Nach Demo: Kärntner randalierte und verletzte vier Polizisten

Am Samstag fanden erneut Demonstrationen statt.
Am Samstag fanden erneut Demonstrationen statt. ©APA
Am Samstagnachmittag fanden sich über 40.000 Personen in Wien zusammen, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren.
"Wir alle wollten keine Impfpflicht"

Ein 26-jähriger Kärntner hat am Samstagabend am Bahnhof Spittal an der Drau randaliert und sich so heftig gegen seine Festnahme gewehrt, dass vier Polizistinnen und Polizisten verletzt wurden. Wie die Polizei in einer Aussendung mitteilte, gelang es schließlich, den Betrunkenen zur Räson zu bringen. Er verbrachte die Nacht im Arrestraum der Polizei Spittal.

Vier verletzte Beamten

Der 26-Jährige hatte am Samstag gemeinsam mit einer Gruppe an einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Wien teilgenommen. Als er wieder in Spittal an der Drau ankam, legte er sich mit einem ÖBB-Security-Mitarbeiter an und schlug am Bahnsteig die Verglasung einer Tür ein. Die alarmierten Polizisten wollten den Mann festnehmen, wogegen er sich aber heftig wehrte: Unter anderem erfasste er eine Beamtin und nahm sie in den Würgegriff. Er wurde überwältigt und auf die Polizeiinspektion Spittal gebracht, wo ein Alkomatentest durchgeführt wurde, der eine mittelgradige Alkoholisierung ergab. Vier Polizeibeamte mussten im Krankenhaus Spittal an der Drau ambulant behandelt werden.

Demonstration mit über 40.000 Menschen

Der lange Haupt-Demozug bewegte sich vom Heldenplatz über die Ringstraße und reichte teils bis zum Stadtpark. Die Polizei schätzte die Teilnehmeranzahl der diversen Kundgebungen auf über 40.000 sowie die Zahl der Gegendemonstranten auf 1.500. Rund 1.200 Polizisten waren im Einsatz, es gab mehrere Festnahmen wegen des Verdachts auf Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Demonstranten warfen unter anderem pyrotechnische Gegenstände, die Polizei setzte Pfefferspray ein. Wegen der zahlreichen Marschkundgebungen gab es zahlreiche Verkehrsbehinderungen. Gegen 17.30 Uhr begann sich der große Demozug aufzulösen, anschließend zogen noch größere Gruppen zum Ballhausplatz und Heldenplatz, wo zu lauter Musik gefeiert wurde.

Bereits am früheren Nachmittag sperrte die Polizei Schwedenbrücke und Marienbrücke, weil sich dort rechte und linke Gruppierungen gegenüberstanden - kurzfristig wurden auch Absperrungen durchbrochen. Eine größere Abordnung der Identitären um Martin Sellner mit Transparenten wie "Uns kriegt ihr nie" und "Wir sind das Volk" wurde schließlich in Richtung Landstraße umgeleitet und kehrte dann zum Hauptdemozug zurück. Die linke Gegendemo war am Stephansplatz gestartet. Motto dort: "Mund-Nasen-Schutz aufsetzen. Gegen Nazis, Staat und Kapital". Sie zog dann weiter in die Leopoldstadt und löste sich noch vor der Hauptdemo auf.

FPÖ-Abgeordnete sorgte für Eklat

Die FPÖ dankt den zehntausenden Menschen, die heute in Wien erneut ein starkes Zeichen gegen die totalitäre Corona-Politik der Regierung mit Lockdown und Impfzwang gesetzt haben. Bei der Kundgebung am Heldenplatz traten die beiden freiheitlichen Klubobmann-Stellvertreterin NAbg. Susanne Fürst und NAbg. Dagmar Belakowitsch als Rednerinnen auf.

Dagmar Belakowitsch stellte im Zuge ihrer Rede heftige Thesen auf, die für ordentlich Verwunderung sorgte. Belakowitsch zufolge, stecke die Ärzteschaft in einem Korsett. Denn diese wisse, "was in den Spitälern los ist", die wisse ganz genau, "welche Patienten es sind, die unsere Krankenhäuser zu Hauf füllen. Das sind nämlich nicht die bösen Ungeimpften. Oh nein, das sind ganz ganz viele Geimpfte, die aufgrund eines Impfschadens behandelt werden müssen."

Kritik gegen Impfpflicht

Der Haupt-Demozug wurde um 15.15 Uhr beim Gartenbaukino gestoppt, was kurzfristig zu Unmutsbekundungen und aufgeheizter Stimmung führte. Zu diesem Zeitpunkt reichte der Zug vom Gartenbaukino bis knapp vor den Heldenplatz. Nach einer Viertelstunde ging es dann weiter. Die lauteste Kritik der Maßnahmengegner richtete sich gegen die geplante Impfpflicht - Transparente verkündeten etwa "Impfungen sind Völkermord" oder "Ungeimpft = natürlich gesund". Immer wieder trennten sich kleinere und größere Abordnungen vom Demozug, andere vereinigten sich wieder mit diesem - was die Lage entsprechend unübersichtlich machte.

Häufig gesehene Utensilien waren "Nein zum Impfzwang"-Transparente. Ein großer Teil der Teilnehmer trug Österreich-Fahnen, zu sehen waren aber auch steirische sowie ausländische Flaggen - vereinzelt auch Symbole der QAnon-Verschwörungstheoretiker. Viele Personen dürften aus den Bundesländern angereist seien, dementsprechend häufig waren diverse Dialekte zu hören. Rechte Abordnungen gehörten genauso zum Bild wie offenbar direkt aus dem Bewusstseinsseminar angereiste Trommelgruppen.

Viele Familien mit Kindern

Unter den Teilnehmern befanden sich aber auch viele Familien mit Kindern - dementsprechend auch zahlreiche Transparente wie "Für die Liebe, für die Kinder und alle Menschen" oder aus dem religiösen Lager "Jesus schützt die Kinder, nicht Impfungen". Auch Aufschriften wie "Wir sind keine Leibeigenen und keine Untertanen" oder "Wir denken selbst" bzw. diverse Abwandlungen davon wurden vor sich hergetragen. Nicht ganz auf der Höhe der Zeit waren dagegen jene mit traditionellen "Kurz muss weg"-Plakaten - einer behalf sich kurzerhand mit dem Durchstreichen des "muss" und einem darübergeschmierten "ist".

Die Polizei hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, Großversammlungen wegen der derzeitigen Corona-Lage und Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Am Heldenplatz wurde auch wiederholt durchgesagt, dass bei der Demo eine FFP2-Maskenpflicht gilt - die überwiegende Mehrheit hielt sich aber nicht daran. Dementsprechend wurde laut Polizei auch häufig eine Verletzung der Maskenpflicht angezeigt.

(APA)

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