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„Möchte mich zu 100 Prozent auf Golf konzentrieren“

Profigolferin Chantal Düringer (24) aus Bregenz im WANN & WO-Talk über ihr Studium in den USA, den Golfsport und ihre Pläne für die Zukunft.

WANN & WO: Wie bist du zum Golfen gekommen?

Chantal Düringer: Als ich zwölf Jahre alt war, haben wir es als Familie ausprobiert und waren begeistert. Besonders gefallen hat uns, dass man dabei viel Zeit miteinander verbringt, denn man ist ja vier, fünf Stunden zusammen unterwegs.

WANN & WO: Ist das nicht sehr spät und ein Nachteil, wenn andere mit vier oder fünf Jahren anfangen?

Chantal Düringer: Ich bin froh, dass ich so spät angefangen habe. Die meisten meiner Konkurentinnen haben viele Jahre Vorsprung, aber das bringt für auch oft körperliche Probleme mit sich. Es ist eine sehr unnatürliche Bewegung und manche bekommen früh Probleme mit dem Rücken oder den Handgelenken. Anfangs war das für mich auch eine Herausforderung, die entsprechende Muskulatur zu trainieren und so Verletzungen vorzubeugen. Die anderen haben aber oft eine bessere Sensibilität auf dem Green, was durch die längere Erfahrung kommt. Es gibt also Vor- und Nachteile.

WANN & WO: Wie sieht ein typischer Trainingstag von dir aus?

Chantal Düringer: Auf der Uni in Louisiana war der Tag sehr strukturiert: Workouts ab 6 Uhr, um 8 Uhr in die Klasse, Mittagspause, dann drei Stunden Golftraining und am Nachmittag nochmal Unterricht. Am Abend Hausaufgaben oder Lernen. Über vier Jahre war das schon eine sehr anstrengende Zeit.

WANN & WO: Im Sommer hast du aber deinen Abschluss gemacht?

Chantal Düringer: Ja, ich habe Pre-Medicine gemacht, also die Vorbereitung zum Medizinstudium in den USA. Für mich war es wichtig, einen Plan B zum Golf zu haben – man weiß ja nie, ob es mir in ein paar Jahren noch gefällt, oder ob eine schwere Verletzung die Golf­karriere verhindert. Heute würde ich mich aber wohl eher in Richtung Engineering orientieren. Vielleicht mache ich später noch ein anderes Studium, aber in den kommenden drei Jahren möchte ich mich zu 100 Prozent auf Golf konzentrieren.

Im kommenden Jahr möchte die junge Bregenzerin mit ihrer Profikarriere voll durchstarten.

WANN & WO: Gehst du als Golferin wieder zurück in die USA?

Chantal Düringer: Ziel ist die LPGA. Ich habe mir bereits ein Ticket für die Epson-Tour erspielt, die mit der Ladies European Tour vergleichbar ist und in Amerika gespielt wird. Ich werde voraussichtlich Mitte April in Amerika antreten. Bis dahin bereite ich mich in Europa vor – vielleicht auf der LetAccess oder der Ladies European Tour spielen. Klar ist aber auch, dass ich noch viel zu lernen habe und es Zeit braucht, bis ich in der höchsten Liga bestehen kann.

WANN & WO: Warum bist du in die USA gegangen?

Chantal Düringer: In den USA ist Golf ein Volkssport. Jeder spielt Golf – ganz anders als bei uns. Darum sind die Trainingsbedingungen auch ganz andere. Bei großen Turnieren ist es von den Zuschauern her fast so, wie bei uns ein Fußballspiel. Dazu kommt, dass es bei uns sehr teuer ist, regelmäßig Golf zu spielen. Hier ist es immer noch eine Männerdomäne, auch wenn die Turniere in Europa sich für Damen sehr gut entwickelt haben. Es geht in die richtige Richtung.

WANN & WO: Welche Rolle spielt die mentale Ebene im Golfsport?

Chantal Düringer: Das ist eine sehr wichtige Komponente. Darum arbeite ich auch seit Jahren mit einer Mentaltrainerin, um auf dem Platz Ruhe und Konzentration zu haben.

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«Es ist nicht selbstverständlich, dass Eltern für das golfende Kind tagelang durch ganz Österreich fahren, damit es an Turnieren teilnehmen kann.»
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WANN & WO: Was machst du in deiner Freizeit?

Chantal Düringer: Ich lese sehr viel und habe einen großen Stapel Bücher daheim. Es sind Romane, Klassiker – Elif Batumans „Der Idiot“ ist mein Lieblingsbuch.

WANN & WO: Du hast 10.000 Follower auf Instagram. Wie gehst du mit negativen Kommentaren um?

Chantal Düringer: Ich bin sehr froh, dass ich davon so gut wie keine bekomme. Ich erhalte viel Zuspruch und werde ab und zu auf dem Golfplatz von Leuten angesprochen, die mir folgen. Es ist viel Arbeit und ich freue mich immer, wenn ich gutes Feedback bekomme. Weniger erfreulich sind eindeutig zweideutigen Nachrichten, die ich ab und an bekomme. Das lasse ich nicht an mich heran. Es ist ein Business-Konto für mich als Golferin, nicht privat.

WANN & WO: Wie wichtig ist die Unterstützung der Familie?
Chantal Düringer: Meine Eltern haben mir alles ermöglicht, wofür ich sehr dankbar bin. Sie haben viel in mich investiert – sowohl Geld als auch Zeit. Es ist nicht selbstverständlich, dass Eltern für das golfende Kind tagelang durch ganz Österreich fahren, damit es an Turnieren teilnehmen kann. Sie unterstützen mich auch beim Wechseln in die USA.

WANN & WO: Wie sind deine Ziele für die kommenden Jahre?

Chantal Düringer: Wie gesagt, möchte ich mich voll auf Golf konzentrieren und schauen, wie es läuft. Ich liebe das Golfen, aber natürlich habe ich auch Kosten zu decken und muss von irgendwas leben.

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WANN & WO: Was erzählst du in den USA über Bregenz und Vorarlberg?

Chantal Düringer: Zuerst muss ich immer sagen, dass wir Austria, nicht Australia sind (lacht). In Vorarlberg haben wir Berge, Täler, den See und so viele Möglichkeiten mit der Nähe zu Deutschland und der Schweiz.

WANN & WO: Sind die US-Wahlen im November schon ein großes Thema?

Chantal Düringer: Von außen wirkt das hitzig, aber die Menschen sind recht entspannt. Sie reden kaum darüber, weil die meisten wählen, was ihre Familientradition ist. In Lousiana sind sehr viele Republikaner, denn durch die Nähe zu Mexiko ist die Migrationsthematik sehr präsent.

WANN & WO: Warst du in der Riedenburg eine gute Schülerin?

Chantal Düringer: Die Kombination mit Golf war schon sehr anstrengend und meine Noten waren oft wirklich nicht gut. Die Matura habe ich aber bestanden und beim Studium habe ich mit einem Durchschnitt von 1,5 echt super Noten gehabt. Was ich aus der Riedenburg mitgenommen habe, ist das kritische Hinterfragen. Davon habe ich beim Studium in den USA sehr profitiert.

WANN & WO: Wie sehen deine Pläne für die kommenden Wochen aus?

Chantal Düringer: Ich mache Pause bis Ende Jänner und bin viel im Fitnessstudio und im Olympiazentrum Dornbirn. Danach geht es wieder mit dem richtigen Training los. Viele Dinge sind aber noch offen und davon abhängig, wie ich bei den nächten Turnieren abschneide.

Hier die ganze WANN & WO-Ausgabe online lesen

(WANN & WO)

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