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Musikalischer Genuss und Regie-Kollaps

Die Hauptdarsteller überzeugten mit guten Darbietungen das „Carmen“-Publikum.
Die Hauptdarsteller überzeugten mit guten Darbietungen das „Carmen“-Publikum. ©VN/Steurer
Bizets „Carmen“ im Lustenauer Theater-Abo zu Gast am Landestheater.

Lustenau/Bregenz. Schon traditionell war auch heuer die aktuelle Opern-Koproduktion des Vorarlberger Landestheaters und des Symphonieorchesters Vorarlberg im Rahmen des Lustenauer Theater-Abos im Bregenzer Theater am Kornmarkt zu Gast. Eines der meistgespielten Werke der Opernliteratur, „Carmen“ (UA 1875) von Georges Bizet (1838–1875), wurde in einer aufwendigen Inszenierung von Alexander Kubelka (Regie und Bühne) aufgeführt. Nun, um mit dem Guten zu beginnen – diese „Carmen“ war mit dem ausgezeichneten Symphonieorchester Vorarlberg unter dem Dirigat des auch in Vorarlberg schon geschätzten österreichischen Maestros Alexander Drcar und mit der sehr guten Besetzung der Protagonisten für die Musikfreunde unter den Opernfans gewiss ein erfreuliches Erlebnis; die Inszenierung dazu von Kubelka fällt qualitativ aber derart ab, dass man nicht glauben mag, dass derselbe Regisseur etwa einmal einen zauberhaften „Liebestrank“ geschaffen hat.

Carmen, die Figur der leidenschaftlichen, aber ebenso freiheitsdürstenden Frau, hatte in der reifen deutschen Wagner-Sängerin mit klangvollem Mezzo-Material, Nadine Weissmann, eine hinreißende Interpretin. Der aus Wales stammende Tenor mit metallischer Höhe und viel Emotionen, Adriano Graziani, als geliebter und dann verschmähter Don José, machte zusammen mit Carmen die Todesszene zum glanzvollen, finalen Höhepunkt. Der Wiener Publikumsliebling Mara Mastalir gab als Micaela in zwei Szenen Zeugnis von ihrem beseelten Soprangesang. Das übrige Ensemble sowie der Bregenzer Festspielchor und Kinderchor (Benjamin Lack, Wolfgang Schwendinger) waren in den Massenauftritten stimmig präsent.

Regie-Kollaps

Ein Zeitgenosse Richard Wagners hat diesem einmal vorgeworfen, die „Rheintöchter“ seien ein „Huren-Aquarium“. Nun, Regisseur Kubelka spielt von der ersten Szene an damit, durch entsprechend geiles Outfit der Mädchen rund um Carmen diese mit Straßenstrich und Puffmutter zu assoziieren. Deplatzierte Fehlanzeige bei Bizet! Und viele Details dieser Regie sind auch fragwürdig. Die andauernd mit Pistolen und anderen Schießeisen das Volk und die Kinder in Schach haltenden Soldaten wirken lächerlich. Der Torero Escamillo (Charles Rice ohne die protzige Aura – auch stimmlich – eines Arena-Stars) erscheint als flammender „Stier“ auf einem Holzgestell à la Trojanisches Pferd (siehe Faschingsumzüge); und dass Don José Carmen letztlich mit der Espada des Stierkämpfers ersticht, ist peinliche Opern-Schmiere. Moderne Hinweise durch ein paar englische Brocken der Akteure gehen ins Leere… „Carmen“ ist die große Oper einer tödlichen Leidenschaft und insgesamt ernst zu nehmen. In Bregenz ist es bis zur oberflächlichen Parodie nicht mehr weit. Wegen der ausgezeichneten musikalischen Präsentation sehr schade…

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