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Nachhilfe-Unterricht im Web 2.0

Neue Chance für leistungsschwache Schüler: Der hohe Bedarf an Nachhilfe-Unterricht könnte zukünftig durch Online-Angebote geschultert werden.

Das Bildungssystem sowie dessen Niveau und Resultate im internationalen Vergleich sind Dauerthemen in der Politik. Fakt ist, dass Sparmaßnahmen eine Verschlechterung der pädagogischen Betreuung in den Schulen zur Folge haben. Hinzu kommt, dass Familien, in denen Kinder mit Förderbedarf leben, mit erheblicher finanzieller Zusatzbelastung rechnen müssen, wenn sie ihrem Kind die nötige Unterstützung ermöglichen wollen. Dennoch haben sich die Ausgaben für die Förderung im Laufe der Jahre weiter verringert. Das ist allerdings nicht auf sinkende Unterrichtsgebühren oder steigende Noten der Schüler zurückzuführen, sondern schlicht darauf, dass viele Haushalte die anfallenden Kosten nicht mehr stemmen können. Online-Nachhilfe könnte diese Lücke schließen.

Trend aus Amerika

Eine preiswerte Alternative zu Instituten erhielten erstmals die Amerikaner durch das Aufkommen von Lern- und Kontaktplattformen im Internet. Der Trend ist mittlerweile auch in einigen europäischen Ländern etabliert. Die Vorteile solcher Angebote liegen auf der Hand: schneller Kontakt zum Lehrpersonal (auch außerhalb der vereinbarten Nachhilfestunden), ein einfacher Zugang über den Internet-Account sowie moderate Kosten. Vor allem für Familien, die in ihrem näheren Umkreis keinen passenden Lehrer finden können, ist das eine große Chance. So entfallen lästige Anfahrtswege, die Zeit und Geld kosten. Dennoch herrscht Skepsis über die zusätzlich im Netz verbrachte Zeit. Dabei unterscheiden sich die Inhalte der Angebote erheblich. So können Eltern und Schüler aus schlichten Kontaktbörsen, E-Learning-Kursen mit oder ohne Lehrer oder organisiertem Heimunterricht mit Online-Lehrplan wählen.

Lernen ohne Scham

Der Ruf der Nachhilfe hat sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert. Das Tabuthema ist salonfähig geworden und längst nicht mehr mit einer persönlichen Niederlage verbunden. Heute dient der Nachhilfe-Unterricht nicht nur dazu, die Versetzung zu ermöglichen, sondern auch, um einen mittleren Notendurchschnitt zu verbessern. “Am wichtigsten ist es, den Kindern zu vermitteln, dass sie auf die Unterstützung und das Verständnis der Eltern zählen können – auch bei schlechten Noten”, so Melanie Rausch, die pädagogische Leiterin des Lernportals Tutoria.at. Diese bereits in Deutschland etablierte Kontaktbörse war im Dezember vergangenen Jahres in Österreich angelaufen. Ziel der Plattform ist es, den Eltern und Schülern die Suche nach einem Lehrer für professionelle Einzelnachhilfe im heimischen Umfeld zu erleichtern. Zudem können diese über das Online-Konto der Webseite den Unterricht für das eigene Kind organisieren und dessen Lernfortschritte nachvollziehen – Möglichkeiten also, die schulischen Defizite gezielt und in entspannter Atmosphäre auszugleichen.

Welcher Weg zur Verbesserung des Bildungsniveaus zum gewünschten Ergebnis führen wird, muss sich freilich noch zeigen, doch solange Pilotprojekte wie der kostenlose Nachhilfeunterricht an Wiener Schulen als Ausnahmen gelten, ist die Entwicklung der gleichberechtigten Bildungschancen für die Zukunft ungewiss.

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