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Mit Web 2.0 Verbrechen hindern

In den USA bilden sich mehr und mehr Nach­barschaftsgemeinschaften, die sich mithilfe von digitalen Kommunikationsmitteln wie E-Mail, Twitter oder Weblogs über potenzielle Verbrecher in ihrer Gegend austauschen.

Sobald ein Hobby-Detektiv eine kriminelle Aktivität in der Nachbarschaft beobachtet, warnt er die Bewohner nebenan üblicherweise mit einer SMS oder einem Tweet vor. In Atlanta zwitscherte eine Teilnehmerin des Projekts “Safe Atlanta for Everyone” http://safeatlanta.wordpress.com etwa eine Beschreibung einer verdächtigen Person mit: “Schwarz, männlich, dunkle Brillen, blaue Kappe, Baggy-Jeans, gelb-schwarze Regenjacke, ‘falsche Adresse’, nun in Nachbars Garten” und konnte ihre Nachbarn so augenblicklich auf die potenzielle Bedrohung aufmerksam machen.

Privatpolizeiliche Initiativen wie diese erleben derzeit in den USA, vor allem aufgrund von budgetbedingten Entlassungen und Beurlaubungen in den Strafverfolgungsbehörden, einen Aufschwung, berichtet die Huffington Post. Bei der National Sheriffs’ Association sind bereits mehr als 20.000 solcher Bürgerwehren, sogenannte “Block Watch Groups”, registriert. Vor vier Jahren waren erst 5.000 dieser Organisationen, die meist eng mit der örtlichen Polizei kooperieren und auch von ihr geschult werden, angemeldet.

Hierzulande halten sich solche Initiativen aber noch sehr in Grenzen. In Bezug auf Bürgerwachten gibt ein Sprecher des Bundeskriminalamt Wiesbaden (BKA) http://www.bka.de auf Nachfrage von pressetext prinzipiell zu bedenken, “dass polizeiliche Aufgaben auch von der Polizei selbst wahrgenommen sollten.” Die jeweiligen Polizeibehörden versuchen jedoch, die Zivilcourage innerhalb der Bevölkerung durch verschiedene Informationskampagnen zu stärken und sind Kooperationen mit Privatinitiativen nicht gänzlich abgeneigt. Im Wiener Stadtteil Speising erkundet zum Beispiel die Aktion “Pro Nachbar” die Nachbarschaft nach verdächtigen Personen und Aktivitäten. Laut Angaben des Gründers sei die Zahl der Einbrüche in der Gegend, nicht zuletzt durch die gesteigerte Wachsamkeit der Bewohner, seitdem deutlich zurückgegangen. Der Informationsaustausch erfolgt bei wöchentlichen Treffen, an denen sowohl die Teilnehmer der Initiative als auch die Polizei teilnehmen, und über E-Mail.

Auch in Deutschland sind bürgerwehrähnliche Organisationen eher rar gesät. Wahrscheinlich, weil die Polizei in der Bundesrepublik noch immer sehr großes Vertrauen genießt, berichtet Wolfgang Kahl von der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention http://www.kriminalpraevention.de im Gespräch mit pressetext. Straßenpatrouillen auf Eigeninitiative oder der gegenseitige Austausch über verdächtige Aktivitäten mithilfe von neuen Kommunikationstechnologien können durchaus einen Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung leisten, jedoch nur in enger Zusammenarbeit mit der Exekutive. “Ich bin in Bezug auf solche Initiativen zweigeteilter Meinung. Einerseits ist es für jedermann legitim, zu beobachten und verdächtige Situationen an die Behörden zu melden. Andererseits schießen manche dieser Hobby-Polizisten deutlich über das Ziel hinaus.” Die Gefahren, die bei privaten Initiativen bestehen, sind, dass bestimmte Personen gezielt denunziert werden und die “Freizeitpolizisten” über ihre Befugnis hinweg handeln.

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