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Lochauer Privatuni kommt später

(VN) Lochau - Wo bis vor zwei Jahren Schmelzkäse produziert wurde, sollen in naher Zukunft Studenten Hörsäle bevölkern: In Lochau, nahe am Bodenseeufer, waren eigentlich ab Herbst 2012 Vorlesungen in Vorarlbergs erster Privatuni geplant.
Grafik: Privatuniversität in Lochau

Der „Campus Scientia“, der auf dem 28.000 Meter großen ehemaligen Rupp-Areal geplant ist, wird nun voraussichtlich im Herbst 2014 eröffnet. Ob das Projekt in dieser Form umgesetzt wird, ist aber noch nicht sicher. Denn: Ein Finanzierungskonzept wurde der Gemeinde Lochau bisher nicht vorgelegt und die Universität ist noch nicht bewilligt. „Wir haben noch gar keinen Antrag vorliegen“, erklärt Elisabeth Fiorioli, Geschäftsführerin des österreichischen Akkreditierungsrats, der darüber entscheidet, ob private Universitäten starten dürfen.

Im Durchschnitt dauere ein Verfahren neun Monate. Einreichen wolle man noch in diesem Winter, erklärt Projekt­initiator und „Bauart“-Geschäftsführer Roland Pircher, der bereits mit dem heuer eröffneten Hotel „Am Kaiserstrand“ ein Großprojekt in Lochau – in Sichtweite der geplanten Uni – umsetzte.

Umwidmung genehmigt

Eine Hürde wurde jedenfalls am Dienstag genommen: In der Gemeindevertretungssitzung wurde die für den Bau nötige Umwidmung beschlossen. Ein Großteil der 28.000 Quadratmeter großen Fläche des ehemaligen Rupp-Areals wurde dabei von Industrie- in Baumischgebiet umgewidmet. Dagegen stimmten lediglich die Lochauer Grünen. „Das ist ein zukunftsweisendes Projekt, wir stehen voll dahinter. Die Umwidmung in Baumischgebiet ist aber ein Blankoscheck“, erklärt Georg Mack. Sie forderten eine Widmung in „Sonderfläche Universität“. Damit solle gesichert werden, dass auch tatsächlich eine Uni und nicht nur ein Wohnblock gebaut werde. Denn geplant ist weit mehr als Hörsäle: Büros, Forschungs- und Entwicklungszentren, ein „Campushotel“, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie, Betriebsansiedelungen und noch etwas: Wohnungen. „Falls die Privatuniversität nicht realisiert werden kann, ist durch die Umwidmung auch nur Wohnbau möglich“ warnt Mack.

„Man kann in eine Umwidmung nicht alles hineininterpretieren“, stimmte Bürgermeister Xaver Sinz – wie alle anderen Vertreter von ÖVP, SPÖ und FPÖ – dagegen. Zudem sei die Gemeinde in die Planung eingebunden und hätte mit dem Bauausschuss ausreichend Gestaltungsmöglichkeiten. „Das wird nicht bloß abgenickt. Das ist eine Chance für Lochau und ganz Vorarlberg“, sagt Sinz. Und auch Pircher freut sich, dass sich die Gemeinde gegen die Sonderfläche ausgesprochen hat: „Wie in der Lehre Technik und Biologie verbunden werden, verfolgen wir auch beim Bau ein durchmischtes Konzept.“ Studium, öffentlicher Raum und Wirtschaft könnten auch in einem Gebäude zusammenfinden.

Der weitere Plan: Bis Ende des nächsten Jahres sollen „vier international tätige Architekten“ – Namen werden nicht genannt – die verschiedenen Gebäude planen. „2012 könnten wir dann mit dem Bau beginnen“, meint Pircher, der statt wie vor einem Jahr von 500 nun nur noch von 350 Studenten spricht.

Privatuni Lochau
„Campus Scientia“

In „Live Sciences Engineering“-Studiengängen sollen Technik und Biowissenschaften verbunden werden. Vollzeit- und berufsbegleitende Studien sind angedacht, alles soll in enger Kooperation mit Praxis und Wirtschaft geschehen.

  • Projektbetreiber: Universalis (zu 50 Prozent ist der Lauteracher Bauunternehmen Schertler Alge beteiligt, zu je 25 Prozent „Bauart“ und der Innsbrucker Bauträger „Future Life“)
  • Investitionen: 70 Milionen Euro
  • Studenten: bis zu 350
  • Baufläche: 28.000 Quadratmeter
  • Studienbeginnn: voraussichtlich 2014
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