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Maya floh nach Vorarlberg: „In Syrien kann jeder Tag der letzte sein“

Maya ist in Vorarlberg in ihrer Freizeit gerne in der Natur unterwegs, auch den Bodensee liebt die 18-Jährige.
Maya ist in Vorarlberg in ihrer Freizeit gerne in der Natur unterwegs, auch den Bodensee liebt die 18-Jährige. ©START Vorarlberg, handout/privat
Bomben, Terror, Angst: Die 18-jährige Maya aus Damaskus entfloh dem Krieg in Syrien und ­startete in Vorarlberg ein neues Leben.

Von Harald Küng (Wann&Wo)

„In Syrien muss man akzeptieren, dass jeder Tag, jede Mahlzeit und jedes Wort das letzte sein könnte – man muss den Tod akzeptieren und mit dieser Idee weiterleben können.“ Die 18-jährige, in Damaskus geborene, Syrerin hat schon früh die Schrecken des Krieges kennengelernt, musste zusehen, wie ihre geliebte Heimat in Schutt und Asche gelegt wurde. Die vielen Cafés, die Jasmin-Bäume in ihrer Nachbarschaft, die schönen Stadtteile, die sie so sehr ins Herz geschlossen hatte – dies alles liegt heute in Trümmern. Damaskus ist heute eine „Zombie-Stadt, es ist still, grau und kalt und nur noch wenige Menschen sind in den Straßen unterwegs.“ Maya musste miterleben, wie Bomben explodierten und Kugeln sie nur knapp verfehlten. Die beiden Geschäfte ihres Vaters wurden durch Raketen dem Erdboden gleichgemacht. Mayas Familie verlor dadurch ihre Lebensgrundlage. „Ich sah meinen Vater damals erstmals weinen – das tat mir tief im Herzen weh.“

Erinnerung an ihre alte Heimat

Flucht nach Österreich

Ihre Eltern liehen sich Geld von Bekannten und Freunden, um ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Mayas älterer Bruder verließ das Kriegsgebiet als erstes. Weil ihre Oma aber erkrankte, blieb Maya mit ihren Eltern vorerst in Syrien zurück. 2017 folgte sie mit ihrer Mutter und ihrem jüngeren Bruder nach, im März betrat Maya – damals 17 Jahre alt – erstmals österreichischen Boden. Ihr Vater blieb bei der Großmutter, Maya hofft aber, dass auch er noch nach Österreich nachkommen wird. Zehn Tage verbrachte Maya in Wien, dann führte sie das Schicksal weiter nach Vorarlberg – wo es zu einem Wiedersehen mit ihrem Bruder und ihrer besten Freundin Lana kam.

Stipendium in Vorarlberg

Im Ländle angekommen, hatte die Teenagerin erst nicht mehr als „meine Muttersprache, meine Erinnerungen und neue Ängste.“ Doch Maya lebte sich schnell ein, lernte rasch Deutsch und fand neue Freunde. Sich in dem neuen Land zurechtzufinden, fiel ihr nicht immer einfach, „oft dachte ich ans Aufgeben, habe viel geweint.“ Doch Maya gab ihr Bestes – und die Mühen zahlten sich aus: Gerade einmal fünf Monate nachdem sie in Österreich angekommen war, bekam sie einen Unterrichtsplatz als außerordentliche Schülerin an der HLW Rankweil und besucht dort heuer den 3. Jahrgang als ordentliche Schülerin. „Für unsere Klasse ist Maya eine Bereicherung“ freut sich ihre Klassenvorständin Monika Schacherl-Konzett, „sie versteht sich gut mit ihren Mitschülerinnen und ist zu Recht stolz, wenn man sie für ihre großen Lernfortschritte lobt.“ Im vergangenen Jahr erhielt Maya ein Stipendium vom Verein START Vorarlberg (weitere Infos oben) und steht kurz vor der Matura. Und auch wenn sie immer wieder an ihre alte Heimat denken muss, Aufgeben ist heute keine Option mehr für sie: „Ich möchte nach der Matura Zahnmedizin studieren. An diesem Ziel werde ich arbeiten, bis ich es erreiche.“

START-Vorarlberg sucht Pate für Stipendiatin Maya

Integration durch Bildung: Der Verein START-Vorarlberg unterstützt begabte junge Menschen mit Migrationshintergrund aus sozial benachteiligten Familien auf ihrem Weg zur Matura. Auch Maya hat ein Stipendium des Vereins erhalten, allerdings wird noch ein Pate für die junge Syrerin gesucht – dies können regionale Unternehmen, öffentliche Institutionen oder aber auch Privatpersonen sein, die die 18-Jährige bis zur Matura unterstützen wollen.
Infos und Kontakt: www.start-stipendium.at, kunz@start-stipendium.at

(Wann&Wo)

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