Menschen mit Behinderungen müssen ein Leben lang kämpfen

VMA-Sitzung-Gruppe.jpg: Die Mitglieder des Vorarlberger Monitoring-Ausschusses (hintere Reihe von links): Klaus Feurstein, Sharon du Plessis-Schneider, Siegfried Glössl, Antje Lange, Barbara Ghesla, Klaudia Niedermair, Gerhart Hofer. Vordere Reihe: Thomas Mayer, Brigitta Keckeis und Rene Kremser.
VMA-Sitzung-Gruppe.jpg: Die Mitglieder des Vorarlberger Monitoring-Ausschusses (hintere Reihe von links): Klaus Feurstein, Sharon du Plessis-Schneider, Siegfried Glössl, Antje Lange, Barbara Ghesla, Klaudia Niedermair, Gerhart Hofer. Vordere Reihe: Thomas Mayer, Brigitta Keckeis und Rene Kremser. ©Foto: Miro Kuzmanovic
Vorarlberger Monitoring-Ausschusses tagte öffentlich in Hard

Diskriminierung ist für Menschen mit Behinderungen auch in Vorarlberg eine alltägliche Erfahrung. Trotzdem sind sich die Betroffenen bewusst, dass sie nicht müde werden dürfen, ihr Umfeld aufzuklären und zu sensibilisieren. So der Tenor der öffentlichen Sitzung des Vorarlberger Monitoring-Ausschusses, die gestern, Mittwoch, in Hard über die Bühne ging.

Landesvolksanwalt Klaus Feurstein eröffnete als Vorsitzender des Vorarlberger Monitoring-Ausschusses (VMA) dessen fünfte öffentliche Sitzung mit dem Titel „Akzeptanz statt Diskriminierung“. Das ehrenamtliche Gremium wurde eingerichtet, um die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung in Vorarlberg zu überwachen, Missständen nachzugehen und Empfehlungen auszusprechen.

Die Präsidentin des ÖZIV-Landesverbandes Vorarlberg, Karin Stöckler, schilderte in ihrem Vortrag ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen, hat lange bei einer Gemeinde gearbeitet und wurde – mit Hinweis auf ihre gesundheitliche Situation – daran gehindert, eine Leitungsfunktion auszuüben. „Barrierefreiheit ist für 10 Prozent unerlässlich, für 30 Prozent notwendig und für 100 Prozent komfortabel“, betonte sie. Die Praxis sieht anders aus: Zu hohe Bankomaten, wild abgestellte E-Scooter, Kopfsteinpflaster oder als Schneedepot missbrauchte Behindertenparkplätze bilden Barrieren.

Fehler machen dürfen
Kristof Widhalm, Behindertenanwalt des Landes Tirol, gab einen historischen Abriss über Diskriminierung. Er verglich die Situation von Menschen mit Behinderung mit der von Frauen. Denen wurden lange etwa Bildungschancen unter dem Vorwand verwehrt, sie schützen zu wollen. Menschen mit Behinderung gegenüber gibt es diese vorgeschobene staatliche Fürsorge immer noch: „Menschen ohne Behinderungen dürfen Fehler machen, wieso dürfen das Menschen mit Behinderung nicht?“ Wenn sich genug Menschen wehren, dann bewegen sich die Dinge, ermutigte er die Anwesenden.

Im Anschluss tauschten die Anwesenden in fünf Arbeitsgruppen Erfahrungen aus: Welche Erfahrung haben sie mit Diskriminierung und Akzeptanz gemacht, welche Wünsche haben sie an den VMA?

Aufklären und sensibilisieren
Bauwerke verursachen viele Probleme: „Die Behinderten-WCs sind zu klein, haben die Türe falsch angeschlagen, es fehlen Griffe oder sie sind als Rumpelkammer vollgestopft. Keine Visitenkarte für Vorarlberg“, so ein Betroffener.

Trotz überwiegend negativer Erfahrungen berichteten die Betroffenen, wie wichtig es sei, in der Gesellschaft sichtbar zu sein. Nur so ändere sich die unsichere Haltung in der Bevölkerung. „Aufklären und sensibilisieren“ lautete der Appell aus den Arbeitsgruppen. Trotzdem bedeute Behinderung, ein Leben lang kämpfen zu müssen.

Fact-Box:
Vorarlberger Monitoring-Ausschuss
Der VMA wurde 2015 eingerichtet, um die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Vorarlberg zu überwachen. Seine 12 Haupt- und Ersatzmitglieder sind ehrenamtlich tätig und auf drei Jahre bestellt. Vorsitzender ist Landesvolksanwalt Mag. Klaus Feurstein. Der VMA hält öffentliche Sitzungen ab, um die Zivilgesellschaft in den Monitoringprozess miteinzubeziehen.
https://www.landesvolksanwalt.at/monitoring-ausschuss/oeffentliche-sitzungen.php

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