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Mit Bildern meditativ durch die Fastenzeit

Das Fastentuch von Haselstauden verhüllt während der Fastenzeit den Altar der Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Dornbirn.
Das Fastentuch von Haselstauden verhüllt während der Fastenzeit den Altar der Wallfahrtskirche Maria Heimsuchung in Dornbirn. ©Edith Hämmerle/Günter König
Das Fastentuch bietet einen Blick auf die österliche Botschaft.
Haselstauder Fastentuch

Dornbirn. Sobald der letzte schrille Ton des Faschings verhallt, zeigt sich traditionell das Tuch, das den Altar der Haselstauder Wallfahrtskirche verhüllt. Das Fastentuch, in satten, ausdrucksvollen Farben vom Dornbirner Künstler Prof. Gerhard Winkler gemalt, ragt mit gut viereinhalb Metern hinauf, und misst in der Breite über zwei Meter. Das Geschenk des Künstlers an seine Pfarrgemeinde zieht alljährlich in der Fastenzeit die Blicke auf sich. „Das Fastentuch ermuntert zum Innehalten in einer Zeit, die auf die österliche Botschaft ausgerichtet ist“, unterstreicht Winkler sein Werk, das er auf gebleichtem Baumwollrips mit Ölfarben gemalt hat. Es enthält 18 Einzelbilder. Die Aussagekraft dieser Bilder ist in seinem Buch „die ausgestreckte Hand“ eindrücklich dokumentiert.
„Das Fastentuch wirft in den einzelnen Bildgeschichten aus dem alten und neuen Testament Fragen auf, die sich für den Betrachter individuell stellen“, spricht Winkler den meditativen Aspekt an. Die ausgewählten Texte dazu stammen aus der Feder von Maria Hildegard Brem, der Äbtissin des Klosters Gwiggen. Sie studierte Mathematik, Philosophie und Theologie in Wien, bevor sie nach einer Zeit der Lehrtätigkeit in das Kloster eintrat. Sie nennt ihre Texte „Wege zum Licht“. „Kommen Sie mit?“, sind einladende Worte der Ordensfrau an den Leser, die Leserin.

Das Leben neu ausrichten

„Fastentücher sind Wegweiser. Anregungen, unser Leben neu auszurichten“, beginnt sie als Autorin den Weg durch das Fastentuch. Dieser beginnt unten links mit einer ausgestreckten Hand mit dem Bild zu Maria Heimsuchung, dem Patrozinium der Pfarrkirche. Als sich auch Maria auf den Weg machte, Elisabeth zu besuchen, stellt sich in dieser Begegnung die Frage: „Kenne ich die Erfahrung, dass Helfen froh macht?“ Die Gefühle beim Anblick des Kindes in der Krippe werfen eine neue Frage auf: „Kenne ich Staunen und erleichtertes Lachen in meinem Leben?“ Vielleicht frägt sich der Betrachter beim dritten Bild der Sterndeuter: „Was tue ich persönlich für den Frieden im Großen und im Kleinen?“ Oder was fühle ich bei der Betrachtung von Tod und Grab? „Konnte ich dann und wann erleben, dass sich der Verlust zu einer neuen Chance gewandelt hat?“ Beim Bildnis vom „letzten Abendmahl“ stellt die Äbtissin Shakespeares Worte ins Gleichnis: „Wo Liebe rechnet, wird sie arm.“ Am rechten oberen Rand endet der Weg. Nicht mit dem Tod. Mit zwei Engeln in hell leuchtenden Gewändern. Dieses Bild stellt vielleicht die letzte Frage: „Wann bin ich in meinem Leben einem „Engel“ begegnet, der mich aufgerichtet und ermutigt hat?“

Tradition des Fastens

Das Fasten soll ein Ausgleich nach einer üppigen Zeit sein. Nicht nur durch körperliches Fasten. Durch die Verhüllung sollen auch die Augen fasten. So reicht die Tradition der Fastentücher, die während der Fastenzeit Altar und bildliche Darstellungen verhüllen, bis ins Mittelalter zurück. Der volkssprachliche Ausdruck „am Hungertuch nagen“ bezieht sich deshalb nicht nur auf materielle Armut. „Das Fastentuch zeigt in verschiedenen Themenbereichen die Sehnsucht nach Frieden, nach Frieden mit mir selbst und allen“, schließt der in Haselstauden lebende Künstler mit persönlichen Gedanken. EH

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