Landis gewinnt 17. Etappe

Wie Phönix aus der Asche ist Floyd Landis am Donnerstag auf der dritten und letzten Alpenetappe in den Kreis der Topfavoriten der Tour de France zurückgekehrt.

Der 30-jährige US-Amerikaner feierte auf dem 17. Teilstück von St. Jean de Maurienne über vier Pässe nach Morzine (200 km) einen eindrucksvollen Solosieg und hat nach dem Sprung von Rang elf auf drei beste Chancen auf den Gesamtsieg.

Der Spanier Oscar Pereiro verteidigte das Gelbe Trikot gerade noch erfolgreich, vor dem entscheidenden Zeitfahren (57 km) am Samstag hat er zwölf Sekunden Vorsprung auf den Tages-Zweiten Carlos Sastre (ESP) und 30 auf Landis.

Die 93. Tour, die nach dem Rücktritt von Seriensieger Lance Armstrong bisher vergeblich einen neuen Patron sucht, schreibt unglaubliche, verrückte Geschichten. In L’Alpe d’Huez schien Landis am Dienstag als Spitzenreiter unantastbar und holte das Gelbe Trikot von Pereiro zurück, tags darauf brach er auf dem Weg zur Bergankunft in La Toussuire völlig ein und rutschte auf Rang elf (+8:08) ab. Es schien das Ende der Hoffnungen des Phonak-Profis zu sein, der im August ein künstliches Hüftgelenk bekommt.

Das Comeback war beeindruckend. „Ich werde zurückkommen“, hatte Landis vor dem Start angekündigt und er begann schon am ersten der vier Pässe des Tages mit der Umsetzung seines Plans. Nachdem er als Führender Tage lang abwartend gefahren war, wählte er nun den Angriff als letzte Chance. „Ich habe mir gedacht, dass vielleicht ein Durcheinander entsteht, wenn ich früh angreife“, sagte Landis. Seiner Tempoverschärfung auf dem Weg zum Col des Saisies (1.650 m) war keiner in der Gruppe der Mitfavoriten gewachsen, nach dem Col des Aravis (1.486 m) holte er noch vor der Passhöhe des Col de la Colombiere (1.613 m) den letzten Ausreißer, den Franzosen Patrice Halgand, ein.

Mit Patrick Sinkewitz, einem weiteren Ausreißer am Hinterrad, radelte Landis mit einem Vorsprung von neun Minuten auf seinen Ex-Teamkollegen Pereiro virtuell schon im Gelben Trikot. Der Vorsprung schmolz zwar unter dem Tempodiktat von CSC und T-Mobile auf den 30 recht flachen Kilometern bis zum letzten Anstieg um zwei Minuten, doch in der finalen Kletterei auf den Col de Joux-Plane (1.691 m) zog Landis nochmals voll durch. „Gestern war ich sehr enttäuscht, es war ein Desaster. Heute habe ich auch für mein Team alles gegeben, denn ich wollte nicht nach einem schlechten Tag aufstecken.“

Nach 130 Kilometern ohne Helfer selbst Tempo machend gewann er mit 5:42 Minuten Vorsprung auf Sastre und 5:58 auf den Franzosen Christophe Moreau, es war sein erster Tagessieg bei der Tour. Als Zweiter des ersten langen Zeitfahrens hat er die besten Karten, als Nachfolger Armstrongs am Sonntag in Paris auf dem Podest ganz oben zu stehen. „Ich will gewinnen und bin ziemlich zuversichtlich, was meine Qualitäten im Zeitfahren betrifft. Hoffentlich habe ich heute nicht zu viele Kräfte verbraucht“, meinte Landis.

Pereiro lag als Siebenter 7:08 Minuten zurück. Der 28-Jährige, der im Vorjahr noch mit Landis bei Phonak gefahren war, rettete in der 12 km langen Abfahrt als besserer Downhiller das Gelbe Trikot vor dem Profi Sastre, der am Beginn der letzten Steigung erfolgreich attackiert hatte. Das Spitzentrio ist nur durch eine halbe Minute getrennt, der Deutsche Andreas Klöden liegt nach Tagesrang acht als Vierter schon 2:29 zurück.

Georg Totschnigs Unform ließ eine Fahrt in der zehnköpfigen Ausreißergruppe, die sich früh gebildet hatte, nicht zu. Der Tiroler vermochte gleich am ersten Berg auch nicht den Anschluss an die Gruppe des Gelben Trikots zu halten und muss die 93. Auflage der Tour, in die er mit so großen Erwartungen gestartet war, als Misserfolg abhaken. Und sich neue Ziel suchen. So wie am Vortag kam der Etappensieger des Vorjahres mit enormer Verspätung ins Ziel.

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