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„Man sieht der Branche beim Sterben zu“

Keine Konzerte, ­keine Hochzeiten, ­keine ­Messen, keine ­Bälle: Die Event- und ­Veranstaltungsbranche, bestehend aus ­zahlreichen ­ineinander greifenden Zahnrädern, ­befindet sich ­faktisch im ­Lockdown – und bangt ums ­Überleben.

von Harald Küng/Wann & Wo

Das Coronavirus hat den Veranstaltungssektor mit voller Härte getroffen. Seit dem vergangenen Frühjahr herrscht hier mehr oder weniger absoluter Stillstand. Und ein Ende dieser dramatischen Situation ist auch bis auf Weiteres nicht in Sicht. „Wir befinden uns seit März in einer unglaublich schwierigen und beängstigenden Situation“, sagt Harald Otti, Geschäftsführer von MO Catering und fügt hinzu: „Vor März oder April 2021 findet nach aktuellem Stand der Dinge nichts mehr statt. Große Events werden womöglich überhaupt erst 2022 wieder abgehalten. Die Branche befindet sich nach dem Frühjahr in einem zweiten Lockdown. Es hagelt nur noch Absagen, es kann nichts ge­plant werden – mit Auswirkungen auf zahlreiche Unternehmen, die hier miteinander verflochten sind.“ Die Unsicherheit in der Branche sei enorm. „Es wurde ein Maßnahmenpaket versprochen, doch wann ist davon endlich etwas zu sehen?“, fragt Otti und findet drastische Worte: „Die Nacht- und Eventbranche steht vor ihrem Ende, viele Menschen und Betriebe stehen vor dem finanziellen Ruin – man sieht uns einfach beim Sterben zu.“ Otti rechnet damit, dass im kommenden Frühjahr eine große Insolvenzwelle durchs Land schwappt und zahlreiche Unternehmen mit sich reißt. Zur politischen Handhabung der Situation findet Harald Otti klare Worte: „Denn sie wissen nicht, was sie tun – es gibt keinen Fahrplan, keine klaren Richtlinien. Es wird nur Angst und Schrecken verbreitet.“

Treffen mit der ­Wirtschaftskammer

Vor wenigen Tagen kam es zu einem Treffen zwischen Vertretern der Event- und Veranstaltungsszene sowie der Wirtschaftskammer. Das Ziel: Perspektiven für die durch die Corona-Krise sehr hart getroffenen Branche aufzuzeigen und zu erarbeiten. Bei dem Treffen mit WKV-Vizepräsident Stefan Hagen und WKV-Direktor Christoph Jenny stellten die Branchenvertreter klar, dass es neben den bisherigen Hilfsmaßnahmen wie Kurzarbeitsregelung oder Härtefallfonds weitere vorarlbergspezifische Maßnahmen brauchen wird, um die derzeit völlig brachliegende Event- und Veranstaltungsszene auch über das Jahr 2021 hinaus am Leben zu erhalten. Es gelte nun, die finanzielle Lage der Unternehmer zu eruieren, um ein auf die Vielfalt der Branche passendes Krisenfondsmodell gemeinsam mit dem Land auf die Beine zu stellen. „Ein erstes Maßnahmenpaket auf Landesebene wurde bereits in Aussicht gestellt und befindet sich in Ausarbeitung“, erklärt Wirtschafts­kammer-Direktor Jenny. Zudem soll überprüft werden, ob und wie die Unternehmen aus dem 300-Mio-Schutzschirm des Bundes profitieren können. „Die Wirtschaftskammer wird als unternehmerische Interessenvertretung dafür sorgen, dass die Branche eine Stimme in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung und Diskussion bekommt“, versprach WKV-Vizepräsident Stefan Hagen.

Statements

Kerstin Palla, Liebeleih, Decostyle Eventservice: „Wir verspüren eine große Unsicherheit. Keiner weiß, was der nächste Morgen bringt. Hochzeiten werden von heute auf morgen verboten und durch die Empfehlungen seitens der Bundesregierung keine Weihnachtsfeste zu feiern, hagelt es Absagen. Für uns kommt die Situation einem zweiten Shutdown gleich. Bis Dato stehen wir mit einem Umsatzverlust von 75 Prozent zum Vorjahr da. Es wird für uns sehr schwierig werden unsere Mitarbeiter halten zu können, da wir derzeit keine Aussicht auf Lockerungen der Maßnahmen haben. Unsere Bitte an die Bundesregierung: ,Lasst uns leben‘ und seht uns nicht beim Sterben zu. Wir brauchen Hilfe – so schnell wie möglich!“

Thomas Hagen, PLUS Eventsupport: „Die Situation ist sehr schwierig, da sie uns quasi aus dem Nichts in voller Fahrt getroffen hat. Seither ist es ein ewiges Auf und Ab, von einer Normalisierung wurde immer mehr abgerückt. Wir haben in diesem Jahr rund 15 bis 20 Prozent unseres Vorjahresumsatzes erwirtschaftet – und dies auch nur, weil wir die Umsätze vor dem 16. März erzielten. An erster Stelle steht die Sicherung des Know-how in der Branche!

Dies kann nur geschehen, wenn wir es schaffen, die Arbeitsplätze zu sichern und eine Abwanderung der Fachkräfte damit verhindert wird. Hierzu brauchen wir unbedingt Unterstützung. Regionaler Zusammenhalt ist sehr wichtig.“

Jürgen Kessler, Direktor Wirtschaftsbund Vorarlberg: „Es schmerzt uns sehr, zusehen zu müssen, wie Unternehmen generell und die Eventbranche im Speziellen durch Covid-19 existenziell in Bedrängnis kommen. Deshalb haben Präsident Hans-Peter Metzler und Landesrat Marco Tittler über den ,Stab der Wirtschaft‘ den Anstoß gegeben und Vizepräsident Stefan Hagen hat sich dem Thema persönlich angenommen. Das Motto lautet ,Gehör und Stimme‘ zu geben, um der ,brutal‘ betroffenen Eventbranche zu helfen. Zumal davon auszugehen ist, dass die wirtschaftliche Perspektive schwer voraussehbar ist und die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der Branche sehr leiden. Die ersten Gespräche mit dem Land waren sehr positiv. Nun geht es um Bewusstseinsbildung auf Bundesebene. Es braucht Unterstützung, die effizient und rasch in der Branche ankommt.“

Luca Einsiedler, Eventwide: „Die Lage lässt sich für uns realistisch gesehen als endlose, unwirkliche wirtschaftliche Katastrophe bezeichnen. Noch nie in der Geschichte unseres Unternehmens gab es eine ansatzweise vergleichbare Situation. Seit März verzeichnete unser Unternehmen einen Umsatzeinbruch von bis zu 90 Prozent. Jene Mitarbeiter, die noch für uns tätig sind, sind in Kurzarbeit. Ich frage mich: Warum wird für schwerbetroffene Unternehmen der Verlustrücktrag nicht erweitert? Gesunde Unternehmen könnten somit über frisches Kapital verfügen und zukünftige Schritte besser planen.“

Die gesamte Ausgabe der Wann & Wo lesen Sie hier.

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