Michael Ritschs Kampf gegen die Einstelligkeit

Den Absturz der chronisch schwachen Ländle-SPÖ auf gerade noch zehn Prozent beim letzten Urnengang ihrem Spitzenkandidaten anzulasten, wäre unfair.
Den Absturz der chronisch schwachen Ländle-SPÖ auf gerade noch zehn Prozent beim letzten Urnengang ihrem Spitzenkandidaten anzulasten, wäre unfair. ©APA
Bregenz - Die Vorarlberger Landtagswahl könnte für die SPÖ eine historische werde. Erstmals könnten die Sozialdemokraten bei einem größeren Urnengang in die Einstelligkeit abrutschen. Zu verhindern trachtet das Spitzenkandidat Michael Ritsch. Einst als Hoffnungsträger der Vorarlberger SPÖ emporgeschossen, muss er nun schauen, nach 2009 nicht gleich wieder ein nie da gewesenes Wahldebakel zu verantworten.

Den Absturz der chronisch schwachen Ländle-SPÖ auf gerade noch zehn Prozent beim letzten Urnengang ihrem Spitzenkandidaten anzulasten, wäre unfair. Verglichen mit anderen Landeschefs gehört er eindeutig zu den besseren Rhetorikern. Gewerkschafter Ritsch ist leutselig, hat Humor und scheut sich nicht, nach Schlagzeilen zu suchen.

Dass er trotzdem beim Wähler nicht so recht ankommen will, hängt wohl einerseits mit der Schwäche der Landespartei zusammen, andererseits damit, dass im traditionell eher zurückhaltenden Vorarlberg Ritschs oft forsche Wortwahl nicht immer gut ankommt. Das gilt übrigens auch für die Wiener Partei, in der er spätestens seit der letzten Regierungsbildung kein gutes Standing mehr hat. Damals reiste Parteichef Werner Faymann (SPÖ) extra nach Vorarlberg, um die örtlichen Genossen vom Koalitionspakt zu überzeugen, was ihm von Ritsch nicht gerade gedankt wurde. Vielmehr ließ er in Anwesenheit des Kanzlers eine Abstimmung inszenieren, in der das Regierungspaket mit überwältigender Mehrheit abgelehnt wurde.

So war Ritsch dann im Bundesparteipräsidium auch der einzige, der gegen die Fortsetzung der Koalition mit der ÖVP votierte, und seither gilt er als sichere Bank, wenn man jemanden sucht, dem etwas an der Bundes-SPÖ nicht passt. Vor allem, dass Kanzler Faymann bisher keine Steuerentlastung zustande gebracht hat, missfällt den wahlkämpfenden Vorarlberger Roten außerordentlich. Ritsch war folgerichtig einer der ersten, die die ohnehin ungeliebte Regierungszusammenarbeit mit der Volkspartei in Frage stellten.

Um die darbenden Roten aufzupäppeln, tut der Spitzenkandidat einiges. Als einzige Oppositionspartei lehnten die Sozialdemokraten das Budget der VP-Regierung ab, und auch sonst versucht Ritsch, einen für Vorarlberger Verhältnisse kantigen Kurs gegenüber der allmächtigen ÖVP einzuschlagen. Insofern liegt es auf der Hand, dass die SPÖ nicht einmal als Außenseiterin gesehen wird, sollte die ÖVP einen Koalitionspartner brauchen.

Dabei ist Ritsch das Mitregieren gewohnt, und zwar aus der Bregenzer Stadtregierung. Dort fungiert der 46-Jährige seit vielen Jahren als Stadtrat, früher emsig in Sachen Wohnbau, derzeit noch zuständig für den Sport. Die Zeiten, in denen man ihm zutraute, dereinst den Bürgermeister-Sessel für die SPÖ in der Landeshauptstadt zurückzuerobern, sind freilich auch schon eine Zeit vorbei. 2005 zwang er Amtsinhaber Markus Linhart (ÖVP) noch in eine Stichwahl, fünf Jahre später trennten die beiden beim nächsten Anlauf dann aber wieder 30 Prozentpunkte. Trotzdem dürfte Ritsch es kommendes Jahr noch einmal versuchen, geht es bei der Landtagswahl nicht ganz schief.

Ritsch ist das Gegenteil eines Quereinsteigers. Bereits mit 18 Jahren fing er bei der “Jungen Generation” an. 1992 wurde der ehemalige Gendarm Gewerkschaftssekretär und galt bald als politisches Talent. 1995 machte er einen erheblichen Sprung nach vorne, er wurde Stadtrat in Bregenz, 1999 zog er in den Landtag ein, 2007 übernahm er nach seinem starken Abschneiden bei der Bregenzer Bürgermeister-Wahl Partei- und Klubspitze. Sein Rücktrittsangebot nach den desaströsen 10,02 Prozent bei der vergangenen Landtagswahl wurde nicht angenommen. Sollte es diesmal noch weiter nach unten und sogar der Klubstatus verloren gehen, dürfte es aber auch für Ritsch eng werden und das, obwohl weit und breit keine bessere Alternative in Sicht ist.

Immerhin: Sollte ihm der Wähler keine Freude machen, wird Ritsch das Jahr 2014 zumindest privat in guter Erinnerung halten. Erst vor kurzem ist er seine dritte Ehe eingangen, geschlossen – für einen Vorarlberger völlig untypisch – im Wiener Rathaus. Aus früheren Verbindungen hat Ritsch zwei Töchter.

Zur Person: Michael Ritsch, geboren am 9. Juli 1968 in Bregenz. Gelernter Beruf: Gendarm. Seit 1995 Stadtrat in Bregenz, seit 2004 Abgeordneter zum Vorarlberger Landtag, ab 2007 Partei- und Klubchef der SPÖ. Ritsch ist in dritter Ehe verheiratet und Vater von zwei Töchtern. (APA)

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