„Menschlichkeit ist wetterfest“

Bei der friedlichen Sonntagsdemonstration setzten die Menschen ein Zeichen für eine humane Asylpolitik.
Bei der friedlichen Sonntagsdemonstration setzten die Menschen ein Zeichen für eine humane Asylpolitik. ©Laurence Feider
Bei strömendem Regen demonstrierten knapp 2000 Menschen für eine menschlichere Asylpolitik.
Sonntagsdemo in Dornbirn

Dornbirn. Auch widrigste Wetterverhältnisse hielten die Menschen am Dornbirner Marktplatz am Sonntag nicht ab, ein gemeinsames Zeichen zu setzen für ein humanes Fremden- und Asylrecht in Österreich. Begrüßt wurden sie von Pfarrer Christian Stranz, der gemeinsam mit dem Arzt Burkhard Walla und der Bewegung „Uns reicht’s“ die Organisation der Sonntagsdemo in Dornbirn übernommen hatte. „Ich bin dankbar um die Initiative von Klaus Begle, der mit den Sonntagsdemos den Raum geschaffen hat, öffentlich zu zeigen, dass wir mit der Entmenschlichung, die in Österreich aber auch in Europa um sich greift, nicht einverstanden sind“, meinte Burkhard Walla. Der engagierte Arzt wiederholte kurz die wichtigsten Forderungen der Solidaritätsbewegung – darunter ein dauerhaftes Bleiberecht für langjährige und wohlintegrierte Flüchtlinge und Migranten, keine Abschiebungen in Länder ohne ausreichende Sicherheit sowie streng rechtsstaatliche Verfahren.

Engagierte Reden

Verschiedene Redner teilten anschließend ihre Gedanken mit den an die 2000 friedlichen Demonstranten am Marktplatz. Caritas-Direktor Walter Schmolly brachte drei Anliegen vor – zum einen die Verantwortung gegenüber der Menschlichkeit „zum Glück ist das Engagement für die Menschlichkeit wetterfest“. Gleichzeitig stellte er die Qualität unseres Rechtsstaates in Frage und nahm Bezug auf das neue Bundesgrundsatzgesetz für die Sozialhilfe und die geplante Verstaatlichung der Rechtsberatung im Asylverfahren. Drittens plädierte er dafür immer das Verbindende zu suchen.

Ärztekammerpräsident Michael Jonas beklagte die zunehmende Entsolidarisierung unserer Gesellschaft. „Ich wünsche mir mehr Aktion statt Reaktion, mehr Interesse statt Abgrenzung, mehr Offenheit und kritischen Dialog statt Verschlossenheit und schweigsamer Aggressivität.“ Viel Applaus gab es auch für die Rede von Manfred Böhmwalder, Mitglied der Gruppe „Flucht-Punkt-Ländle“, der sich schwerpunktmäßig dem Thema „Asyl und Lehre“ widmete und meinte: „Lehrlinge, die am Vortag noch brav in der Küche gearbeitet haben, gelernt haben, Schnitzel zu braten oder Kässpätzle zuzubereiten, Lehrlinge, die lernen unsere Wohnungen auszumalen oder uns im Handel kompetent und freundlich zu bedienen – diese Lehrlinge werden von uns abgeschoben. Lehrlinge, die wir dringend brauchen.“ Er forderte von den politischen Verantwortlichen, rechtlich verbindliche Zusagen zu treffen und die notwendigen gesetzlichen Grundlagen zu schaffen.

Berührende Statements

Weniger lautstark aber umso eindrücklicher gaben Somaia Zanifi und Mahdi Mohammadi einen Einblick in den Alltag geflüchteter Menschen in Vorarlberg. „In Afghanistan herrscht Krieg – ich durfte als Frau nicht allein hinausgehen und wusste nie, ob mein Mann am Abend lebend von der Arbeit heimkommt. Nach Afghanistan zurückgehen zu müssen, macht mir große Angst und ich weiß, dass alle Flüchtlinge die gleiche Angst haben. Wir möchten in Österreich bleiben, in Frieden arbeiten, leben und zur Schule gehen und unsere Kinder ohne Krieg aufwachsen sehen“, so die junge Mutter Somaia Zanifi. Frustriert zeigte sich Mahdi Mohammadi darüber, dass oft nur über negative Vorfälle rund um Asylsuchende berichtet wird: „Die Menschen werden uns gegenüber vorsichtig und das ist schade. Wir suchen bei euch nur Frieden und Schutz.“ Mohammadi ist 2015 nach Österreich geflüchtet und hat mittlerweile bereits einen Pflichtschulabschluss gemacht. Nachdenkliches gab es am Sonntag auch von der Sozialarbeiterin Belinda Paulak, vom Unternehmer Sigi Ramoser, der über das Thema Herkunft sprach und von Brigitte Knünz und Susanne Winder, die die Thematik als Christinnen und Mitglieder der Katholischen Kirche beleuchteten. Den Abschluss machte Oswald Wolf von „Uns reicht’s“ – er lud alle Anwesenden zur nächsten Demo unter dem Motto „Bleib Mensch“ am Sonntag, 27. Jänner 2019 um 10.30 Uhr am Bregenzer Hafen ein.

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