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Missbrauch in Heimen: Studie offenbart systematische Gewalt

Über 2000 Zöglingsakten: Die Gewalt am Jagdberg im vorigen Jahrhundert ist gut dokumentiert.
Über 2000 Zöglingsakten: Die Gewalt am Jagdberg im vorigen Jahrhundert ist gut dokumentiert.
Schwarzach. Eine Studie zur Geschichte der Fürsorge- und Heimerziehung in Vorarlberg und Tirol offenbart nun, dass Gewalt, Zwangsarbeit und Strafen in den Heimen der Länder allgegenwärtig waren. "Gewalt war Teil des Systems selbst", erklärte Michaela Ralser, Projektleiterin des Forschungsberichts, am Montag bei der Präsentation der Studie in Innsbruck.
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“Das System der Erziehungsheime hat gewaltvolle Erziehungspraktiken in all ihren Formen der körperlichen, psychischen und sexualisierten Gewalt erzeugt, toleriert und war zu ihrer Verhinderung nicht willens oder nicht imstande”, meinte Ralser. In den Landesheimen von Tirol und Vorarlberg seien seit 1945 rund 8.000 Kinder untergebracht gewesen, weitere 4.000 bis 5.000 Kinder seien in katholischen Heimen gewesen.

Jagdberg in Schlins: Systematische Gewalt

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Die Studie, die die vier Landeserziehungsheime Jagdberg im Vorarlberger Schlins, St. Martin in Schwaz, Mariatal in Kramsach und Kleinvolderberg in Tirol betrachtet, zeige im Vergleich zum restlichen Österreich vier Besonderheiten in den beiden Ländern auf. “Es gab eine besonders hohe Dichte an Erziehungsanstalten, es war eine hohe Zahl an Kindern in Anstalten untergebracht, es herrschte systematische Gewalt und die Heime wurden, trotz öffentlicher Proteste, erst spät geschlossen”, erklärte die Projektleiterin.

Kinder und Jugendliche schutzlos ausgeliefert

“Die Anstaltserziehung vereinte alle Machtquellen, die eine totale Erziehungssituation kennzeichnen: Isolierung, Entindividualisierung, Abhängigkeit und nahezu schutzlose Ausgeliefertheit der ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen”, heißt es in der Studie. Neben der Auswertung von historischen Quellen haben die Studienautoren 54 Interviews mit Betroffenen aus den verschiedenen Heimen geführt.

Wiesflecker bittet Betroffene um Verzeihung

Vorarlbergs Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) bat die Betroffenen nochmals um Verzeihung. “Das was Ihnen an seelischer, physischer und sexueller Gewalt angetan wurde, kann nie wieder gut gemacht werden”, meinte die Landesrätin. Auch Tirols Soziallandesrätin Christine Baur (Grüne) zeigte sich betroffen. “Die Ausbildung der Erzieher ist heute zwar eine ganz andere, wir müssen aber trotzdem achtsam sein, ob es noch Reste gibt, die sich in solchen Machtgefügen vielleicht halten”, sagte Baur.

260 Vorarlberger wandten sich an Opferschutzstelle

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Seit 2010 haben sich in Vorarlberg 260 Menschen an die Opferschutzstelle des Landes gewandt. An 159 Betroffene wurden in Summe über 1,43 Millionen Euro als finanzielle Unterstützung ausbezahlt, weiters wurden für 43 Personen Therapiekosten in Gesamthöhe von 81.000 Euro übernommen. In Tirol haben bisher 362 Betroffene eine Entschädigungssumme von insgesamt rund 2,3 Millionen Euro erhalten. 53 Personen wurden Therapiekosten in der Höhe von 207.000 Euro bezahlt. In beiden Ländern sollen die Opferschutzstellen weiterhin offen bleiben. Gegen das Land Tirol seien derzeit drei Prozesse anhängig, gegen Vorarlberg einer.

(APA)

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