Museum von Heidi Goëss-Horten sperrt in Wien auf

Diese Woche öffnet ein Museum von Goëss-Horten für die Öffentlichkeit.
Diese Woche öffnet ein Museum von Goëss-Horten für die Öffentlichkeit. ©APA/HELMUT FOHRINGER (Symbolbild)
Im ehemaligen Hanuschhof in Wien sperrt am Freitag das Privatmuseum von Heidi Goëss-Horten als flexibler Kunststandort auf.

Eine Collection zollt zu Beginn ihrer Hülle Respekt: Wenn am Freitag (3. Juni) mit der Eröffnungsausstellung "OPEN" das neue Museum der Kunstsammlerin Heidi Goëss-Horten seine Pforten für die Öffentlichkeit öffnet, steht zunächst vor allem der vom Architekturbüro The Next Enterprise adaptierte Hanuschhof zwischen Staatsoper und Albertina im Zentrum. 50 Arbeiten aus den Horten-Sammlungen verdeutlichen die Möglichkeiten des neuen Museums und lassen diesem dabei Luft zum Atmen.

Museum von Goëss-Horten in Wien: Startschuss am Freitag

Die Architekten haben das aus 1914 stammende, einstige erzherzogliche Kanzleigebäude, dessen Fassade bis auf kleine Interventionen wie eine Begrünung nahezu unangetastet blieb, im Inneren vollständig entkernt. Nun schweben gleichsam im entstandenen Freiraum zwei Ausstellungsplattformen samt Lichtdecken, die Platz für Großformatiges bieten und durch Achsenverschiebung zugleich Ausblicke auf die Höhendominanten des Baus bieten. Flankiert werden diese großen Einheiten durch kleinere Kabinette an den Seiten, die intimere Rahmen für entsprechende Werke bieten. Dazu gehört auch ein "Tea Room", der von Markus Schinwald und Hans Kupelwieser gestaltet wurde und als Ruhepol im Kunstbetrieb zur Regeneration lädt.

Dieses Wechselspiel war ein elementarer Kern des Konzepts von Next Enterprise, das mit dem Wolkenturm in Grafenegg bereits auf eine Kulturikone in der eigenen Werkliste verweisen kann. "Uns war wichtig, dass wir eine Vielfalt an Raumangeboten herstellen, damit Kuratoren in der weiteren Bespielung des Hauses Möglichkeiten haben, unterschiedlich mit Ausstellungen umzugehen", unterstrich Architektin Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs im APA-Gespräch. Die Herausforderung, einen Altbau zu adaptieren, sei dabei nicht viel anders als bei einem Bau auf der grünen Wiese, betonte Partner Ernst J. Fuchs. Vielleicht sei der Unterschied, dass eine private Bauherrin mehr Herzblut in Projekte lege als die öffentliche Hand. Aber auch in diesem Falle habe gegolten: "Das Budget vorgegeben. Man hat ein Kostenlimit, und in dem bewegt man sich."

Eröffnungsschau von Heidi Horten Collection in Wien mit 50 Arbeiten

Dieses Limit hat aber offensichtlich keine Begrenzung dargestellt, sind doch drei Ausstellungsebenen mit 1.500 Quadratmetern Fläche entstanden, verbunden durch freischwebende Treppen. Deren Möglichkeiten setzt die ehemalige Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco als Direktorin der Horten-Collection nun bei "OPEN" gezielt in Szene. Rund 50 Arbeiten sind für die Eröffnungsausstellung im Haus verteilt. Da findet sich Damien Hirsts "Love, Love, Love" ebenso wie Constantin Lusers gigantomanischer "Vibrosaurier", der sich über zwei Ebenen erstreckt und mit der Verbindung von Tierischem und Menschlichem einen der Themenstränge der Auftaktschau symbolisiert. Auch Lena Henkes überdimensionierte Sau "UR Mutter" zählt dazu. Und doch sind momentan weniger die Basquiats/Warhols oder Wurms die Hauptattraktion dieses neuen Kunststandorts in der Wiener Stadtmitte, als das Haus selbst, das mit einem kleinen Skulpturengarten auch zum Verweilen im Freien lädt.

Goëss-Horten gab Gutachten in Auftrag

Ab Freitag haben maximal 250 Besucherinnen und Besucher gleichzeitig die Möglichkeit, sich die Räumlichkeiten der neue Institution zu Gemüte zu führen, wobei dies ab der nächsten Woche donnerstags von 18 bis 21 Uhr bei freier Eintritt möglich sein wird. Passend zum Eröffnungsmotto "OPEN" ebenfalls frei zugänglich ist auch das Gutachten, das die Milliardärswitwe Heidi Goëss-Horten beim Historiker Peter Hoeres unter Mitarbeit von Maximilian Kutzner (Uni Würzburg) in Auftrag gegeben hat. Dabei wird die Vergangenheit des 1987 verstorbenen Helmut Horten aufgearbeitet, der wiederholt mit "Arisierungen" während der Gründungsphase seines Kaufhausimperiums in Zusammenhang gebracht wurde. Die Conclusio der Untersuchung lautet, dass Horten keine Notsituation für jüdische Geschäftsleute herbeigeführt oder diese verschärft habe. Er sei zwar Nutznießer gewesen, als er Kaufhäuser von jüdischen Besitzern übernahm, habe die "Arisierung" aber nicht vorangetrieben.

Wenn nun der Wiener Kunstbetrieb die neue Horten Collection beschnuppert hat, will das Privatmuseum im Herbst die erste Themenausstellung "LOOK" zeigen. Hierbei soll die Mode seit dem 19. Jahrhundert und die Repräsentation von Weiblichkeit die führende Rolle spielen.

"OPEN" als Eröffnungsschau der Heidi Horten Collection, Hanuschgasse 3. 1010 Wien ab 3. Juni. Geöffnet täglich außer Dienstag, donnerstags von 18 bis 21 Uhr bei freiem Eintritt. Dazu erscheint: "Heidi Horten Collection. Das Haus und seine Geschichte", hrsg. von Agnes Husslein-Arco, Verlag Hirmer, 244 Seiten, 46,30 Euro.

(APA/Red)

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