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Maturaklassen starten mit 4. Mai - Mündliche Matura entfällt

Mündliche Matura entfällt - Prüfungen ab 15. Mai.
Mündliche Matura entfällt - Prüfungen ab 15. Mai. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Die Matura wird heuer wegen der Corona-Krise nur schriftlich stattfinden. Das gab Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz Mittwochmittag bekannt.

Heuer sieht die Matura ganz anders aus als sonst: Die Maturanten schreiben ab 25. Mai jedenfalls nur in drei Fächern die Zentralmatura, außerdem fließt in deren Note auch das Abschlusszeugnis der letzten Klasse mit ein. Die mündliche Matura entfällt, in diesen Fächern ist die Note der Abschlussklasse auch gleich die Maturanote - Schüler können sich aber freiwillig per Prüfung verbessern.

Maturaklassen ab 4. Mai

"In bestimmten Situationen müssen wir milde und nachgiebig sein", betonte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Vor die "verschlankte Matura" tritt ab 4. Mai eine dreiwöchige Vorbereitungszeit an den Schulen. Diese soll in den Turnsälen, Festsälen oder größeren Klassen unter Einhaltung der Hygienebedingungen stattfinden. In dieser Zeit sollen auch nur die nötigsten Schularbeiten und Tests stattfinden, um die letzte Klasse abzuschließen.

Schriftliche Matura startet am 25. Mai in nur drei Fächern

Die schriftliche Matura selbst startet am 25. Mai mit den nicht-standardisierten Prüfungsgebieten, also vor allem den Fachklausuren an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS). Am 26. Mai folgt Deutsch, am 27. Mai Englisch und am 28. Mai Mathematik. Abgeschlossen wird am 29. Mai mit Französisch/Latein/Griechisch und am 3. Juni mit Spanisch/Italienisch/Volksgruppensprachen.

Jeder Schüler absolviert dabei nur drei Fächer, ansonsten sind auch vier möglich. Hat ein Schüler die Variante mit vier schriftlichen Prüfungen gewählt, entfällt eine. Die Maturanote in diesem Fach entspricht dann jener aus der Abschlussklasse. Wer einen Fünfer auf die schriftliche Prüfung erhält, kann diesen wie immer per Kompensationsprüfung ausbessern (22. bis 24. Juni)

Note vom Abschlussjahr fließt in Maturanote

Neu in diesem Jahr: In jenen Fächern, in denen schriftlich maturiert wird, ist die Prüfungsnote nicht automatisch die Maturanote. Vielmehr soll in letztere auch die Leistung des Abschlussjahres einfließen - in welchem Verhältnis, ist laut Faßmann noch nicht endgültig geklärt. Laut Unterlagen zur Pressekonferenz dürfte die Prüfungsnote 70 Prozent ausmachen, die Note der Abschlussklasse 30 Prozent.

Ablaufen wird die schriftliche Matura unter erhöhten Hygienevorkehrungen. Die Räume werden stündlich gelüftet, die Oberflächen gesäubert. Dafür wird die Bearbeitungszeit um eine Stunde verlängert. Maturanten erhalten einen Mundschutz, der aber während der Prüfung abgenommen werden kann. Schüler, die in eine Risikogruppe fallen, können in einem eigenen Raum arbeiten.

Mündliche Maturaprüfung entfällt

Statt der mündlichen Maturaprüfung wird die Abschlussnote der achten Klasse für das Maturazeugnis herangezogen. Wer seine Note verbessern will, kann das auf freiwilliger Basis per Prüfung. Ähnlich die Vorgehensweise bei den vorwissenschaftlichen Arbeiten (AHS) bzw. Diplomarbeiten (BHS): Die mündliche Präsentation entfällt, die Note wird auf Basis der abgegebenen schriftlichen Arbeit vergeben. Wem deshalb ein Fünfer droht, kann dies per freiwilliger Präsentation ausbessern.

Auch an den berufsbildenden mittleren Schulen (BMS) finden die Abschlussprüfungen statt - allerdings erst im Juni. Für Berufsschulen gilt: Lehrlinge, die die letzte Klasse der Berufsschule positiv abgeschlossen haben, müssen nicht zum theoretischen Teil der Lehrabschlussprüfung antreten - die Note wird automatisch angerechnet. Wer negativ abschließt, kann die Fachtheorie im Rahmen der Lehrabschlussprüfung absolvieren. Auch die Lehrlinge im letzten Jahr dürfen ab 4. Mai unter hygienischen Auflagen an die Schulen zurück.

