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Türkisches Vorarlberg: "Wenn man sich zu Hause fühlt"

Christian Gantner ist überzeugt, dass das Zusammenleben im Land funktioniert.
Christian Gantner ist überzeugt, dass das Zusammenleben im Land funktioniert. ©VN/Roland Paulitsch
Bregenz - Landesrat Christian Gantner stellt dem Zusammenleben im Land ein gutes Zeugnis aus, wie er im Gespräch mit Hüseyin Cicek und den VN betont. Ein Interview über türkische Politik im Land, Vernetzung in der Community und Budgetkürzungen des Bundes im Integrationsbereich.
Türkisches Leben in Vorarlberg

Von: Michael Prock (VN) und Hüseyin Çiçek

Landeshauptmann Wallner sprach Ende 2017 von Strömungen in der Türkei, die auch hier zu Spannungen führen. Stimmt der Befund?

Gantner Sehr viel, was in der Türkei passiert, wird ein Stück weit zu uns hergetragen, was mich mit Sorge erfüllt. Ich frage mich oft, warum es so ist. Die Verbindung ins Herkunftsland ist ja nichts Schlechtes, im Gegenteil. Wenn wir Integration wünschen, heißt das nicht, die Wurzeln aufzugeben.

Was bedeutet Integration für Sie?

Gantner Integration bedeutet, dass sich Menschen hier zu Hause fühlen, dass Vorarlberg ihr erstes Zuhause ist. Zu Hause ist nicht gleich Herkunft, aber schon sehr nahe an Heimat. Dort fühlt man sich wohl. Dazu braucht es beide Seiten. Aber die Mehrheitsgesellschaft tut sich halt schwer, wenn besagte Strömungen nach Vorarlberg transferiert werden.

Wenn wir uns die politische türkische Community ansehen, sehen wir verschiedene Strömungen: nationalistische, islamistische, marxistische, linke … Manche Führungspersonen der Milli Görüs, der ATF oder der grauen Wölfe sitzen in Beiräten oder Institutionen und damit mitten im Integrationsprozess. Beißt sich das nicht ein bisschen?

Gantner Ich halte es in der Politik allgemein für den falschen Weg, Türen zuzuschlagen. Wir müssen mit allen im Gespräch bleiben.

Nach dem Putschversuch 2016 in der Türkei hat es nicht lange gedauert, bis sich vor dem Konsulat in Wolfurt eine Demonstration formierte. Dort haben übrigens auch manche der besagten Führungspersonen gesprochen. Teile der Community sind offenbar sehr gut vernetzt.

Gantner Ja gewaltig. Das würde bei uns keine politische Partei, keine Bewegung in dieser Geschwindigkeit schaffen.

Auch Wahlkampfauftritte türkischer Politiker sind oft gut besucht.

Gantner Beim Verfassungsreferendum wurden bei uns solche Veranstaltungen abgehalten, die zum Beispiel als Buchmessen deklariert wurden. Bei der späteren Präsidentschaftswahl hat es aber keine mehr gegeben. Mir sind jedenfalls keine bekannt.

Da wäre ich vorsichtig. Vereine und Gruppierungen sind gut vernetzt, bei sozialen Anlässen wird über Politik gesprochen und man kann Menschen rekrutieren. Es kann sein, dass bei einer Veranstaltung eine Gruppe einen Tisch aufstellt und Informationen verteilt. Durch die Vernetzung im Internet sind physische Treffen gar nicht nötig. Wie klappt eigentlich die Zusammenarbeit mit dem türkischen Konsulat?

Gantner Die neue Konsulin hat sich bei einem Gespräch vorgestellt. Seitdem hat es kein Treffen mehr gegeben. Wenn es etwas gibt, werden wir aber auf sie zugehen.

Funktioniert das Zusammenleben in Vorarlberg grundsätzlich?

Gantner Ja, in Vorarlberg funktioniert es.

Es gibt aber auch Gruppen, mit denen es häufiger zu Problemen kommt. Welche Fehler sollte man in der Integration der aktuellen Flüchtlinge nicht mehr begehen?

Gantner Das Zusammenleben funktioniert gut, aber ja, es sind Brennpunkte bekannt. Aktuell hat man schon vieles anders gemacht. Es wurde etwa in Deutsch- und Wertekurse investiert, um einen guten Grundstein zu legen.

Die Bundesregierung sieht das offenbar anders, im Integrationsbereich wird gekürzt.

Gantner Ja, das stimmt. Wir haben aber schon vor 2015 zum Beispiel 70.000 Euro zusätzlich für Deutsch- und Alphabetisierungskurse ausgegeben. Das werden wir weiterhin tun, wenn wir ein Projekt für sinnvoll halten.

Das Land wird also einspringen?

Gantner Bei sinnvollen Maßnahmen werden wir für den Bund einspringen. Wenn wir jetzt investieren, ersparen wir uns in der Zukunft viel.

Als Landesrat sind Sie auch für die Sicherheit zuständig. Was halten Sie von der Idee, den Grundwehrdienst zu verlängern, damit es mehr Rekruten gibt?

Gantner Uns fehlt es nicht an Rekruten. Unser Problem ist, dass sehr viele Vorarlberger Rekruten nicht in Vorarlberg einrücken, sondern woanders. Wir müssen schauen, dass wir so viele Vorarlberger Rekruten wie möglich hier unterbringen. Für eine Verlängerung sehen wir derzeit keine Notwendigkeit.

Manche müssen ja auch zum Assistenzeinsatz ins Burgenland. Ist dieser Einsatz noch sinnvoll?

Gantner Meine erste Antwort wäre gewesen, dass der Assistenzeinsatz Teil einer Symbolpolitik ist. Er hat auf die in Vorarlberg verfügbaren Präsenzdiener aber keinen Einfluss.

Braucht es den Einsatz nicht mehr?

Gantner Nicht in diesem Umfang.

(VN)

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