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Mais schälen und noch vieles mehr

Dornbirn - Man macht es in größeren Gruppen oder in kleineren, selten alleine: "Türggobrätscha". Das Schälen von Maiskolben mit anschließendem Verknüpfen und Aufhängen der Ackerfrüchte auf einem Dach.

Eine im Herbst weit verbreitete Tätigkeit – früher einmal. Man lässt die Maiskolben bis kurz vor Weihnachten hängen, erntet dann die Körner. Das daraus gewonnene Mehl ist die Basis für herrlichen Riebl.

Schöne Zeit

Wenn Josef Meusburger über das „Türggobrätscha“ erzählt, dann macht der 65-jährige gebürtige Bregenzerwälder eine Reise in seine Vergangenheit. Zurück zu seiner Heimat in Reuthe, wo Josef in einer Großfamilie aufwuchs und die Mutter tagtäglich Riebl aus Mais auftischte. „Wir verloren sehr früh den Vater. Riebl war eine billige und gute Nahrung, vor allem am Morgen.“ Im Zusammenhang mit Mais denkt Meusburger aber auch „an die schöne Zeit im Werbenhof in Dornbirn. Das Vaterhaus meiner Frau, wo ich auch die Geselligkeit des Türggobrätscha erlebte. Man saß damals in einer großen Gruppe zusammen, schälte und knüpfte stundenlang Maiskolben und saß anschließend zu einer zünftigen Jause zusammen.“

Großer Zulauf

Meusburger, der mit seiner Frau Gertraud regelmäßig am Dornbirner Markt vertreten ist, will das Türggobrätscha wieder unters Volk bringen. Einen erfolgreichen Start am Markt hatte er bereits. Dort war er kürzlich mit Mais und Mühle präsent und hatte einen riesigen Zulauf. „Ich wurde fast überrannt, das klein wenig Maismehl, das ich mitnahm, war im Nu weg.“ Für Josef Meusburger ist diese Erfahrung eine große Genugtuung. Er will nun gemeinsam mit Partnern das Türggobrätscha und das Maismehl weiter bekannt machen. „Als ehemaliger Bäcker bin ich auch stets am Experimentieren, wie man gutes Brot aus Mais backen kann.“

Comeback vom Riebl

Josef Meusburger ist ein zufriedener Mann. Das Leben auf dem Bauernhof mit seiner Familie füllt ihn aus, bei seinen Ziegen und den Schafen fühlen er und seine Gattin Gertraud sich wohl. Meusburger will mit dazu beitragen, „gute alte Sachen wieder etwas mehr ins Bewusstsein zu bringen“. Es dürfe nicht sein, dass Hausfrauen am Markt bei ihm vorbeikommen „und nicht einmal mehr wissen, was Riebl ist bzw. wie man ihn macht“. Beim Türggobrätscha kommt eine Portion Spaß noch dazu. Und die Erinnerung an eine Zeit, als man noch mehr Gemeinschaft war. Gerade auch bei der Ausübung alter Bräuche.

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