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22 Millionen Euro für Forschung gegen Virus

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck wird um 10 Uhr vor die Kameras treten.
Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck wird um 10 Uhr vor die Kameras treten. ©APA
Am Samstag informierte die Bundesregierung über den Stand der Forschung gegen das Coronavirus, und aktuelle Maßnahmen beim Zivildienst.
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Die Bundesregierung stellt im Kampf gegen das Coronavirus weitere 22 Millionen Euro für Forschung zur Verfügung. Das gaben Regierungsmitglieder am Samstag im Bundeskanzleramt in Wien bekannt.

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Finanziert werden sollen damit vor allem klinische Studien zur Erprobung von Medikamenten und Wirkstoffen gegen die Covid-19-Erkrankung und Forschungsprojekte, um Spitäler keimfrei zu halten.

Nach einer ersten Emergency-Ausschreibung für Forschungsprojekte am 10. März in Höhe von einer Mio. Euro kommen nun weitere 22 Mio. Euro dazu. Jeweils zehn Millionen Euro stellen das Infrastruktur- und das Wirtschaftsministerium zur Verfügung, zwei Mio. Euro das Wissenschaftsministerium. Abgewickelt wird die Ausschreibung über die Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

Einreichungen sind ab sofort möglich, die erste Einreichungsfrist endet am 8. April, eine zweite am 11. Mai. Die Förderentscheidungen sollen dann so rasch wie möglich gefällt werden, erklärten die drei für Forschung zuständigen Minister Leonore Gewessler (Infrastruktur, Grüne), Margarete Schramböck (Wirtschaft, ÖVP) und Heinz Faßmann (Wissenschaft, ÖVP).

20 Mio. Euro stehen für Unternehmen mit Sitz in Österreich zur Verfügung, die Wirkstoffe gegen das Coronavirus oder dadurch ausgelöste Folgen wie etwa Lungenentzündungen in der Pipeline haben und eine klinische Studie (Phase I oder II) unmittelbar nach der Genehmigung starten können. Begleitend dazu erhalten die Medizinischen Universitäten vom Wissenschaftsministerium zwei Mio. Euro über die Leistungsvereinbarungen, um gemeinsam mit den Unternehmen die klinischen Studien umzusetzen.

"Reihe von Hoffnungsträgern"

"Schulschließungen und social distancing sind nur Notmaßnahmen, wir brauchen dringend Therapeutika, Diagnoseinstrumente und Impfungen zur Bekämpfung des Virus", erklärte Heinz Faßmann. Er erwarte sich klinische Studien von Medikamenten, die bereits für andere Anwendungen erprobt sind und daher die Zulassung nicht mehr so aufwendig sei - "da gibt es eine Reihe von Hoffnungsträgern".

Als Beispiele nannte der Wissenschaftsminister Medikamente gegen Malaria oder Hepatitis, die man gegen das Virus verwenden könne. Aber das müsse getestet werden. Die Wissenschaft könne in dieser Situation Hoffnung geben, "mehr noch, sie kann die reale Bedrohung abwenden".

Bei der aktuellen Ausschreibung gehe es weniger um das Entwickeln von Impfstoffen, sondern vor allem um das Testen von Medikamenten, die bereits am Markt sind und möglicherweise gegen das Coronavirus wirksam sein könnten, sagte Leonore Gewessler. Ein zweiter Teil widme sich Forschungsprojekten, die helfen sollen, wie man Spitäler keimfrei halten kann. Gefördert werden sollen laut FFG etwa auch Projekte zu Oberflächenbeschichtungen von Schutzanzügen, neuen Desinfektionsmitteln oder Algorithmen zur Pandemieeinschätzung. "Das sind Forschungsprojekte, die unmittelbar wirksam sein können und hoffentlich rasch Hilfe bringen können", so Gewessler.

