Medaillenhoffnung aus Nüziders

©Florian Wieser
Sanitär- und Heizungstechniker Vivian Krientschnig vertritt Vorarlberg bei den EuroSkills.

Nüziders. Einen Wecker braucht Vivian Krientschnig schon seit Wochen nicht mehr. „Seitdem wir offiziell von der Wirtschaftskammer in Wien verabschiedet wurden, bin ich richtig nervös“, berichtet der Vorarlberger. Er wird, gemeinsam mit 53 anderen österreichischen Teilnehmern, an den EuroSkills Berufseuropameisterschaften in Graz teilnehmen. Der Wettbewerb beginnt heute, Mittwoch und findet erstmals in Österreich statt. Insgesamt werden rund 450 Teilnehmer aus 31 Ländern in 48 Bewerben um die EM-Titel kämpfen, Vorarlberg stellt sieben Teilnehmer.

Vivian Krientschnig hat sich 2018 über die Staatsmeisterschaft in Salzburg qualifiziert. Dass er dort so erfolgreich abschneiden wird, damit habe er nicht gerechnet. „Aber da sind mir dann schon Freudentränen gekommen.“ Für ihn zählt in Graz das Motto „dabei sein ist alles“, aber damit stapelt der 23-jährige tief.

Er hat sich gemeinsam mit seinem Experten Thomas Hofer vorbereitet. Und dieser ist kein Unbekannter bei den EuroSkills, denn mit vier Goldmedaillen in Folge ist er europaweit der erfolgreichste Trainer bei den Berufswettbewerben.

Fanclub im Gepäck
Mit dabei hat Krientschnig auch einen ganzen Fanclub: seine Freundin, seine Eltern und 20 Kollegen von seiner Firma Dorfinstallateur Bludenz werden in Graz live vor Ort sein, um die Daumen zu drücken. Die Wettbewerber werden aber die kommenden Tage in der aus dem Sport bekannten Blase verbringen.

Abends dürfen sie das Hotel nicht verlassen und Alkohol ist untersagt. Zur mentalen Vorbereitung stehen Psychologen bereit und der Tag beginnt um 6 Uhr morgens mit einer gemeinsamen Frühsporteinheit. Krientschnig begrüßt den strukturierten Ablauf, denn es liege an diesem Wettbewerb auch hauptsächlich an der Tagesverfassung, ob er erfolgreich ist oder nicht.

Im März 2020 hat der Sanitär- und Heizungstechniker gemeinsam mit seinem Experten zu trainieren begonnen. Immer wieder haben sie sich in Linz getroffen und tagelang gemeinsam gearbeitet. Der Wettbewerb ist in drei Module unterteilt: das erste und aufwendigste Modul ist die Heizung zusammenzubauen, dafür hat Krientschnig sieben Stunden Zeit.

Am nächsten Tag folgt das zweite Modul, die sanitären Installationen. Und zum Abschluss am dritten Tag werden die Vorwände installiert, dafür bekommen sie fünf Stunden zur Verfügung gestellt. „Der erste Tag wird auf jeden Fall der herausforderndste. Das in sieben Stunden zu schaffen, ist ambitioniert“, erzählt er.

Die Arbeitssprache in Graz ist Englisch und zu Krientschnigs Bedauern sind auch keine Kopfhörer für Musik erlaubt. Während des Wettbewerbs darf keine Kontaktaufnahme mit den Experten erfolgen. Die gesamte Veranstaltung steht unter der 3G-Regel und die Teilnehmer werden alle zwei Tage mittels PCR-Verfahren getestet.

Sonntag ist Tag der Wahrheit
Eine Wertung erhält Krientschnig während der drei Tage nicht, das Gesamtergebnis wird bei der Medaillenzeremonie am Sonntag veröffentlicht. „Das wird für mich als Perfektionisten eine Herausforderung, aber ich freue mich sehr auf das Event“, erzählt er. Auch wenn für Vorarlberg sieben Männer antreten, legt Krientschnig viel Wert darauf, Frauen in dieser Branche zu fördern. Bei seinem Arbeitgeber Dorfinstallateur ist er Mentor für einige Mädchen in dem Lehrberuf und möchte sie darauf vorbereiten, dass sie demnächst seine Nachfolge bei den EuroSkills antreten können.

Von seinem Arbeitsalltag schaltet Krietschnig am besten ab, indem er seinen Paragleitschirm auspackt und zwei- bis dreimal pro Woche über Vorarlberg fliegt. VN-SUB

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