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Letzte Lücke in der Drogenbehandlung geschlossen

Dr. Roland Wölfle, Leiter der Therapiestation Lukasfeld.
Dr. Roland Wölfle, Leiter der Therapiestation Lukasfeld. ©M. Benzer
Mit der Eröffnung der Entgiftungsstation am Therapiezentrum Lukasfeld in Meiningen ist nun eine qualifizierte stationäre Entzugsbehandlung bei Drogenabhängigkeit auch in Vorarlberg möglich. Damit wurde eine Lücke in der Behandlung Drogenabhängiger geschlossen.
Neue Entgiftungsstation Lukasfeld Meiningen

Über die Realisierung der Möglichkeit für diese wichtige therapeutische Maßnahme freut sich insbesondere der Leiter der Therapiestation Lukasfeld, Dr. Roland Wölfle.

VN-Heimat: Welchen Nutzen haben die Patienten von der Entgiftungsstation?
Dr. Roland Wölfle: Damit ist vor allem eine Verbesserung der Entgiftungssituation für drogenabhängige Menschen geschaffen worden. Körperliche Entgiftung fand bis dato in beengten Verhältnissen statt. Alternativ wurden Entgiftungen an der Psychiatrie am LKH Rankweil durchgeführt. Ein Umfeld, in dem sich die PatientInnen eigentlich nicht so wohlgefühlt haben. Die Allgemeinpsychiatrie ist nicht der ideale Ort für Drogenentzüge. Viele PatientInnen sind auch in andere Bundesländer gegangen, wodurch aber die Nachbetreuung und Kontinuität in der Behandlung nicht gegeben war.

VN-Heimat: Mit der Entgiftungsstation wurde eine Lücke in der Behandlung Drogensüchtiger geschlossen. Welche Elemente enthält die Suchttherapie?
Wölfle: Suchttherapie baut auf einer kontinuierlichen Behandlungskette auf. Die Vorbehandlung beinhaltet Motivationsarbeit und ambulante Betreuung. Dann erfolgt die körperliche Entgiftung und im Anschluss daran die stationäre Entwöhnung und Rehabilitation. Für die Nachsorge gibt es Wohngemeinschaften, ambulante Beratungsstellen wie etwa „Clean“ von der Stiftung Maria Ebene und „Die Faehre“ in Dornbirn oder niederschwellige Beratungsstellen wie das „Ex und Hopp“. Wichtig ist uns, dass jetzt, mit der Entgiftungsstation, bei Rückfällen eine schnelle Aufnahme gewährleistet ist. Das war überhaupt unser wichtigstes Ziel: Die Wartezeit auf die körperliche Entgiftung deutlich zu verkürzen. Früher wartete man auf ein Entgiftungsbett zwei bis drei Monate, jetzt einige Tage bis wenige Wochen. Das ist eine deutliche Verbesserung der Qualität der Suchtbehandlung in Vorarlberg. 

VN-Heimat: Was erwartet den Patienten / die Patientin in der Entgiftungsstation? 
Wölfle: Entgiftung ist die Behandlung körperlicher Entzugserscheinungen bei Drogenabhängigen. Der oder die Entzugswillige meldet sich bei uns an, nach eigenem freiem Entschluss, versteht sich. Am Lukasfeld gibt es übrigens auch das Programm „Therapie statt Strafe“, aber auch hier ist es eine freie Entscheidung in Therapie zu gehen oder eben ins Gefängnis. Nach einer medizinischen Untersuchung wird entschieden, ob die Therapie am Lukasfeld möglich ist, das heißt, es darf keine intensivmedizinische Behandlung indiziert sein. In den meisten Fällen können wir das leisten, denn Heroinentzüge gehen zwar mit Schmerzen und Spannungszuständen einher, sind aber medizinisch leichter zu bewältigen als Alkohol- und Medikamentenentzüge.
Weiters erwartet die PatientInnen eine Behandlung unter fachärztlicher Leitung, gut
qualifizierte Therapeuten und Pflegepersonal sowie Angebote für sportliche und kreative Aktivitäten.

VN-Heimat: Wie lange müssen PatientInnen in stationärer Behandlung bleiben? 
Wölfle: Der reine körperliche Entzug, also die Behandlung auf der Entgiftungsstation
dauert meist ein bis zwei Wochen. Dann kann der Patient im Haus in die Entwöhnungsstation übernommen werden. Insgesamt sollten  Patienten mindestens acht Wochen bleiben, es sind aber auch Aufenthalte bis zu  sechs Monate möglich. Die PatientInnen können nach dem Entzug  auch nach Hause oder in eine andere Einrichtung gehen.
Neu auf unserer Station ist auch die Möglichkeit eines Teilentzugs bei Substitution. Wir haben in Vorarlberg rund 400 Menschen im Drogenersatzprogramm.

VN-Heimat: Wie hoch ist die Zahl der Rückfälle? Wie alt ist der Durchschnittspatient
Wölfle: Wir arbeiten nach dem Prinzip der „positiven Drehtüre“. Rückfällige können immer wieder hereinkommen. Manche Entzugswillige brauchen mehrere Anläufe, das ist normal. Ein- oder zweimal zu scheitern, ist kein Problem. Ich würde sagen, die Zahl derer die es mittelfristig schaffen, eine gute Lebensqualität zu erreichen, liegt bei einem Drittel bis der Hälfte aller PatientInnen. Sie sind nicht „geheilt“ aber sie „kummen z’Gang“, das heißt, sie rutschen nicht in die Kriminalität, sie sind sozial integriert und können meistens wieder arbeiten. Der Altersdurchschnitt der PatientInnen lag 2011 bei 21,5 Jahren. Bei Erstbehandlungen ist das Alter niedriger.

VN-Heimat: Offiziell eröffnet wird die Entgiftungsstation am Montag, aber Sie arbeiten
schon seit vier Monaten hier. Gibt es erste Erkenntnisse?  
Wölfle: Bis jetzt sind bei entsprechender Motivation und Mitarbeit alle körperlichen Entzüge gelungen. Die Station, die sechs Betten umfasst, ist gut ausgelastet. Ein wichtiger Faktor bei der stationären Suchttherapie ist der Rahmen, in dem sie stattfindet. Das Gelingen des Entzuges wird stark von psychologischen Faktoren gelenkt, da spielt das Umfeld eine große Rolle. Und das Umfeld stimmt, hier am Lukasfeld. 

Zur Person:
Dr. Roland Wölfle
geb.: 1958, wohnhaft in Wolfurt, verheiratet mit Dr. Andrea Wölfle, zwei Söhne. 
Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Psychotherapeut
seit 1990 in der Stiftung Maria Ebene
seit 2002 Leiter der Therapiestation Lukasfeld

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