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Miss Marx - Kritik und Trailer zum Film

Eleanor Marx, die jüngste Tochter von Vater Karl, wird nach dem Tod des Ideologen des Kommunismus gezeigt. Im Fokus des Biopic steht das eigenständige Engagement der 1855 in London Geborenen, die einerseits für die Rechte der Arbeiter und der Frauen sowie gegen die Kinderausbeutung kämpfte, aber andererseits in ihrem Privatleben doch der tradierten Frauenrolle nie ganz entkam. So brachte sich Eleanor nicht zuletzt aus enttäuschter Liebe mit Blausäure um.

Die italienische Filmregisseurin Susanna Nicchiarelli hat mit "Miss Marx" ein ungewohntes Biopic geschafften. Sie nutzt die Lebensgeschichte der jüngsten Marx-Tochter als Parabel auf die Widersprüche modernen Frau-Seins. Mit ihrem auf Englisch gedrehten Werk hatte Nicchiarelli im Vorjahr die Viennale eröffnet. Nun kommt der Film auch regulär am Freitag in die Kinos.

Miss Marx - Kurzinhalt zum Film

"Miss Marx" setzt dabei 1883 im extremen Zoom auf das Gesicht von Eleanor Marx (aufregend unaufregend gespielt von der Britin Romola Garai) am Friedhof bei der Beerdigung ihres Vaters Karl ein. Nicchiarelli macht von Anfang an klar, um wen es gehen wird. Die frühe Lebensphase, in der die jüngste Tochter des Haushalts noch die Sekretärin ihres Vaters war, wird beiseitegelassen. Im Fokus steht das eigenständige Engagement der 1855 bereits in London Geborenen, die einerseits für die Rechte der Arbeiter und der Frauen sowie gegen die Kinderausbeutung kämpfte und Ibsen-Stücke ins Englische übertrag, aber andererseits in ihrem Privatleben doch der tradierten Frauenrolle nie ganz entkam. So brachte sich Eleanor Marx 1898 nicht zuletzt aus enttäuschter Liebe zum Mitstreiter und Schwerenöter Edward Aveling mit Blausäure um.

Eleanor raucht, spricht klar, ist moderne Patchwork- und Powerfrau und kann sich doch nicht vom Widerspruch freimachen, in der Liebe die dienende Opferrolle einzunehmen. Sie spricht vor den Proletariern, vor Näherinnen und Cowboys und wird doch in der Familie mit dem heute zweifelhaften Kosenamen "Tussy" bedacht. So dient die Lebensgeschichte Eleanor Marx' weniger als chronologisches Biopic, denn als Schlaglicht auf die Entwicklung der Frauenfrage und -geschichte.

Miss Marx - Die Kritik

Die 46-jährige Nicchiarelli, die auch bei ihrem vierten Spielfilm wieder das Drehbuch verfasst hat, hält dabei die interessante Waage zwischen konventionellem Historiendrama aus dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Bruch eben dieser Konventionen. Dies macht sie bereits mit dem Vorspann deutlich, der von der US-Punkband Downtown Boys untermalt ist. Ebenso dominieren die Band respektive elektronisch verfremdete Klassikstücke im weiteren Verlauf das musikalische Geschehen.

Auf der visuellen Ebene entkommt Nicchiarelli zwar nicht einer bildschönen Stilisierung des Fin de Sciecle, setzt aber doch immer wieder kleine Irritationen im auf den ersten Blick konventionell scheinenden Erzählfluss, um deutlich zu machen, dass sie an einer historischen Schmonzette nur begrenzt Interesse hat. Wenn Eleanor und Edward etwa für die Sozialistische Partei in die USA reisen, werden sie mit Schwarz-weiß-Archivaufnahmen überblendet. In Folge kommen die großen Arbeiterkämpfe oder Demonstrationen praktisch nicht vor. Der Film bleibt auf der Ebene der letztlich im Kern bourgeoisen Protagonisten.

Im Gegenzug spricht Eleanor an einer Stelle eine sozialistische Rede direkt in die Kamera oder rezitiert ein Pamphlet zu den Frauenrechten, als sie von der heimlichen Ehe ihres Geliebten erfährt. Und am Ende lässt die Regisseurin ihre Protagonistin dann doch zwei Züge aus der sonst verschmähten Opiumpfeife nehmen - und sich in eine Figur verwandeln, die eher an Janis Joplin denn das 19. Jahrhundert erinnert.

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(APA/Red)

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