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Mit 7.000 Euro dotierter Literaturpreis an türkisch/deutschen Autor vergeben

Selim Özdogan, Festrednerin Anna Mitgutsch, StR. Markus Klien und Winfried Nußbaummüller (v.l.).
Selim Özdogan, Festrednerin Anna Mitgutsch, StR. Markus Klien und Winfried Nußbaummüller (v.l.). ©TF
5. Hohenemser Literaturpreis wurde für die „Geschichte ohne Papier“ vergeben
5. „Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige Autor/innen nichtdeutscher Muttersprache“

Hohenems. Am vergangenen Samstag wurde im Salomon-Sulzer-Saal der mit 7.000 Euro dotierte „Hohenemser Literaturpreis für deutschsprachige Autor/innen nichtdeutscher Muttersprache“ vergeben.

Die aus Dr. Anna Mitgutsch – sie hielt auch die Festrede unter dem Motto „Sprache als Innovation und Verwandlung“ – Sudabeh Mohafez und Zafer Senocak bestehende Jury hatte die Erzählung „Geschichte ohne Papier“ von Selim Özdogan aus 162 ihr anonym vorliegenden Einreichungen ausgewählt. Im Siegertext, der im Grunde das Erzählen selbst reflektiere, seien sorgfältige Figurenzeichnungen und eine prägnante Sprache zu finden, heißt es in der Begründung der Jury. Qualitäten, welche die zahlreichen Veröffentlichungen Özdogans, beginnend mit seinem Debütroman „Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist“, auszeichnen.

„Gott hat die Menschen erschaffen, aber er hat ihnen keine Geschichte gegeben und keine Papiere, nur Namen. Die Geschichte muss jeder selbst finden und nicht jeder kann entscheiden, welche er erzählen möchte“, so der Beginn des Siegertextes, den der 1971 in Köln geborene Schriftsteller als Höhepunkt der Preisverleihung selber vorlas. Özdogan erzählt, wie zwei junge Männer, Salim und Adem, in einer Polizeikontrolle letztlich an der Erzählung ihres Lebens scheitern – ihre Geschichten sind an gefälschte Dokumente angelehnt, an Vorstellungen, wie ihre Biographie sein könnte, an Filmzitate.

Die von Dr. Eva Häfele moderierte Verleihung begleitete der Pianist Károly Gáspár mit Stücken Fazil Says und mit Improvisationen musikalisch. Stadtrat Markus Klien erinnerte daran, dass Zuwanderung und Literatur in Hohenems schon immer präsent waren: „Vor 400 Jahren wurde die erste jüdische Gemeinde Vorarlbergs hier angesiedelt und die erste Buchdruckerei gegründet. Heute beheimaten wir eine große Gemeinde ehemaliger Gastarbeiter aus Italien, Ex-Jugoslawien und der Türkei in Hohenems.“ Und der Leiter der Vorarlberger Landeskulturabteilung, Dr. Winfried Nußbaummüller, betonte die Verankerung des Literaturpreises in der weltoffenen Geschichte von Hohenems gleichermaßen wie im vielfältigen Kulturleben der Stadt.

„Oszillierende Mehrdeutigkeit“

Hohenems (TF) Jurymitglied Dr. Anna Mitgutsch in ihrer Festrede bei der Verleihung des 5. Hohenemser Literaturpreises zum Siegertext von Selim Özdogan: „Die Sprache in ihrer oszillierenden Mehrdeutigkeit erzählt die Parabel von der Identität, die man sich erst einmal leisten können muss, der Existenzberechtigung, die nicht durch das bloße Dasein garantiert wird, sondern erst durch den Besitz der richtigen Geschichte. Der Verlust der Identität, sie freiwillig aufzugeben, ist der Preis zu überleben.“ Eine Veröffentlichung der Erzählung, wie auch früherer Siegertexte des Hohenemser Literaturpreises ab 2009, ist in Planung.

„Citatum“, Lesung und Poetry Slam

Am Vorabend der Verleihung des „Hohenemser Literaturpreises für deutschsprachige Autor/innen nichtdeutscher Muttersprache“ feierte der in Kooperation mit Ländleslam durchgeführte „Erste Emser Slam“ einen gelungenen Start.

Im Salomon-Sulzer-Saal präsentierten sich am Freitagabend Poetry-Slammer/innen, deren Muttersprache – wie auch beim Literaturpreis selbst – nicht die deutsche ist. Von den sechs Teilnehmer(inne)n wollte das Publikum im Finale Francis Kirps (Luxemburg), „Stef“ (Griechenland) und schließlich den in München lebenden Bosnier Davud Pivac sehen, der den Abend dann für sich entschied. Auch Selim Özdogan, der Gewinner des 5. Hohenemser Literaturpreises, konnte beim Slam begrüßt werden, dessen Bühne er gerne zu Beginn als „Opferlamm“ außer Konkurrenz betrat. Bereits zuvor hatte er eine Lesung für Hohenemser Mittelschüler(innen) gehalten und hatte ihnen bei einem Gespräch über Literatur und die Arbeit eines Schriftstellers Rede und Antwort gestanden

Projekt „Citatum“

Der Hohenemser Literaturpreis hat auch im öffentlichen Raum Gestalt angenommen und wird noch bis Ende Juli mit dem Projekt „Citatum“ (lateinisch „zitiert“), zu dem das städtische Kulturreferat den Künstler und Schriftgestalter Günter Bucher eingeladen hatte, am Salomon-Sulzer-Platz sichtbar bleiben. Die ersten Worte aus Selim Özdogans „Geschichte ohne Papier“ sind in einer Größe von 7 mal 4,3 Metern an der Fassade des Salomon-Sulzer-Saales zu lesen, während vier Ausschnitte aus früheren Siegertexten auf Schriftrollen von 4 mal 1,8 Metern an verschiedenen Laternenmasten rund um den Platz angebracht wurden.

Zu dem Projekt sind auch eine Serie von Postkarten produziert worden. Die Stoffbahnen mit den Texten der Sieger des Hohenemser Literaturpreises, für die Günter Bucher ausschließlich seine eigenen markanten Schriften – weiß auf schwarzem Grund – verwendete, sind nach Ende des Projektes beim Künstler und beim Hohenemser Kulturreferat erhältlich.

 

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