplomaten Carl Lutz, der Tausende ungarische Jüdinnen und Juden vor der Deportation gerettet hat, und von jenem Weg in Bregenz, der nach ihm benannt wurde. Meinrad Pichler legt gleich drei Beiträge vor. Im ersten geht er auf die Geschichte des Gefangenenhauses in der Bregenzer Oberstadt ein.

Im zweiten stellt er das Bregenzer „Planetta-Heim“ vor, das als Anwerbezentrum für Schweizer SS-Freiwillige diente – eine Episode aus der NS-Zeit, die in Bregenz bislang nicht bekannt war. Der dritte Beitrag ist eine aktualisierte Auflistung jener Bregenzerinnen und Bregenzer, die während der NS-Herrschaft Widerstand geleistet haben und/oder verfolgt wurden.

„Worauf wollen wir unsere Gesellschaft aufbauen, wenn wir unsere eigene Geschichte nicht kennen? Für jeden planenden Menschen ist die Erinnerung an das, was war, von großer Bedeutung. Ich bedanke mich bei Stadtarchivar Thomas Klagian und bei den Autorinnen und Autoren für ihr Mitwirken beim Zustandekommen dieses zweiten Bandes unserer Stadtgeschichte“, meinte Bürgermeister Michael Ritsch.

„Nationalsozialismus erinnern“ ist um 18 Euro in den Bregenzer Buchhandlungen erhältlich. Aufgrund der aktuellen Covid-19-Situation findet derzeit keine Buchpräsentation statt. Für das Frühjahr 2022 ist aber eine Veranstaltung geplant, in der unter anderem mit den Autorinnen und Autoren darüber diskutiert werden soll, ob die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, die „Erinnerungsarbeit“, jemals abgeschlossen sein kann.

www.bregenz.at

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