Margarete Schramböck betonte, dass bereits bei der ersten Ausschreibung vor knapp zwei Wochen 30 Anfragen von Unternehmen eingegangen sind. Als Beispiele für Unternehmen mit vielversprechenden Ansätzen nannte die Wirtschaftsministerin die vom österreichischen Genetiker Josef Penninger mitbegründete Wiener Biotechnologiefirma Apeiron, das österreichische Biotechnologie-Unternehmen Apeptico, der Wiener Impfstoffentwickler Themis Bioscience oder Boehringer Ingelheim.

Notwendige Prozesse bis zur Zulassung sollen laut Schramböck möglichst beschleunigt werden, "alle werden so schnell wie möglich arbeiten, um die Medikamenten so schnell wie möglich zur Verfügung zu stellen. Und generell müssen wir daran arbeiten, dass wieder mehr Produktion von Wirkstoffen in Europa passiert, das Coronavirus ist ein Weckruf für uns alle".

1.400 Ex-Zivis helfen aus, Rotes Kreuz vermittelt Kräfte

Zivildienstministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) rechnet mit einer "massiver Verschärfung der Lage im Pflegebereich" in Folge der Corona-Krise.

Die ganze Pressekonferenz

Um das Problem in den Griff zu bekommen, werden aktive Zivildiener länger dienen müssen und ehemalige einen Freiwilligen-Dienst machen. Für letzteres haben sich bisher fix 1.400 Männer gemeldet. Sie werden mit Hilfe des Roten Kreuzes den Einrichtungen, in denen sie gebraucht werden, zugeteilt.

Das Gesundheitssystem funktioniere, aber die Lage "ist sehr angespannt". Besonderns betroffen seien die Bereiche Altenpflege, Rettungswesen und Behindertenhilfe, sagte Köstinger bei einer Pressekonferenz mit Rotes Kreuz-Generalsekretär Michael Opriesnig am Samstag. Die schwierige Situation werde durch das Ausbleiben ausländischer Pflegekräfte erschwert. Wie viele Pflegekräfte am Ende des Tages fehlen werden, konnte die Ministerin nicht genau beziffert. In der 24-Stunden-Betreuung seien derzeit 33.000 Kräfte aus dem Ausland im Einsatz. Es sei davon auszugehen, "dass einige Tausend fehlen werden". "Die Lage wird sich massiv verschärfen", so Köstinger.

Die Regierung unternehme alles, um die Versorgung zu gewährleisten, sagte Köstinger und appellierte weiter an ehemalige Zivildiener, sich für den freiwilligen Dienst zu melden. Jene, die fix zugesagt haben, bekommen bereits einen Bescheid und werden zu den Einrichtungen vermittelt. Man habe sich mit den Landeshauptleuten darauf verständigt, diese Zuteilungen möglichst rasch und unbürokratisch über das Rote Kreuz und dessen Landestellen zu machen. Opriesnig versprach eine Aufteilung nach "fairen und objektiven Kriterien".

Die Zivildiener sind aber nur für anerkannte Einrichtungen gedacht. Menschen, die im privaten Bereich pflegen, müssen sich an die Pflegeeinrichtungen wenden, wenn sie Hilfe brauchen.

Gesucht werden Ex-Zivildiener, die einen Vollzeit-Dienst machen können. Jene, die nur stundenweise Zeit haben, sollen sich beim Team Österreich melden, dort gebe es auch viel zu tun, riet Köstinger. Sie rief zudem dazu auf, Scherzanrufe und nicht ernst gemeine Anmeldung zu unterlassen und die Hotlines der Zivildienstagentur freizulassen. Das komme nämlich auch oft vor, zeigte sich die Ministerin verärgert.

Opriesnig bedankte sich bei allen Freiwilligen. Für viele jungen Männer sei die Situation schwierig, ihre Pläne werden umgeworfen, "aber wir sind in einer Ausnahmesituation". "Der Einsatz der Zivildiener ist mehr als notwendig."

Auf die aktuelle Situation mit Blutkonserven angesprochen, sagte Opriesnig, dass es noch keinen Engpass gebe. "Die Leute kommen weiter, aber es ist weniger."

(APA)

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