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Olivia Strolz: "Mütter sind bessere Mitarbeiter"

Beim Interview mit Olivia Strolz.
Beim Interview mit Olivia Strolz. ©Breuß/Sams
Olivia Strolz ist Architektin, Geschäftsführerin von "Strolz Sport & Mode" in Lech und seit März im Vorstand der Jungen Wirtschaft Vorarlberg. Mit W&W sprach die 30-Jährige über "schwimmen lernen" im Familienbetrieb, Promis in Lech und Gleichstellung in der Arbeitswelt.

Von Harald Küng/Wann&Wo

WANN & WO: Du bist seit einem Jahr Geschäftsführerin von „Strolz Sport & Mode“. War es von Beginn an klar, dass du irgendwann ins Familiengeschäft einsteigst?

Olivia Strolz: Nein, das war nie mein Plan. Ich habe deshalb Architektur studiert – meine große Leidenschaft. Während meiner Diplomarbeit war ich dann für ein Jahr in Lech und habe mir das Ganze doch einmal angesehen. Dann fand ich die Arbeit in unserem Unternehmen aber eh ganz lässig. Als unser vorheriger Geschäftsführer den Betrieb schließlich verlassen hatte, wurde ich von unserem Beirat als Nachfolgerin vorgeschlagen. Und ich dachte mir: „Ja, warum eigentlich nicht“. Es war dann die Variante „Kaltes Wasser“, da musste ich erst einmal schwimmen lernen.

WANN & WO: Wie schwierig war es für dich am Anfang, dich durchzusetzen?

Olivia Strolz: Das war nicht nur am Anfang schwierig (lacht). Aber ich glaube, das ist in jedem Familienunternehmen der Fall. So ehrlich muss man sein. Es ist eine große Herausforderung. Es gibt viele Interessen, jeder hat andere Vorstellungen. Das alles unter einen Hut zu bringen, ist eine große Herausforderung.

Breuß/Sams

WANN & WO: Welches Rezept hast du für dich dabei gefunden?

Olivia Strolz: Der Schlüssel heißt Kommunikation. Es geht oft gar nicht darum, dass alle einer Meinung sind, aber dass alle gehört werden. Und das hilft sehr – auch wenn es manchmal etwas Zeit kostet.

WANN & WO: Was wäre dein eigentlicher Traumjob nach dem Studium gewesen?

Olivia Strolz: Es zieht sich irgendwie durch mein Leben, dass ich in Dinge reinrutsche, die ich nie vorhatte (lacht). Und das war auch in der Architektur so. In meiner Diplomarbeit befasste ich mich mit Slums auf den Philippinen. Man spricht dabei auch von informellem Wohnen – ein superspannendes Thema. Ich war dafür auch selbst einen Monat lang in einem Slum auf den Philippinen und habe mich auch bei der UNO beworben. Das Bewerbungsverfahren dafür kann allerdings über ein Jahr dauern – selbst für unbezahlte Praktikumsstellen. Die Warterei ging mir unglaublich auf den Keks. Ein Freund hat mir dann eine Stelle in seinem Architekturbüro angeboten. Ich wurde mit der Leitung für ein Hotelprojekt mit 365 Zimmern betraut – das war von Slums und gesellschaftspolitischen Themen aber so weit weg, wie nur irgendwie denkbar.

WANN & WO: Wir sitzen hier heute vor der Poolbar, Architektur ist hier jährlich ein großes Thema. Hast du selbst schon mitgewirkt?

Olivia Strolz: Leider nicht. Ich habe es mir über all die Jahre immer vorgenommen, es aber nie geschafft. Die Poolbar ist in meinen Augen aber eines der coolsten Projekte überhaupt und ein totaler Mehrwert für das Ländle. Hier kommen zudem alle meine Interessen an einem Ort zusammen: Von Architektur über Musik zu Kunst, Literatur und Theater. Das darf auch gern noch mehr werden (lacht).

WANN & WO: Wie war es für dich aus der großen Stadt in die kleine Berggemeinde Lech zurückzukehren? Und geht dir das Leben in Wien ab?

Olivia Strolz: Es war schon eine Megaumstellung für mich. Klar, es ist schön, wenn man rausgeht und die Leute kennt, gleich ins Gespräch kommt. Aber gleichzeitig sieht einen auch jeder, wenn man rausgeht. Ich würde mir wünschen, dass Lech noch mehr Kulturangebot bekommt und noch etwas cooler wird – gerade auch für junge Leute. Wenn mir Wien abgeht, fahre ich einfach hin. Ich habe mir meine Wohnung dort als Zufluchtsort erhalten.

WANN & WO: Lech ist ja vor allem für Promis und High Society bekannt. Interessiert dich sowas?

Olivia Strolz: Wenn man dort aufwächst, verliert das etwas an Bedeutung. Die Promis wohnen alle eigentlich im gleichen Hotel, zu uns ins Geschäft kommen alle einmal. Es macht da keinen Unterschied, ob jemand Promi ist oder nicht.