Unklar, wie es mit anderen Schülern und Kindergartenkindern weitergeht

Noch unklar ist, wie es für die anderen Schüler und Kindergartenkinder weitergeht. An den Einrichtungen werde weiterhin Betreuung angeboten, so Faßmann. Die konkrete Vorgehensweise bei der schrittweisen Öffnung hin zum Regulärbetrieb werde erst nach Ostern festgelegt.

Wenn aufgrund der Öffnung anderer Bereiche mehr Kinder zur Betreuung in die Schulen kommen, ist das für Faßmann kein Problem. Unter Umständen müssten aber die Lehrer beim Distance Learning Abstriche machen, wenn sie mehr Schüler sowie zusätzlich die Maturanten vor Ort betreuen müssen.

Für ein generelles Absehen vom Sitzenbleiben ist es für Faßmann noch zu früh: An den Schulen könne im Mai und Juni noch unterrichtet werden. Daher könne er jetzt noch nicht sagen, wie konkret die Noten zustandekommen werden.

Schüler und Grüne zufrieden, Opposition kritisch

Die von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) umrissenen Pläne für die "verschlankte Matura" und zu Lehrabschlüssen stoßen bei den Schülervertretern auf positive Reaktionen. Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike zeigte sich erfreut über die Einbindung. SPÖ und NEOS begrüßten die Fixierung des Matura-Prozederes, fordern aber Klarheit in anderen Bereichen ein. Kritik kommt von der FPÖ.

In den vergangenen Jahren seien "oft Entscheidungen über den Kopf der Schulpartner" hinweg getroffen worden, sage Uzodike im Rahmen der Pressekonferenz am Mittwoch. Dass nun "in schwierigen Zeiten die Betroffenen in konstruktive Verhandlungen mit eingebunden wurden", sei positiv, so die Bundesschulsprecherin. Auch die Bildungssprecherin der Grünen, Sibylle Hamann, begrüßte die Einbeziehung der Schülerorganisationen beim nun fixierten weiteren Vorgehen. Mit den Lösungen werde "viel Druck rausgenommen".

Opposition sieht Regelung kritisch

Für SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid sind zwar noch einige Fragen zur Matura offen, es sei aber "gut, dass nun das Prozedere dafür fixiert wurde, und ich hoffe, dass der vom Bildungsminister heute präsentierte Plan wenigstens diesmal hält." Es brauche aber auch Perspektiven für die anderen Schüler bzw. die Kinderbetreuungseinrichtungen. Sie forderte daher in einer Aussendung umfassende "Information und Transparenz" darüber, "wie es in den österreichischen Schulen bis zum Sommer weitergeht". Außerdem bekräftigte sie ihre Forderung, in diesem Schuljahr auf das Sitzenbleiben zu verzichten.

Für NEOS-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre wurden mit den heute vorgestellten Lösungen zur Matura "nun endlich klare Verhältnisse geschaffen". Abseits dieses Bereichs blieben jedoch viele Fragen im Zusammenhang mit Schulen und in den Kindergärten offen. "Auch hier braucht es rasch Klarheit für alle Kinder, ihre Eltern sowie die Pädagoginnen und Pädagogen", so Künsberg Sarre.

Die FPÖ kritisierte die "wieder nur dürftigen Ansagen zum Fahrplan, wie mit den Sorgen von abertausenden Schülern, Eltern und Lehrern umgegangen wird". Auch mit der Streichung der mündlichen Matura kann sich Bildungssprecher Hermann Brückl nicht anfreunden. Für ihn ist außerdem "unverständlich, warum die Zentralmatura unbedingt durchgepeitscht werden soll", hieß es in einer Aussendung.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) begrüßte in einem Statement gegenüber der APA die Vorgehensweise bei den Lehrabschlüssen: "Uns ist auch wichtig, dass jene Lehrlinge, die uns während der Corona-Krise so tatkräftig unterstützt haben - etwa im Einzelhandel - kein Lehrjahr verlieren. Dafür werden wir eigene Angebote schaffen. Versäumter Unterricht kann über Distance-Learning nachgeholt werden. Die Zahl der Berufsschultage wird nicht erhöht", heißt es darin.

APA/Red

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