Breuß/Sams

WANN & WO: Gibt es dennoch eine Begegnung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Olivia Strolz: Der Künstler Anthony Gormley war einmal bei uns zuhause zum Essen eingeladen. Mein Papa hat sich den Kopf zerbrochen, was er für ihn kochen könnte. Mit Haubenküche und 5-Sterne-Hotel konnte er kulinarisch nicht mithalten. Schlussendlich hat er Pellkartoffeln mit Käse zubereitet. Das war ein Volltreffer – auch bei seiner Frau, einer Vegetarierin. Das einfache Gericht hat ihm so gut gefallen und geschmeckt, dass er uns nach London in seine Werkstatt eingeladen hat. Daraus ist mittlerweile eine angenehme Bekanntschaft entstanden und wir haben ihn schon zweimal besucht.

WANN & WO: In euerm Betrieb stellt ihr auch seit Jahrzehnten Skischuhe her. Wedeln auch Promis mit Strolz-Schuhen über die Piste?

Olivia Strolz: Die niederländische Königsfamilie ist mit unseren Skischuhen unterwegs, früher haben wir auch noch alle Profis im Ländle ausgestattet. Wir überlegen uns übrigens gerade, wie ein Skischuh 4.0 aussehen könnte, sprich, wie man den Skischuh ins „Internet der Dinge“ bringen kann. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

WANN & WO: Du bist seit März im Vorstand der Jungen Wirtschaft. Neben Themen wie „New Work“ setzt du dich auch für die Stärkung von Frauen in der Arbeitswelt ein. Wie siehst du das Ländle in dieser Thematik aufgestellt?

Olivia Strolz: Da ist noch sehr viel Luft nach oben. Das sehen wir auch dirket in unserem Netzwerk selbst: Ein Drittel unserer Mitglieder hat selbst gegründet, ein Drittel übernommen, ein Drittel befindet sich in oberen Führungspositionen. Und in diesem Setting befinden sich 75 Prozent Männer und 25 Prozent Frauen. In der Architektur ist das noch viel krasser. Ein großer Knackpunkt ist nach wie vor das Thema Familienplanung: Es muss viel mehr auf werdende Mütter geschaut werden, in diesem Punkt muss es ein großes Umdenken geben. Es braucht einen Systemwandel, für den sich sowohl Frauen als auch Männer stark machen müssen. Veranstaltungen wie die „Female Future Talks“, bei denen ich heuer moderieren durfte, sind dabei ein tolles Zeichen. Wichitg wären auch bessere Betreuungsangebote für Kinder. Da ist etwa Wien um Welten besser aufgestellt, als das Ländle. Firmen wie ­Alpla nehmen da in Vorarlberg ganz klar eine Vorreiterrolle ein. Das ist natürlich auch für mich als Unternehmerin ein großes Thema.

WANN & WO: Wie gehst du in deinem Betrieb damit um?

Olivia Strolz: Wir zahlen schon seit über 30 Jahren die gleichen Gehälter an Männer und Frauen, das ist uns einfach wichtig. Unser Personalchef ist seit 40 Jahren im Betrieb, er hat das damals eingeführt. Seine Branchenkollegen haben ihn damals gefragt, ob bei ihm was nicht stimme, weil er gleiche Gehälter bezahlt. Das wäre ja absurd. Wenn eine Mitarbeiterin ein Kind bekommt, muss man als Betrieb zudem einfach auch etwas flexibler sein – aus Erfahrung kann ich sagen, dass das auch wieder zurück gegeben wird. Ich bin auch überzeugt, dass Mütter die besseren, weil effizienteren Mitarbeiter sind. Meine Oma hat einst den ganzen Modebereich aufgebaut, nebenher das Geschäft geführt, den Einkauf gemacht, drei Kinder erzogen und am Abend noch gekocht. Das muss man erst mal schaffen und das verlangt mir höchsten Respekt ab.

Kurz gefragt

Wie verbringst du am liebsten deine Freizeit? Auf dem Berg. Ich liebe jede Aktivität in den Bergen – außer Klettern. Ich habe sogar einmal auf einer Schutzhütte arbeiten, das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Gibt’s einen Lieblingsplatz im Ländle und warum? Das klingt vielleicht doof, aber am liebsten sitze ich bei meiner Gotta in Hard auf der Terrasse mit schönem Seeblick.

Wie sind hier heute bei der Poolbar: Was war dein letztes Konzert, das du besucht hast? Hmm, schwierig, ich glaube, das war das steirische Duo Yukno. Ich bin auf jeden Fall eine große Musikliebhaberin.

Wie verbringst du am liebsten einen gemütlichen Sonntag? Eigentlich auf der Skipiste – das ist aber jetzt im Hochsommer doch etwas schwierig (lacht). Im Sommer am liebsten mit einem leckeren Avocadotoast.

Was schaust du dir im Fernsehen an? Gar nichts. Fernsehen interessiert mich nicht, ich habe nicht einmal einen Fernseher.

Worüber kannst du lachen? (lacht) Über diesen Fragenblock. Nein, im Ernst – eigentlich über alles und die meiste Zeit über mich selbst.

Und was nervt dich? Lange Tage, an denen ich nur im Büro feststecke.

(Text: Harald Küng)

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